Auf YouTube kannst du dir stundenlang ist Ohr hecheln lassen.

Videos, deren Sound eher auf YouPorn landen sollten, sind jetzt der Hit. Das Ganze heißt ASMR (Autonomous Sensory Meridian Response) und soll angenehm und beruhigend empfunden werden.

Eigentlich sollte dieser Artikel über die Lady gehen, die eine Gurke isst und die Millionen Zuschauer sich an ihrem Sound ergötzen. Doch bei den Recherchen bekomme ich immer weitere Vorschläge: „20 Triggers To Help You Sleep“, „ASMR Ear Eating“ oder ganze Rollenspiele, bei den du wie ein First-Class-Fluggast behandelt wirst.

Komischerweise ist der Großteil der „ASMR-Künstler“ junge Frauen, die dir sanft ins Ohr flüstern. Vor der Kamera sieht man sie in der Regel von links nach rechts rücken, um die beiden verschiedenen Kanäle deiner Kopfhörer zu berauschen. Die Videos beginnen in der Regel mit einem Fingerwackeln, das sich wie ein flatternder Vogel anhört. Dazu ein sanftes „Hallo“, oder auch 30 „Hallos“. Das Mikrofon muss dermaßen sensibel eingestellt sein, dass du wirklich das Gefühl hast, dass die Dame bei dir wäre.

Dann geht es auch schon zu Sache: „Hey ich bin Gibi und sorge dafür, dass es dir gut geht.“ Auch das erinnert mich eher an ein anderes Filmchen. Ich persönlich habe eine ziemliche Abneigung gegen Personen, die mir zu nah kommen. Vor allem, wenn sie dann noch einen vollen Atemzug in mein Ohr heucheln. Danke, dass du mich für diesen Artikel auserkoren hast, Chef!

Die Videos laufen eigentlich alle gleich ab. Nach einer kurzen Begrüßung holen sie schon ihr Spielzeug raus. (Sorry, für die pornösen Anspielungen.) Mal eine Schmink-Palette, auf der sie hin- und herpinseln, dann eine leere Shampoo-Flasche, auf der herumgetippt wird.

Das Ganze geht so weit, dass „FrivolousFox“ auf dem Styropor-Ohr rumleckt und -kaut. Und auch das wird getoppt, wenn die Zwillinge von „PPOMO“ gleichzeitig durch deine Ohrmuscheln lecken.

Und das soll entspannen? Mich entspannt es, mit einem Ohrstäbchen meine Ohren sauber zu machen, aber nicht, wenn mir die Damen das Ohr sauberlutschen.

Jetzt mal ehrlich. Ich habe mich dermaßen totgelacht, als ich im Video zwei erwachsenen Frauen vor zwei Styropor-Ohren sitzen sehen habe.

Im Pseudo-Rollenspiel „Care of you after a home party“ kämmt dir „Pelagea“ die Haare, pinselt dein Gesicht und schmatzt dir ihren Apfel ins Ohr. Verkleidet ist sie als Klischee-Teenager mit Gummi-Halsband, Strähnchen und bunten Haarspangen. Ich frage mich, wie viele Tastaturen von männlichen Zuhörern schon wegen dieses Videos verklebt sind.

Letztendlich habe ich mich unfassbar unwohl gefühlt, als ich mir dieses Schmazen und Keuchen angehört habe. Dennoch haben die Videos einige Lacher hervorgerufen. Dieses „Genre“ ist einfach absurd und weird.

Quelle: Noizz.de