Schuld daran war Liebeskummer ...

Unsere Autorin Julie Schmidt schreibt in „SEX VOR NEUN“ über Themen, die die Welt bewegen: Orgasmen, Masturbation und Penisse. Ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen, erklärt sie, was sie über Sex denkt und fühlt und plaudert ein paar Bett-Geschichten aus.

Die Nummer mit dem Liebeskummer

Ich bin eine Drama-Queen. Wenn mir jemand das Herz bricht, dann kann ich damit leider echt nicht so gut umgehen. Ich meine, was fällt diesem Typen ein, mich einfach aus seinem Herzen rauszuschmeißen und noch viel schlimmer: Meine hungrige Vagina vom einen auf den anderen Tag auf Sex-Diät zu setzen?

Eine Freundin von mir ist gerade am Ende einer akuten Liebeskummer-Phase. Sie hat echt gelitten wie ein bulgarischer Straßenhund im Winter, aber jetzt ist sie auf dem Weg der Besserung und fängt wieder an, am Leben teilzunehmen.

„Ich hätte so gerne mal wieder Sex“, sagte sie vor ein paar Tagen, als wir mal wieder zusammensaßen.

Das erste Mal nach einer Beziehung mit jemand anderem ist immer hart“, erwiderte ich.

Aus eigener Erfahrung kann ich euch sagen, dass ich echt immer eine ganze Zeit brauche, um mich nach einem Herzfick wieder auf einen neuen Typen einzulassen und wie krass sich meine Vagina in der Zeit dazwischen sträubt, etwas mit einem anderen Typen zu starten.

„Ja, aber mit Liebeskummer fickt es sich einfach nicht so gut“, sagte sie, worauf ich anfing zu lachen. 

„Meinst du?“, fragte ich sie und dachte dabei an die vielen Abende, als ich trotz Liebeskummer mit einem meiner Ex-Freunde in der Kiste gelandet war. Obwohl mein Herz zu der Zeit blutete, hieß das noch lange nicht, dass der Sex schlechter wurde.

 „Na ja, ist doch blöd, wenn man sich auf einen anderen Menschen nicht einlassen kann, weil man in Gedanken bei jemand anderem ist“, gab sie zur Antwort.

 „Wenn man das so sieht, dann hast du natürlich recht. Ich habe einem Typen deswegen mal fast die Nase gebrochen ... “

Bei Tinder suchte ich nach Ablenkung

Felix war eine meiner Tinder-Eroberungen in einer Zeit, in der ich von Liebeskummer geplagt war und dringend Ablenkung brauchte. Wir wechselten vor unserem Date nicht viele Worte: Er schrieb mir, dass er erst vor wenigen Stunden wieder in Deutschland gelandet war, nachdem er ein Auslandssemester in Tokio gemacht hatte. Ich hatte den Drang, ihm zu schreiben, dass mir vor wenigen Tagen mein Herz rausgerissen und mit einer Handgranate in tausend Stücke zerfetzt worden war. Das ließ ich aber bleiben – nicht, weil es überdramatisiert war, sondern, weil ich eben einfach nur einen Typen suchte, der mir etwas Selbstbestätigung gab und meine nach Sex lechzende Vagina für ein paar Minuten still stellen konnte.

Keine drei Stunden nach dem Match trafen wir uns: Nicht, wie üblich, in einem Café oder in einer Bar, sondern in der Stadt – wir beide mussten dringend noch eine Besorgung im Drogeriemarkt machen. Er kaufte Kondome, Deo und eine neue Zahnbürste. Ich Haarfarbe, eine Anti-Pickel-Geschichtsmaske und Pfefferminztee. Ich habe selten ein Sex-Date gehabt, das unromantischer angefangen hat, trotzdem entschieden wir uns dazu, zu mir zu fahren, um Burger zu braten.

Das ist in diesem Fall übrigens kein Synonym für heißen Sex, wie etwa „Den Lachs buttern“ – NEIN, wir kauften auf dem Weg zu mir wirklich Tartar, Burgerbrötchen, Käse, und was man eben sonst noch so für einen echten Foodporn-Burger braucht.

Unsere einzige Gemeinsamkeit war die Lust auf ein One-Night-Stand

Und dann saßen wir bei mir auf der schwarzen Couch und versuchten krampfhaft, eine Gemeinsamkeit zu finden. Felix erzählte mir unentwegt von seinem Auslandssemester, ich begutachtete währenddessen abwechselnd die Rückseite der Verpackung meiner Antipickel-Maske und die Dachschräge, die sich über die ganze Länge meiner Einzimmerwohnung zog. Es war wirklich ein schlechtes Date: Jedes dritte Wort von ihm war Japan, jedes fünfte der Name seiner Ex-Freundin, von der er sich während seiner Zeit in JAPAN getrennt hatte.

Blöderweise riss allein der Satz „Und dann haben wir uns getrennt“ meine klaffende Herzenswunde wieder auf. Mein Liebeskummer brannte unter meiner Brust, wie es sonst nur die verdauten Überreste eines Chili-Burgers zwischen den Pobacken konnten. Obwohl ich es eigentlich verhindern wollte, hatte er mir mit seinem Gequatsche über seine Ex den Startschuss gegeben, mich jetzt auch richtig über meinen auszukotzen.

Als ich da so philosophierte, was für ein emotionaler Krüppel dieser Typ war, dachte ich noch: Herzlichen Glückwunsch, Julie! Du bist wegen diesem Arschloch unfickbar geworden.  

Für Felix gab es anscheinend nur eine Möglichkeit, mich irgendwie still zu stellen: Er griff nach meinem Gesicht, hielt es fest in seinen Händen und drückte mir einen Kuss auf.

Oh-kay … doch nicht unfickbar!

In dem Moment, als seine Lippen auf meine trafen, stellte sich in meinem Kopf ein Schalter um, den meine Vagina wahrscheinlich betätigt hatte. Scheiß auf den Ex, du hast jetzt Sex – ob du willst oder nicht!

Ich setzte mich auf seinen Schoß, was aufgrund der Schräge eigentlich keine gute Idee war, wir kasperten etwas herum, zogen uns gegenseitig die Oberteile aus und stießen dabei mehrmals unsere Köpfe an der Decke über der Couch. Weil das echt unangenehm war, wechselten wir aufs Bett.

Besonders geil auf ihn war ich zwar nicht, aber ich dachte: „Scheiß drauf, entweder du ziehst es jetzt durch oder du schmeißt ihn raus.“

Ich war nur mit wenig Leidenschaft bei der Sache

Ich schmiss ihn natürlich nicht raus. Sein Penis war ein Mittelklasse-Wagen; nicht der Ferrari, den ich von meinem Arschloch-Ex gewöhnt war, aber auch keine Klapperkiste. Da, wo seine Länge nicht überzeugen konnte, gab es für die Breite dann doch wieder Pluspunkte.

Ich begutachtete seinen Penis akribisch, konnte mich dann aber doch nicht zu einem Blowjob durchringen. Also fuhr ich ein paar mal mit der Hand auf und ab und legte mich dann mit gespreizten Beinen aufs Bett: Das musste reichen, für mehr Leidenschaft war ich nicht zu haben.

Er rubbelte kurz an meinem Kitzler rum und versuchte dann mal sein Glück mit seinem Penis. Er vögelte drauf los wie ein Karnickel. Wow. Das war echt mies … Zwar rutschte er in mich rein, als hätte ich vorher in einer Wanne mit Gleitgel gebadet, aber eben auch genau so schnell wieder raus. Egal, was er tat: Das passte eben irgendwie nicht. Also entschied ich mich, die Position zu wechseln: Wenn ich das Zepter in die Hand nahm, konnte dieser unsägliche Fick vielleicht doch noch ganz okay werden ...

Leider sagte ich ihm nicht Bescheid, dass ich jetzt SOFORT die Stellung wechseln wollte ... Ich zog meine Knie ruckartig an den Körper, während er im gleichen Moment zustieß und ich ihm volle Kanone mein Knie gegen seine Nase donnerte. Es knackte sehr laut – ich war mir sicher, dass ich ihm die Nase gebrochen hatte. Er riss vor Schmerz seine Augen auf und fasste sich danach direkt an die Stelle, die ich mit meinem Knie erwischt hatte.

„Sorry … Ich wollte die Stellung ändern“, entschuldigte ich mich.

Er lächelte nur müde – und obwohl er wahrscheinlich ziemlich heftige Schmerzen hatte, blieb sein Ständer, wo er war. Und das beeindruckte mich dann doch. In Kombination mit meinem schlechten Gewissen brachte mich das dazu, ihm wenigstens seinen Orgasmus zu schenken.

Ich muss an dieser Stelle wohl nicht erwähnen, dass ich seitdem mit akutem Liebeskummer keine Typen mehr aufreiße – sonst breche ich wirklich noch mal einem die Nase.

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Quelle: Noizz.de