Wir haben mit einem der Macher des Nackt-Kalenders von Münchner Studierenden gesprochen.

Spendenaktionen für die Buschbrände in Australien gibt es gerade – zum Glück – wie Sand am Meer. So kann man als Unterstützung für die Einsatzkräfte und Hilfsorganisationen vor Ort Koalas adoptieren, an die Feuerwehr spenden – oder sogar Nacktbilder kaufen.

Richtig gelesen: Die US-amerikanische Influencerin und Sexarbeitern Kaylen Ward etwa hatte auf Twitter mit Nacktfotos Spenden in Höhe von über 900.000 Euro (über eine Million US-Dollar) gesammelt und so eine Welle von Nachahmern ausgelöst, die ebenfalls für Australien die Hüllen fallen ließen. Jetzt kann man natürlich sagen: "Verrückte Aktion, kann nur aus den USA kommen." Oder man macht es wie der Abschlussjahrgang der Veterinärmediziner (Tiermedizin) an der Münchner Uni LMU.

Aus diesem schlossen sich nämlich 37 Studierende zusammen und produzierten einen geradezu künstlerisch wertvollen Aktkalender. Der Erlös aus dem Verkauf des "Veti-Kalenders", den es in zwei Versionen mit jeweils nur Männern beziehungsweise Frauen gibt, soll in Teilen an Tierschutzorganisationen in Australien gespendet werden. Der andere Teil wird für den Abschlussball des Jahrgangs genutzt.

Wir haben mit Max Wieth gesprochen, der nicht nur nackt neben Pferden posierte, sondern die Produktion des Kalenders sogar mit organisierte.

NOIZZ: Wie kamt ihr auf die Idee, einen Akt-Kalender zu produzieren, um Gelder unter anderem für Australien zu sammeln? Kam die Inspiration von den Nackt-Models in den USA?

Max: Es lässt sich nicht genau sagen, wann oder wie die Idee konkret entstanden ist. Das Konzept an sich ist keine neue Idee unsererseits, bereits in Amerika, Australien und England haben zukünftige Kollegen ähnliche Kalender entworfen.

Die Inspiration war aber vollkommen unabhängig von den Nackt-Models, die für Australien spenden sammeln. Das Projekt hatte seinen Anfang zeitlich weit, bevor die Nachrichten aus Australien uns überhaupt erreicht haben.

Nackt-Shootings mit Pferden, Schlangen und Alpakas – da gab es doch sicher den einen oder anderen Zwischenfall. Oder?

Max: Für jedes Model und auch für uns als Organisationsteam war es eine tolle Erfahrung mit einfachen, aber auch teils schwierigen Situationen, die wir gemeinsam gemeistert haben. Einige Lachanfälle gab es dabei auch.

Eine lustige Story ist auf jeden Fall die von einem Pferde-Shooting, das ein bisschen schief gelaufen ist. Bei allen Shootings haben wir uns viel Mühe gegeben, dass alles möglichst natürlich wirkt und wir nicht zu viel nachbearbeiten müssen. Für ein Foto, bei dem ein Model auf einem Pferd sitzen sollte, verzichteten wir deshalb auf das Zaumzeug. Als das nackte Model schließlich auf dem Pferd saß, fing das aber auf einmal an, in den Stall zu laufen – ohne Zügel hatte das Model aber natürlich keine Möglichkeit, es zu lenken. Das war schon sehr lustig. Das Foto hat es letztendlich auch nicht in den Kalender geschafft.

Wie schnell war der Kalender ausverkauft?

Max: Das Projekt wurde Mitte Oktober 2019 ins Leben gerufen und Anfang Dezember hat bereits der Verkauf begonnen, jetzt sind alle Kalender verkauft. Der Verkaufszeitraum betrug also ungefähr zwei Monate.

Wer waren die Käuferinnen und Käufer?

Max: Der Kalender hat viel Stil und Klasse, darauf wurde sehr viel Wert gelegt. Die Käuferinnen und Käufer sind jene, die den Kalender schön finden und die fotografische Darstellung schätzen oder jene, die den Zweck hinter dem Kalender unterstützen wollen. Was auch immer die persönliche Motivation der Käufer und Käuferinnen sein mag, sind wir sehr dankbar für die Unterstützung.

Wie viele Kalender habt ihr insgesamt verkauft und wie viel Geld ist dabei herausgesprungen?

Max: Sehr gute Frage! Nachdem wir nochmal für kurze Zeit einen Vorverkauf freigegeben haben müssen wir jetzt erst einmal nachzählen. Unsere Auflage ist allerdings lediglich im mittleren Hunderterbereich, wodurch leider auch hohe Produktionskosten anfallen. Wie viel Geld wir verdient haben, lässt sich zur Zeit nicht konkret beantworten, da noch Unkosten und weiteres gedeckt werden müssen beziehungsweise zur Zeit noch entstehen.

Wie viel von dem Geld wollt ihr an australische Hilfsorganisationen spenden? An welche genau?

Max: Wir spenden, so viel wir können. Darüber wird es auf jeden Fall einen Beitrag auf unseren Sozialen Netzwerken geben. Über die Wahl der Organisation wird zur Zeit vom Semester abgestimmt.

Plötzlich berichteten viele Medien über eure Aktion darüber. War das ein Schock?

Max: Es war etwas unerwartet. Wir hätten uns ein solches Interesse im Dezember gewünscht, als der Verkauf startete.

Fanden es alle Models in Ordnung, nun im Internet zu sein? Bereut jemand die Aktion?

Max: Bereuen hoffentlich nicht! Aber man darf nicht vergessen, dass es sich bei allen Models nicht um professionelle Models, sondern Studenten handelt. Diese Situation, sich plötzlich auf verschiedenen Medienplattformen wieder zu finden, ist doch etwas ungewohnt.

Würdet ihr den Kalender genauso nochmal machen?

Max: Wir haben so viel positive Rückmeldung erhalten, dass wir das Projekt durchaus noch einmal machen würden. Jeder sollte Spaß an der Sache haben, mit einer schönen Erinnerung bereichert werden und das ganze Projekt sollte einem gemeinnützigen Zweck dienen.

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Unser Kalender sollte etwas Besonderes sein und sich von Projekten anderer Universitäten abheben und das haben wir durch unseren hohen Anspruch an Stil und Qualität auch erreichen können. Für uns ist er zudem ein Andenken an eine wunderbare Zeit geworden, die uns zusammengeschweißt hat.

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Quelle: Noizz.de