Seit März sind alle Clubs in Deutschland dicht – was am Anfang für einige vielleicht eine willkommene Auszeit war, geht vielen nun doch zu lang. Die Lust auf Party steigt genauso wie die Temperaturen – und so wird draußen gefeiert. Nur ist das im Moment leider illegal. Könnte sich aber bald ändern. In Berlin arbeitet man an ersten Konzepten.

In Deutschland wird gefeiert – Outdoor-Raves und Open-Air-Partys schießen wie Pilze aus dem Boden. Die meisten davon werden per Telegram organisiert. Trotz Corona-Pandemie – oder vielleicht viel mehr wegen. Denn seitdem alle Clubs im März dichtmachen mussten, um eine weitere Verbreitung des Coronavirus zu verhindern, gibt es für uns keine Möglichkeit, feiern zu gehen. Zwar haben Bars und Restaurants wieder geöffnet, Versammlungen mit mehreren Hundert Personen auf kleiner Fläche sind virustechnisch aber noch immer nicht so angesagt.

>> Rave-Party statt Club-Demo in Berlin: Tausende Menschen trotzen Corona-Beschränkungen

Leider sind wir alle nur Menschen und werden ziemlich depressiv, wenn sozialer Kontakt ausbleibt – und für viele sind Clubs ja nicht nur irgendein Happening am Wochenende, sondern eine Lebenseinstellung. Kein Wunder also, dass sich die Partynation in den lauen Sommernächten draußen versammelt – in Parks, Wäldern oder abgelegenen Industrieanlagen. Leider ist das illegal – nicht nur nach den geltenden Coronaverordnungen, sondern auch, weil man für größere Veranstaltungen in Deutschland ganz generell eine Erlaubnis braucht.

Und so kommt es in den vergangenen Wochen immer öfters dazu, dass die Polizei Draußen-Partys mit mehreren Hundert Besuchern in Städten wie Ulm, Berlin, Köln, Hamburg, Stuttgart, Frankfurt und München auflösen muss. Bei einem nicht genehmigten Rave im Berliner Stadtteil Neukölln hatten sich zum Beispiel Tausende Menschen versammelt und getanzt – ohne Abstand und nur wenige mit Mundschutz. Ganz so krass wie in Großbritannien ist die Situation noch nicht – aber sie erinnert auch verdammt an die Anfänge der Technoszene hierzulande in den späten Achtzigern mit ihren ebenfalls illegalen Outdoor-Raves.

Wie soll das nur in den kommenden Wochen weiter gehen?

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Dass es soweit kommt, liegt auch daran, dass es im Moment keine legalen Alternativen gibt. Nach Monaten, in denen das soziale Leben heruntergefahren war, sehen sich viele wieder nach Normalität oder zumindest Momenten, in denen sie einfach ausgelassen feiern können. Hinzu kommt, dass ohne legale Feiermöglichkeiten, die Existenzgrundlage für viele Club-Betreiber in Gefahr ist.

Das Problem ist also da und lässt sich nicht ignorieren. Berlin versucht deswegen nun, gemeinsam mit der Berliner Clubcomission, an einem Konzept ein Hygiene- und Veranstaltungskonzept zu erarbeiten, dass Pandemie-kompatible Outdoor-Partys ermöglichen könnte – und die dann auch nicht länger illegal wären. Im Moment plant der Berliner Senat, 20 Parks und Grünanlagen in der Stadt für Open-Airs verfügbar zu machen.

Auch eine Maskenpflicht beim Feiern wird diskutiert. Das kurzzeitig diskutierte Alkoholverbot in Berliner Bars und Kneipen ist hingegen wieder vom Tisch. Die rot-rot-grüne Berliner Regierung im Senat spricht sich auf jeden Fall für so ein Freiluftpartygesetz aus. Hierbei soll ausgerechnet das kleine Bundesland Bremen als Vorbild dienen. Denn die haben bereits seit 2016 so ein Freiluftpartygesetz, das alles regelt. Kultursenator Klaus Lederer betont, dass man gerade in Abstimmung sei:

"Wir versuchen, Pandemieeindämmung und kulturelles Leben zu verbinden. Mit guten Schutzkonzepten probieren wir kleinteilige Formate aus."

Die Hürden sind allerdings groß: Denn in Berlin ist für die Umsetzung eines solchen Konzeptes immer der jeweilige Bezirk verantwortlich – und die sind nicht unbedingt pro Outdoor-Partys. Einige Bezirke haben jetzt schon angekündigt, dass falls die Grünflächen und Parks für Open-Air-Veranstaltungen in der Coronapandemie freigegeben werden, es auf jeden Fall eine Sperrzeit geben wird – länger als 22 Uhr wird es nicht gehen, aufgrund des Ruheschutzes für die Anwohner. Und auch der regierende Bürgermeister Michael Müller von Berlin sagte noch in einer TV-Ansprache Ende Juni, es sei noch lange nicht die Zeit für "sorgloses Feiern in großen Gruppen.“

Aber es gibt Hoffnung

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Die drei Bezirksbürgermeister von Pankow, Lichtenberg und Marzahn-Hellersdorf – alle drei von der Partei Die Linken – haben sich dafür ausgesprochen, Open-Air-Veranstaltungen zu vereinfachen und bei der Umsetzung mitzuwirken. In einer gemeinsamen Erklärung erklären sie, dass sie Frei- und Grünflächen, Straßen, Plätze und zum Teil auch Sportanlagen für Open Airs öffnen wollen für Kunst, Theater und Musik. Sie versprechen:

"schnell darüber entscheiden, was möglich ist."

Bis zum 30. September wolle man sich um eine möglichst unkomplizierte, unbürokratische und kurzfristige Bearbeitung von Anfragen bemühen. Heißt auf gut Deutsch: Eine kurzfristig geplanten Outdoor-Party soll ab dann ziemlich easy umgesetzt und erlaubt werden können – mit passendem Hygienekonzept, um einen gewissen Schutz vor dem Coronavirus zu gewährleisten. Sören Benn, Bezirksbürgermeister von Pankow sagt dazu:

"Ungewöhnliche Zeiten erfordern ungewöhnliche Maßnahmen, auch zur Rettung der Kunst vor dem coronalen Tod. Licht, Luft und Sonne für die darstellenden Sparten ist ein Gebot der Stunde."

Klingt ja erst erstmal ganz gut.

Wird also Day-Partying das neue Ding?

Party im Freien ist für viele in Corona-Zeiten, der einzige Weg sich zu vergnügen – Belrin will sogar ien Konzept erarbeiten, damit es legal wird.

Das wäre an sich nicht so tragisch, schließlich lebt die Berliner Partykultur und Clubszene seit Jahren auch von legendären Partys, die auch tagsüber stattfinden. Damit gesichert ist, dass der Plan auch funktioniert, erarbeitet die Berliner Clubcomission gerade ein Nutzungskonzept.

Dabei stehen die Veranstalter vor einigen Herausforderungen: Man braucht mehr Personal, damit sich die Menge besser über die gesamte Fläche verteilt, auch Absperrungen, Gitter, Bühnen und mobile Bars werden gebraucht. Equipment, dass viele Clubs gar nicht besitzen.

Lutz Leichsenring von der Berliner Clubcomission sagt im "Deutschlandfunk Kultur" aber auch, dass diese Outdoor-Konzepte wohl eher wenig Geld in die Clubkassen spülen werden. Stattdessen sei es für viele Clubs vorteilhafter, wenn sie ihre Außenflächen im Moment als Biergärten nutzen und dort Musik spielen – natürlich auch Corona-konform. Einige bekannte Clubs in Berlin, wie das "Sisyphos" oder die "Wilde Renate" machen das auch schon so. Da kann dann zumindest ein bisschen Partystimmung aufkommen.

Quelle: Noizz.de