Wie Handelskonzerne unser Konsumverhalten steuern.

Der „Black Friday“ lässt das Konsumenten-Herz schneller schlagen: Unzählige Angebote locken mit „Top Deals“, „aktuellen Aktionen“ und „Tagesangeboten“. Bei Amazon gibt es in der parallel laufenden „Cyber Week“ Angebote im 5-Minuten-Takt und Rabatten bis zu 60 Prozent. Dabei sind die Aktionstage nicht mehr als eine Chance für die Händler, mit psychologischen Tricks die Lager leer zu bekommen und zusätzlichen Umsatz zu schaffen!

Gut, in Deutschland haben die Aktionstage (noch) nicht solche Aumaße erreicht wie in den USA, wo sich Kunden jedes Jahr um den besten Platz in der Schlange mit Ellenbogen verteidigen. Dennoch dürften sich die Schnäppchen auch hierzulande lohnen: Der Handelsverband Deutschland rechnet am „Black Friday“ und dem darauffolgenden „Cyber Monday“ mit einem zusätzlichen Umsatz von 1,7 Milliarden Euro.

Doch wer bestimmt eigentlich den Kaufimpuls? Der Käufer selbst oder die Händler? Tatsächlich sind die Märkte bei den meisten beworbenen Produkten doch gesättigt. Wer in dieser Woche eine Spülmaschine kauft, schlägt bei diesen Angeboten ja nicht deswegen zu, weil die alte gerade erst kaputt gegangen ist, sondern eben weil sie heruntergesetzt ist.

Und so mutiert unser Konsum-Verhalten zum Spaß-Shoppen nach den Regeln der Konzerne: „Mal schauen, was bei Amazon angeboten wird, die haben ja gerade Angebote“, denken sich die einen. Die anderen pilgern zu Saturn, um Schnäppchen abzusahnen.

Das Wirkungsprinzip ist das gleiche wie bei Schlussverkäufen. Der durchgestrichene Ursprungspreis, die dick gedruckten Rabattprozente und das Label „Angebot“ aktivieren die Belohnungssysteme im Körper. Die zeitliche Limitierung der „Blitzangebote“ und die künstliche Verknappung („Nur noch 5 Stück vorhanden!“) beschleunigen die Entscheidung. Es fühlt sich gut an, ein Schnäppchen gemacht zu haben.

Dass sich die meisten Rabatte auf die „unverbindliche Preisempfehlung“ (UVP) beziehen und die Angebote nicht unbedingt außergewöhnlich sind, sei geschenkt. Interessanter ist der Tunnelblick der Schnäppchenjäger auf die Angebotsschilder. Das kritische Denken ist wie ausgeknipst.

Der Marketingexperte Martin Fassnacht von der Wirtschaftshochschule WHU warnt: „Solche Rabatttage sind ein zweischneidiges Schwert. Sie sorgen für mehr Verkäufe. Aber solche Aktionen stärken auch den Trend zur Discount-Gesellschaft. Rabatte sind eine starke Droge. Es wird dadurch immer schwieriger, Produkte noch zu normalen Preisen zu verkaufen.“

Die Schnäppchenjagd und die damit verbundene Mehrproduktion schaden also nicht nur den Menschen, die Elektronikgeräte alles andere als nachhaltig und unter schlimmsten Bedingungen in China zusammenbauen (Apple ließ Schüler in China das neue iPhone X zusammenbauen, wie NOIZZ berichtete) oder die Kleidung in maroden Fabriken nähen lassen (oder unbezahlt wie bei Zara in der Türkei, wie NOIZZ berichtete).

Auch die Angestellten von Amazon leiden unter schlechten Arbeitsbedingungen, beispielsweise in den Werken in Rheinberg und Werne. Bis heute werden die Arbeiter untertariflich bezahlt. Deswegen hat die Gewerkschaft ver.di pünktlich zum „Black Friday“ zum Streik aufgerufen. „Die Rabatttage bedeuten massive Arbeitsbelastung und Dauerstress“, heißt es in einer Mitteilung von verdi.

Das kann sich der Online-Händler nur leisten, weil auch hierzulande genug Menschen munter an der Konsumspirale mitmachen. Daher sollten wir in dieser Woche einfach mal genau das Gegenteil dessen tun, was von uns gefordert wird und nix kaufen. Und einfach mal über das eigene Konsumverhalten und die Auswirkungen nachdenken.

Quelle: Noizz.de