Durch Vibrator-Sex soll die Vagina taub werden. Stimmt das?

Sie pulsieren, stoßen, vibrieren und saugen. Vibratoren haben sich in den letzten Jahren so weit entwickelt, dass viele Frauen jeden Alters gerne zu den Toys greifen. Beendet wird der Solosex mit einem herrlichen Orgasmus, der einfach nicht mit echtem Sex zu vergleichen ist!

Seit geraumer Zeit kursieren im Internet aber Gerüchte, dass Solosex mit dem Vibrator die Orgasmusfähigkeit mindern soll. Unter dem Namen „Dead Vagina“-Syndrom sorgen diese Gerüchte dafür, dass sich viele Frauen sorgen machen.

Stirbt meine Vagina durch Vibratorsex?

Laut der Theorie sollen Frauen angeblich nicht mehr so häufig zum Orgasmus kommen können, weil sie durch die starken Vibrationen der Aushilfs-Penisse abstumpfen. Die Verfechter dieser Theorie argumentieren damit, dass die „Nerven der Vagina überstrapaziert“ werden können. Ein einfacher Mann mit nicht-vibrierendem Penis könne demnach bei diesen Frauen gar nichts mehr bewirken. NOIZZ wollte wissen, was hinter dem „Dead Vagina Syndrom“ steckt und hat mit dem Hamburger Frauenarzt und Sexual-Therapeuten Dr. Johann Sievers gesprochen.

NOIZZ: Was halten Sie von dem Begriff „Dead Vagina“-Syndrom?

Dr. Sievers: Von dem Begriff halte ich nichts. Er ist auch nicht richtig: Die Vagina einer betroffenen Frau ist nicht tot! Die Symptome, die unter diesem Begriff zusammengefasst werden, können aber trotzdem auftreten.

Durch zu häufiges Masturbieren mit dem Vibrator können Frauen also Probleme mit ihrem Orgasmus bekommen?

Dr. Sievers: Es gibt verschiedene Wege, um zum Orgasmus zu kommen. Wenn Frauen häufig mit dem Vibrator masturbieren, dann kann es sein, dass sie nur noch Lust empfinden, wenn sie den Vibrator benutzen. Dementsprechend kann es tatsächlich sein, dass sie beim normalen Sex mit dem Partner nicht mehr zum Orgasmus kommen können. Ein Vibrator stimuliert anders als ein Mann, der sich „nur“ bewegen kann.

Es hat also nichts damit zutun, dass die Nerven überreizt werden?

Dr. Sievers: Nein, die Nerven werden nicht überreizt. Es ist auf der anderen Seite aber auch kein psychisches Problem. Es ist einfach so, dass jede Frau unterschiedlich zum Orgasmus kommt. Die einen kommen nur, wenn sie beim Sex mit dem Partner selbst Hand angelegen, andere können nur in bestimmten Stellungen kommen, weil das Druckverhältnis im Körper stimmen muss. Es kann eben sein, dass sich der Körper an bestimmte Handlungen gewöhnt.

Klagen Frauen in Ihrer Praxis häufig über ein Taubheitsgefühl?

Dr. Sievers: Bisher ist noch keine Frau in meine Praxis gekommen und hat über das „Dead Vagina“-Syndrom geklagt. Im Zusammenhang mit einem Vibrator tritt kein Taubheitsgefühl auf. Allerdings klagen häufig Frauen, die in den Wechseljahren sind, über dieses Problem. Sie beschreiben die Berührungen als nicht mehr so elektrisierend wie früher. Das hängt aber mit der hormonellen Situation zusammen und nicht mit Vibratoren.

Fördert Masturbation die sexuelle Gesundheit von Frauen?

Dr. Sievers: Grundsätzlich ist Masturbation gesund. Es spricht nichts dagegen, selbst Hand anzulegen. Außerdem ist es so, dass Libido-Probleme häufig bei Frauen auftreten, die sowieso schon selten Sex haben. Um einer sexuellen Störung vorzubeugen, kann es also hilfreich sein, zu masturbieren oder eben mit dem Partner Sex zu haben. Problematisch wird es erst, wenn der Sex mit dem Partner in den Hintergrund tritt und die Frau nicht mehr von den Berührungen und Bewegungen erregt wird.

Wie kann man Orgasmus-Problemen durch Masturbation vorbeugen?

Dr. Sievers: Damit das nicht passiert, kann ich vor allem zu einem guten Mittelmaß raten. Wer gerne masturbiert, soll das tun. Man sollte nur darauf achten, dass der Sex mit dem Partner nicht in den Hintergrund rückt. Um seine Lust nicht zu sehr auf einen Vibrator zu konzentrieren, kann es helfen, zu unterschiedlichen Geräten zu greifen oder es mit der Hand zu machen.

Quelle: Noizz.de