Unsere zwei Autoren streiten sich, dass es knallt: Lukas hasst es, überrascht zu werden, Larissa liebt es ...

Lukas: Überraschungen klauen mir die Vorfreude!

Es war die Zeit nach dem Abi, als nach und nach einige Jahrgangskollegen ins Ausland reisten. Damals organisierten die dazugehörigen besten Freundinnen und Freunde gerne einmal eine Überraschungs-Abschiedsfeier.

Und als ich als Gast auf die überraschte Person gewartet habe, dachte ich mir: Es gibt doch wohl nichts Schlimmeres, als im Haus der Eltern ins Wohnzimmer zu kommen, nichts zu ahnen und dann stehen da 40 People vor dir und rufen: „Wuuuuhuuuu!”

Für dieser Party konnte der Gastgeber nichts selbst entscheiden, nicht seine eigenen Vorstellungen verwirklichen. Sind die Stunden vor einer Party, wenn man sich selbst langsam in Stimmung bringt und ausmalt, was am Abend so passieren kann, nicht notwendige Teile des Feierns?

Noch schlimmer sind Reisen. Ein Bekannter hat seiner Freundin eine Reise nach Venedig geschenkt. Und ihr nur zwei Tage vorher Bescheid gesagt. An ihrer Stelle hätte ich mich gaaaanz vielleicht kurz gefreut. Aber dann hätte ich mich aufgeregt, dass mir Wochen der Vorfreude geraubt wurden.

Ich bezahle bei einer Reise auch dafür viel Geld, dass ich vorher schon daran Spaß habe. Das Kopfkino nach dem ersten Blick in den Reiseführer – unbezahlbar!

Ich glaube, Überraschungen sind gemacht für Leute, die ihr Leben nicht selbst in die Hand nehmen können und von anderen abhängig sind. Nur so am Rande: Leute, die ihre Freunde/Partner/Geschwister überraschen, gefallen sich selbst ziemlich gut in ihrer Machtposition, aus meiner Sicht zumindest. Sie lassen dem Beschenkten auch keine Chance zu sagen, ob es etwas nicht gefällt. Wer überrascht wird, MUSS das toll finden.

Es gibt sehr, sehr wenige Situationen, in denen Überraschungen erlaubt sind. Ein Heiratsantrag zum Beispiel. Aber den erlebt man ja im besten Fall nur einmal im Leben.

Larissa: Warum ich Überraschungen liiiebe!

Mein Geburtstag vor drei Jahren war ziemlich blöd. Ich hatte den ganzen Tag Uni, meine Familie hatte keine Zeit und mein Freund musste an dem Tag lange arbeiten. Dachte ich. Doch als ich aus der S-Bahn schlurfte, stand er am Gleis, grinsend, mit Blumen und großem Spaghetti-Eis in der Hand.

Ja, auch bei jedem anderen Geburtstag danach war mein Freund dabei, doch gerade dieser Tag ist mir wegen der Überraschung besonders in Erinnerung geblieben. Weil mein Partner sich Gedanken gemacht hatte und mir eine besonders große Freude machen wollte.

Dabei freue ich mich auch schon über überraschende Kleinigkeiten: ein handgeschriebener Zettel, der in der Jackentasche versteckt wurde, ein unerwarteter Besuch mit Kuchen unterm Arm oder ein Strauß Blumen, der auf einmal vor meiner Tür liegt.

Natürlich würde ich mich auch über die großen Überraschungen freuen: Über eine fette Party, von der ich vorher nichts wusste. Allein wenn ich daran denke, dass sich für eine Überraschungsparty 20 Leute wochenlang überlegen, worüber ich mich freuen würde, organisieren, planen, einkaufen und noch nicht mal darüber reden dürfen, wird mir ganz warm ums Herz. Oder ein spontaner Urlaub: Was kann es denn Schöneres geben, als noch am Flughafen nicht zu wissen, wohin es geht, und trotzdem sicher zu sein, dass alles bereits geplant ist.

Menschen, die Überraschungen hassen, sind Zyniker und Perfektionisten. Was muss es für ein trauriges Leben sein, wenn man es nicht einmal genießen kann, dass die liebsten Menschen einen überraschen? Oder noch schlimmer: Wenn man es den liebsten Menschen gar nicht erst zutraut, eine gelungene Party oder einen tollen Urlaub zu organisieren.

Ich jedenfalls lasse mir die Überraschungsfreude nicht verderben. Und warte auf die erste eigene Überraschungs-Party – aber hey, Leute, no pressure!

Quelle: Noizz.de