SEX VOR NEUN: Zum Valentinstag schenkte er mir Orgasmen

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Unsere Autorin Julie bevorzugt Sex-Meetings statt romantische Dinner am Valentinstag Foto: Vidar Nordli Mathisen / unsplash.de

... das beste an dem ganzen Tag, war aber etwas anderes!

Unsere Autorin Julie Schmidt schreibt in „SEX VOR NEUN“ über Themen, die die Welt bewegen: Orgasmen, Masturbation und Penisse. Ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen, erklärt sie, was sie über Sex denkt und fühlt und plaudert ein paar Bett-Geschichten aus.

Die Nummer am Valentinstag

Wenn ich ganz ehrlich bin, dann finde ich den Valentinstag einfach nur scheiße. Es ist nicht so, dass ich irgendeinen besonderen Grund dazu hätte, es ist mehr so ein solidarischer Hass, den wahrscheinlich alle Singles dieser Erde haben. Denn obwohl dieser fucking 14. Februar eigentlich gar keine Bedeutung hat, gibt es keinen anderen Tag, der die eigene Lebenssituation so kritisch infrage stellt: Klar kannst du single as fuck sein, aber doch bitte nicht am Valentinstag!

Diesen Tag hat man gefälligst mit seinem Lieblingspenis oder seiner Lieblingsvagina zu verbringen. Wer so was aktuell nicht hat, wird bedauert – denken zumindest die Singles.

Lustigerweise ist ja eigentlich niemand so richtig begeistert von diesem Tag. Die Turteltäubchen in meinem Freundeskreis spielen ihn mit Sätzen à la: „Mir ist der Tag total egal, solange es eine kleine Aufmerksamkeit gibt“ herunter. Meine Liebeskummer-Squad verabredet sich für ein Anti-Valentinstags-Date mit stilechter Bloody Mary, einer Variation an „Ben und Jerrys“-Eis und zieht sich erst einen Heul-, und danach einen Horrorfilm ein.

Und ich? Tja, ich wurde heute morgen von meinem Handy mit einer Zusammenstellung aller Fotos geweckt, die in den letzten Jahren am Valentinstag entstanden ...

Was soll ich sagen, da war ein Foto dabei, das mich auf der Stelle in meine Vergangenheit zurück katapultierte. Seitdem schwelge ich ein bisschen in Erinnerungen an den schönsten Valentinstag meines Lebens – den ich ausgerechnet mit Basti verbracht habe.

Ja genau, DER Basti. Irgendwann zwischen der Gras und „Fuck and Go“-Story gab es tatsächlich auch mal Momente, in denen sich nicht nur unsere Geschlechtsteile, sondern auch wir uns gut verstanden.

Seine Anwesenheit löste Urlaubsfeeling aus

Basti hatte zwei Talente: Erstens konnte er sehr gut mit seinem Penis umgehen und zweitens konnte er mich nur mit seiner Anwesenheit in einen mentalen Kurzurlaub schicken. Wenn ich neben ihm im Bett lag und sein lautes Schnarchen hörte, dann hatte das für mich etwas von meditativer Klangmusik, die mich kurzfristig aus meinem Dauerstress dank E-Mails, Anrufen und Whats-App-Nachrichten herausriss. Zugegeben war der mentale Urlaub nicht immer der Fünf-Sterne-Spa-Aufenthalt, sondern viel häufiger der unbequeme Horrortrip ins Ekelhotel am Goldstrand in Bulgarien – aber Urlaub ist eben Urlaub!

Glücklicherweise gönnten wir uns an diesem besagten Abend, als das Foto entstand, mal einen der wenigen Trips ins mentale Wellness-Hotel.

Seit ein paar Tagen liefen unsere Treffen unkompliziert ab: Wir trafen uns zum Sex, rauchten gemeinsam ein paar Zigaretten und verabschiedeten uns dann mit einem kurzen Kuss – das Thema Gefühle mieden wir nach einem unserer letzten Streits um das große „Was ist das hier eigentlich zwischen uns“ und das war auch gut so!

An diesem Abend parkte ich mein Auto mit großer Vorfreude und kribbelnder Vagina vor seiner Tür und stiefelte nach einer kurzen Begrüßung direkt in sein Bett. Denn egal wie viele Auseinandersetzungen wir hatten: Im Bett waren wir einfach das perfekte Paar!

Ich wollte vögeln, er einen Film gucken

„Wollen wir einen Film gucken?“, fragte Basti mich, was mich etwas verwunderte. Dank der ständigen Streitereien um Gefühle hatten wir schon lange nicht mehr einfach nur miteinander gechillt.

„Okaaay ...“ Ich war zwar skeptisch, aber ausprobieren konnten wir das.

Der Film interessierte uns natürlich nicht, nach einem kleinen Begrüßungs-Blowjob, lagen wir im Bett und quatschten ein bisschen über den Alltag: Er erzählte mir von seinen verkackten Prüfungen und ich machte Scherze darüber, dass ich voll das Karriere-Biest und er der schöne Trottel war.

Diese Art von Humor war unser Ding: Was sich neckt, das liebt sich ... oder wie war das noch mal? Bösartige Machtkämpfe und Wortgefechte, die auch mal unter die Gürtellinie gingen, waren unser Vorspiel-Ersatz. Ein echtes Vorspiel brauchte ich bei diesem Idioten tatsächlich nicht, weil ich jedes Mal, wenn ich vor seiner Tür stand, meinen Slip schon fast auswringen konnte.

Die Chemie zwischen uns stimmte

Auch heute frage ich mich noch: Wieso kommen zwei Menschen körperlich so gut miteinander aus und verkacken es dann auf emotionaler Ebene?

Basti wusste eben einfach ganz genau, was ich brauchte. Er wusste, dass ich es heiß fand, wenn er mir an den Haaren zog und wenn er die Kontrolle übernahm und ich wusste, dass es ihn unfassbar anmachte, wenn ich ihn die Kontrolle übernehmen ließ. Gut, außerdem war er auch sehr verzückt von meinen Sloppy Blowjobs und meinen Deepthroat-Künsten ... aber ich glaube, dass die sexuelle Chemie zwischen uns deutlich entscheidender war.

Auch in dieser Nacht besorgte er es mir mal wieder von oben bis unten und mixte mit ein paar Zutaten einen besseren Rausch-Cocktail zusammen, als Walter White in „Breaking Bad“.

„Weißt du... Wenn du nicht so ein Arsch wärst, dann wärst du echt mein Traummann“, sagte ich, als ich nach dem Sex noch die letzten Wellen meines Orgasmus auskostete.

Und wenn du dir deinen Arsch operieren lassen würdest, dann wärst du vielleicht ... meine Zweitfrau“, antwortet er trocken.

Für diesen fiesen Spruch kassierte Basti einen Schlag auf den Oberschenkel. Trotzdem lachten wir – diese Art von Humor ist zwar weder lustig, noch nachvollziehbar, aber es war eben unser Humor und den musste auch niemand anders verstehen. Wir verstanden doch selbst nicht, wieso wir darüber überhaupt lachten, wo es doch eigentlich eher traurig war. Denn obwohl wir uns sowohl auf sexueller, als auch auf humoristischer Ebene so unfassbar gut verstanden, wollte es mit uns als Paar einfach nicht klappen.

Statt über Liebe zu quatschen, machten wir blöde Witze

 „Wir sind einfach so doof“, sagte ich, um unsere Diskussion anzuschließen. Gemeint war natürlich das genaue Gegenteil, aber um ihn nicht wieder in Panik zu versetzen, weil ich zu starke Gefühle für ihn hatte, die er angeblich nicht erwidern konnte, sprach ich das natürlich nie aus.

An diesem Tag war das auch überhaupt nicht wichtig, denn alleine, wie wir miteinander umgingen, sagte eigentlich alles darüber aus, wie wir zueinander standen. Wir vögelten eine weitere Runde, rauchten eine oder zwei Zigaretten danach und machten Zukunftspläne, wie wir gemeinsam aus der Welt aussteigen und nach Südamerika in den Urwald abhauen würden. Wir guckten mal wieder eine Folge „Two Broke Girls“ und zogen uns noch einen Film rein, während wir ekelige Curry-Ananas-Pizza in uns reinstopften und ich ihn aufzog, dass er dick geworden war. Es war der perfekte Abend – und dann schlief ich irgendwann in seinen starken Armen ein (hat ja auch seinen Vorteil, wenn ein Typ ein bisschen zulegt).

Am nächsten Morgen wurde ich von einer Nachricht meiner Freundin geweckt: „Na, Valentinstag gut überstanden?“

„Oh ja!“, tippte ich in mein Handy und schickte als Beweis ein Foto von einer nackten Julie und einem mit offenem Mund schnarchenden Basti – wirklich der beste Valentinstag. Wahrscheinlich deswegen, weil wir ihn beide vergessen hatten!

Deine Sex-Fragen

Übrigens: Wenn du mir Fragen zum Thema Sex stellen willst, kannst du das jederzeit machen – und zwar komplett anonym! Schreib mir dazu einfach eine Message auf Tellonym. Die besten Fragen beantworte ich nächste Woche auf NOIZZ!

Quelle: Noizz.de