Geiz ist längst nicht mehr geil – vor allem, wenn die Umwelt leidet.

Seit dem heutigen Donnerstag kann man mit Ryanair für 1,99 Euro nach Mallorca fliegen – man zahlt für einen Flug auf die beliebte Urlaubsinsel also weniger als für einen Kaffee. Klar, sind da auch ein paar Haken an der Sache – wenn man etwa einen Platz buchen oder auch nur ein 10-Kilogramm-schweres Gepäckstück mehr mitnehmen will, ist man schnell bei ca. 20 Euro pro Flug. Hält man sich aber an das Angebot ohne Extras lässt man tatsächlich für nicht ganze zwei Euro die knapp 1.700 Kilometer Luftlinie hinter sich.

Party, alter! Oder doch nicht?

Der Trend besonders billig in den Urlaub zu kommen, flaute in letzter Zeit ab. Airlines bieten mittlerweile keine Dumpingpreise mehr an. Im Schnitt kostet ein Flug nach Mallorca von Berlin etwa 50 Euro – bucht man besonders geschickt oder früh, wird es billiger.

Alle, die daher bei den Ryanair-Preisen denken: „Geil! Je billiger der Flug nach Malle desto mehr Bier kann man auf dem Ballermann saufen!“ sollte einmal kurz in sich gehen. Denn bei billigen Flügen ist es, wie bei allen unverschämt günstigen Leistungen und Produkten: Irgendwer muss dafür bezahlen. Wenn auch nicht der eigene Geldbeutel. Sobald man also zuschlägt bei einem Flug, der weniger Wert ist, als das Mittagessen in der Kantine, macht man sich an gesellschaftlichen Schieflagen mitverantwortlich.

Ja: Auch Flügebuchen ist politisch!

Kann einem egal sein, wenn es ethisch verwerflich ist, Billigflüge zu buchen? Die Antwort auf diese Frage kennt kein „vielleicht“! Es ist nicht ok, sich darüber zu freuen, dass für 1,99 Euro pro Fluggast die Turbinen angeworfen werden. Die Gründe: Klima und Arbeitsbedingungen.

Jemand wie Trump und seine Armee aus engstirnigen Klimawandel-Leugnern können schreien, wie viel sie wollen: Der Klimawandel ist eine wissenschaftliche Tatsache. Der Treibhauseffekt und die Erderwärmung haben zweifelsohne mit dem hohen CO2-Ausstoß zu tun. Ein Flug von Berlin nach Mallorca bedeutet laut Umweltbundesamt ca. 2,2 Tonnen CO2-Ausstoß pro Person. Nichts schadet also der Umwelt so sehr, wie das Flugverhalten von uns Menschen. Die Verlierer des Klimas sind nicht nur Eisbären – sondern in letzter Konsequenz die gesamte Tierwelt und wir selbst.

Arbeitsbedingungen bei Ryanair? Katastrophe!

Ein weiterer Grund, Ryanair zumindest skeptisch zu begegnen, ist sein Umgang mit den Mitarbeitenden. Nicht umsonst streiken die Piloten der irischen Airline in letzter Zeit immer häufiger. Wie in einem „Spiegel“-Artikel geschildert wird, kümmert sich Ryanair herzlich wenig um seine PilotInnen. Versicherung? Sozialleistungen? Fehlanzeige. Das bedeutet: Zuzüglich zum schlechten Gehalt ist man als Pilot für Ryanair nicht abgesichert. Das setzt die Piloten massiv unter Druck. Daneben bedeutet es außerdem mehr Arbeit, weniger Ruhephasen. Bei einem so verantwortungsvollen Job ist das ein absolutes No-Go!

Du fliegst nicht für 1,99, sondern für zerstörtes Klima und leidende Piloten

Man kann es drehen und wenden, wie man will: Für 1,99 Euro in den Urlaub nach Malle fliegen ist nicht mit gutem Gewissen machbar. Wer angesichts der hier angerissenen Tatsachen immer noch gedankenlos sein Bier auf dem Ballermann runterschüttet, braucht dringend einen Reality-Check. Das Argument „Machen ja alle so!“ zählt nicht mehr. Jeder Reisende kann sich entscheiden, ob er oder sie Verantwortung für Umwelt und Mitmenschen übernimmt oder nicht. Prost!

Quelle: Noizz.de