Das Europäische Parlament will farbige Tattoos verbieten. Was aktuell noch auf dem Weg zum Beschluss ist, könnte bald europaweit dafür sorgen, dass nur noch in Schwarz gestochen werden darf. Was soll das?

Tattoos auf Armen, Beinen, Bäuchen, Rücken und Hälsen sind heute so normal wie morgens Zähne putzen oder "bitte" und "danke" sagen. Auf Instagram sprießen unabhängige Tattoo-Artists nur so aus dem Boden, und bei der Abendplanung am Wochenende wird zwischen "Wollen wir was Essen gehen oder vielleicht noch ein Tattoo machen?" unterschieden.

Die Hülle und Fülle an Motiven, Stilen, Farben könnte nun aber einen satten Dämpfer erhalten. Wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet, will das Europäische Parlament nun zwei Farbtöne verboten, die in nahezu zwei Drittel aller Tattoo-Farben vorkommen: "Blau 15" und "Grün 7".

Gorden Lickefett, Sprecher vom Bundesverband für Tattoos, fasst für alle Freunde von Nadel und Tinte zusammen, was das für die Branche bedeutet: "Es wird keine Motive mit blauem Wasser oder grünen Wiesen mehr geben. Keine farbenfrohen Naturmotive oder abstrakte künstlerische Motive".

Aber warum?

Verbot von Tattoo-Farben? Was soll das?

Die beiden Farbtöne bieten gesundheitliche Risiken und wurden bereits aus sämtlichen Haarfärbemitteln verboten. Zwar ist die Datenlage für die Gefahr als Tattoofarbe nicht vollständig, das reicht den Antragsteller*innen von der "European Chimcals Agency" anscheinend trotzdem als Grundlage. Aktuell wird der Antrag vom Europäischen Parlament geprüft und bearbeitet.

Die "gute" Nachricht: Nur bunte Tattoos wären von den neuen Auflagen betroffen. Im normalen Schwarzton ist keines der Pigmente vorhanden. Für Tätowierer*innen, die sich auf Farbtattoos spezialisiert haben, würde ein Verbot übel aussehen und eventuell den gesamten Berufszweig zerstören.

Europa will giftige Substanzen verbieten. Aber wo liegt die Grenze?

Die konkreten Auswirkungen wird man natürlich erst erleben können, sollte das Verbot abgeschickt werden. Die aktuellen Reaktionen der Tattooszene suggerieren, dass die beiden Pigmentstoffe unersetzlich und damit alternativlos sind.

Wie die "taz" berichtet, haben bereits mehr als 130.000 eine Petition zur Rettung der Farben unterschrieben.

So oder so macht die Diskussion eine interessante Frage auf: Ab wann sollten Konsumgüter aus gesundheitlichen Gründen eigentlich verboten werden? Zigaretten und Alkohol sind beispielsweise erlaubt und nachweislich extrem schädlich. Selbstmord ist verboten, aber die Extremsportart, mit einem Wingsuit von Bergen zu gleiten, ist erlaubt.

Liegt die Grenze wirklich bei Tattoofarbe, deren Schädlichkeit unter der Haut nicht einmal erwiesen ist?

  • Quelle:
  • Noizz.de