"Ich glaube, jeder Mensch kommt talentiert zur Welt – man muss sein Talent nur finden."

Alle 14 Tage wollen wir euch in unserem Tattoo Talk Künstler vorstellen, denen wir begeistert auf Instagram folgen – weil sie uns mit ihrer Message, ihrem Stil oder ihrer Persönlichkeit umhauen.

Dieses Mal hat uns Dániel Törőcsik die Ehre erwiesen. Der 31-jährige Ungar tätowiert seit 2017 in Hamburgs bekanntem Studio "Vaders.Dye", in Budapest führt er seinen eigenen Shop "Törőcsik Art Studio". Sein filigraner Stil hat Dániel eine verdammt große Fanbase eingebracht: 149 Tausend (!) Abonnenten folgen dem Guten auf Instagram. Wir haben mit Dániel über seine liebsten Motive, sein skurrilstes Tattoo-Erlebnis und seine erste Tätowierung gesprochen.

NOIZZ: Dániel, wie würdest du deinen Stil selbst in drei Worten beschreiben?

Dániel Törőcsik: Klar, fein, frei von Chaos.

Welche Motive tätowierst du am liebsten?

Dániel: Ich habe in der Vergangenheit viel Zeit in das Tätowieren von Tiermotiven und geometrischen Formen gesteckt. Aber das ist nicht alles, was ich machen möchte, deswegen poste ich immer weniger solcher Motive auf Instagram. Ich möchte meinem mikroskopisch kleinen, minimalen, sauberen, aufgeräumten Stil treu bleiben. Aber mich ziehen zurzeit eher Porträt-Tattoos an – das ist die Richtung, die ich beibehalten möchte. Ich finde Tattoos interessant, die mich nicht nur professionell à la "Oh, wie schön schattiert …" oder "Was 'ne schöne Linie ... " berühren, sondern Motive, die man minutenlang anschauen kann, weil das bestimmte ETWAS darin steckt ... Solche Designs möchte ich in Zukunft hauptsächlich tätowieren.

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Wie hast du zu deiner eigenen Ästhetik gefunden?

Dániel: Anfangs war das schwierig, ich habe alles tätowiert: Buntes, Oldschool, Dotwork, Linework. Aber ich hatte immer das Gefühl, dass das zu viel ist. Das war nicht ich. Dann habe ich langsam angefangen, alles wegzulassen, was mich gestört hat und was ich als unnötig empfunden habe. In meinem Privatleben bin ich auch eher ein "Basic Guy" – sowohl beim Kleidungsstil, als auch im Verhalten. Vorlaut mag ich nicht. Weniger ist meistens – wenn nicht immer – mehr. Diese Auffassung vertrete ich auch beim Tätowieren. Das "Wenige" muss aber immer perfekt sein.

Warum hast du mit dem Tätowieren angefangen?

Dániel: Ich habe schon als Kind viel gezeichnet und gemalt, das ist also schon lange ein fester Teil meines Lebens. Es hat mir immer Spaß gemacht, ich hätte nur nie gedacht, dass ich davon später leben kann. Ich habe mich in vielen beruflichen Gebieten ausprobiert, aber mich nirgens wirklich wiedergefunden. Weder hatte ich das Gefühl, in irgendetwas richtig gut zu sein, noch haben mich die Jobs richtig interessiert.

Ich glaube, jeder Mensch kommt talentiert zur Welt, man muss sein Talent nur finden. Ich habe lange überlegt, was meine Stärke sein könnte. Und ich erinnere mich noch genau daran, wie ich zuhause saß und beim Zeichnen gegrübelt habe. Dass es doch unmöglich sein kann, dass ich kein Talent besitze. Und da habe ich dann plötzlich gemerkt, dass die Lösung doch eigentlich längst vor mir liegt – auf dem Papier.

Irgendwann habe ich dann einen Freund in ein Tattoostudio begleitet und habe meine Zeichnungen mitgenommen. Ich habe den Tätowierer gefragt, ob die Chance bestehe, dass er sich meiner annimmt und zu meiner großen Überraschung hat er eingewilligt. So habe ich angefangen, das Tätowieren Schritt für Schritt zu lernen.

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Wie und warum bist du zu "Vaders Dye" gekommen? 

Dániel: Eines Tages habe ich das E-Mail-Postfach meines Handy geöffnet und hatte plötzlich eine Nachricht von Melina, die mich als Gast-Tätowierer nach Hamburg eingeladen hat. Kurz danach habe ich mich dem "Vaders Dye"-Team dann ganz angeschlossen.

Wer lässt sich von dir tätowieren? 

Dániel: 80 Prozent meiner Kunden sind Frauen. Sowohl in Deutschland und Ungarn als auch in anderen Ländern, wenn ich Guestspots annehme. Zu Hause, in Budapest, habe ich relativ viele Celebrities, Sportler und Musiker tätowiert. Im Allgemeinen kann man wohl sagen, meine Kundschaft besteht aus jungen, anspruchsvollen Frauen.

Welche Tattoo-Requests bewegen dich? 

Dániel: Für mich ist es immer bewegend, wenn ich an den Gesichtern meiner Kunden ablesen kann, dass sie glücklich und dankbar für das Tattoo sind. Dass er oder sie für etwas kam, was ihr oder ihm wichtig ist und mit etwas nach Hause geht, das lebenslang eine Bedeutung für die Person haben wird. In einem Satz zusammengefasst: Der schönste Moment ist, wenn ich ein Lächeln in den freudigen Gesichtern meiner Kunden sehe.

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Was treibt dich an? 

Dániel: Wahrscheinlich ich selbst. Die eigene Entwicklung. Der Weg ist manchmal mühsam, gleichzeitig aber total motivierend. Ich möchte immer besser werden, in dem, was mich interessiert.

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Was war dein bis dato bizarrstes Tattoo-Request?

Dániel: Da fällt mir sofort eine Körperstelle ein. Obwohl man als Tätowierer eigentlich nur schwer zu überraschen ist, gelingt es manchen Kunden mit ihren Tattoo-Ideen immer wieder. Ich war noch Anfänger, als sich eine Bekannte einen kleinen Panda von mir hat stechen lassen. Und zwar in der Nähe ihrer intimsten Intimzone. Das war eine ziemlich interessante Situation – bis ich die erste Linie gestochen habe.

Was ist das Härteste an deinem Job?

Dániel: Bürokratie liegt mir nicht. Das habe ich schnell erkannt und dafür sofort eine Kollegin angestellt. Sie kümmert sich um Termine und die nötige Kommunikation mit den Kunden. Sie leistet eine riesen Hilfe, ohne ihrer Arbeit wäre mein ganzes System vielleicht schon lange zusammengebrochen. Außerdem nervt es mich, wenn der Kunde zu starrköpfig ist. Immerhin kommen die Leute zu mir, weil sie ein Tattoo direkt von mir, in meinem Stil haben möchten. Wenn sie dann zu starr an ihren eigenen strengen Vorstellungen festhalten und unerbittlich sind, obwohl ich sehe, dass die Idee unschön oder nicht umsetzbar ist, muss man sich selbst vor die Entscheidung stellen, ob man es trotzdem macht. Oder doch lieber sagt "Danke für deine Zeit, aber das funktioniert so nicht". Ich bin eher für letztere Version.

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Und das Beste am Leben als Tätowierer?

Dániel: Ich mag die Freiheit, die es birgt – auf allen Ebenen. Wenn man ehrlich und hingebungsvoll arbeitet, ist man irgendwann an dem Punkt, an dem man so viel tätowieren kann, wie man möchte – und wo man möchte. Daneben gibt dieser Beruf eine riesengroße Freiheit in der Kreativität. Dieses Gefühl kann uns nur sehr selten genommen werden – zum Beispiel von Kunden, die zu stark auf ihr Konzept beharren.

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Was würdest du niemals tätowieren? 

Dániel: Motive mit negativer Bedeutung oder Symbole des Despotismus.

Wie sah das erste Tattoo aus, das du je selbst gestochen hast?

Dániel: Meine erste Tätowierung habe ich für meine Freundin gemacht. Es ist die Überschrift eines Textes, den sie schon tätowiert hatte. Es war das erste Mal, dass ich auf menschliche Haut tätowiert habe. Und das erste völlig neue Motiv, das ich gestochen habe, war ein kleiner Halbmond auf der Hand eines Kollegen.

Und was dein letztes Tattoo?

Dániel: Ich glaube ein Baum des Lebens inklusive Mond und geometrischen Linien. Hat Spaß gemacht!

Du lebst in Hamburg, was vermisst du an deiner Heimatstadt Budapest?

Dániel: Mir fehlt vieles aus Budapest. Meine Familie, meine Freunde, die Stadt selbst. Zum Glück dauert der Heimflug nur anderthalb Stunden, so kann ich jederzeit nach Hause fahren, wenn ich Lust habe. Budapest ist eine wunderschöne Stadt – ich kann sie jedem empfehlen. 

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  • Quelle:
  • Noizz.de