Aus die Maus: Die NEON hat ihre letzte Ausgabe veröffentlicht. Hier unsere Review dazu

Ist es cool wenn sich Medien über Medien unterhalten? Wir sind uns nicht ganz sicher, können es aber natürlich nicht lassen, unseren Senf hinzuzugeben. Wir haben uns die neue und letzte NEON geholt – zugegeben die erste seit Jahren – und mal genauer hingeschaut.

Erschreckende erste Erkenntnis: Hier hat sich ja seit Jahren nichts getan! Man hat ein bisschen das Gefühl, als sei man wieder 20 Jahre alt, erstes Semester Irgendwas in Irgendwo auf der Toilette einer WG. Auch da dachte man "Also dieses unnütze Wissen ist ja wirklich unnütz." war aber Tage später immer noch fazsiniert, dass einem die kleinen, frechen Fakten dennoch im Kopf hängen blieben. Was wir darüber hinaus noch so finden haben wir hier kompakt zusammengefasst.

Da ist sie, die neue und letzte NEON in Magazin-Form! Ab heute am Kiosk und in unserem Online-Shop (Link in BIO). Darin u.a.: Unsere Titelgeschichte „Mach Schluss!“ – Die einen trennen sich so vorbildlich, dass sie eigentlich zusammenbleiben. Andere schleichen sich feige davon. Und ein weiterer Teil verweilt in Beziehungen, die längst verloren sind. Unsere Autorin @lenasteeg findet: Eigentlich müsste fast jeder endlich Schluss machen. Ein Plädoyer für den klaren Cut *** WILDE WELT: Kool Savas (@koolsavas) erzählt im „Neustart“ von seinen Problemen mit dem Finanzamt *** POLITIK: „Die Peschmerga des Fußballs“ – Der Vater zog für einen eigenen Staat in den Krieg, der Sohn kämpft für kurdische Siege im Fußball. Peshraw Azizi hat ein Team von Heimatlosen in die erste schwedische Liga geführt. Nahaufnahme eines Fußballwunders @herr_piltz *** „Lasst mich raus, ich bin Arzt“ – Ärzte werden geachtet und verehrt – aber auch ausgebeutet und zermürbt. Jetzt erreicht eine neue Generation den OP: Sie will die katastrophalen Arbeitsbedingungen nicht mehr hinnehmen @fiffiona *** LIEBE: „Papa tanzt“ – Was tun, wenn man sich neben den Eltern wie der letzte Spießer fühlt? Sich auf ihr wildes Leben einlassen! Unsere Autorin @murielka_ fährt in den Bhagwan-Ashram nach Indien – mit ihrem Vater. *** WISSEN: Hin oder weg? Woher weiß man, welcher Ort der richtige für einen ist? Und kann man sich aussöhnen mit einer Stadt, in der man eigentlich nie leben wollte? @herrmaurer *** RETRO: Das war NEON – 15 Jahre und 174 Ausgaben. Wir blicken zurück auf Artikel, die für das stehen, was das NEON-Magazin so einzigartig gemacht hat und erzählen die Geschichten hinter den Geschichten. *** LEBEN: „Das bleibt“ – Flecken auf der Kleidung sind kein Makel, sondern die Erinnerung an den Sommer unseres Lebens (Modestrecke) *** „Paradies für ein paar Wochen“ – Du bist jung, pleite und idealistisch? Dann auf nach Ikaria! Auf der einst von Kommunisten bewohnten Insel tanzen sich junge Griechen die Wirtschaftskrise aus den Köpfen *** Lernen von: Abschiedsexperte Hape Kerkeling (@fraup) „Loslassen gehört zum Leben, das muss man lernen. Man kann ja auch nicht nur einatmen; man muss auch ausatmen.“

Das Gespräch zum letzten Heft führen Silvia und Chefredakteur Manuel:

Manuel: "Haben wir uns nicht vorhin schon über diese ewigen Stockfotos unterhalten? Unsplash at it's best! Sieht man hier auch eindrucksvoll durchgezogen, oder? So diese Frau mit der Wunderkerze..."

Silvia: "Absolut. Auch frage ich mich, was genau denn nun das schwarze Cover soll. Was will man ausdrücken: Wir können in Schwarz-Gold auch edel und somit endlich erwachsen oder soll das einfach nur Trauer signalisieren?"

M: "Gute Frage: Sind die denn nun erwachsen geworden, obwohl sie es doch seit 15 Jahren nicht wollen."

S: "Wäre ja auch schlimm: Wenn man geht, sobald man erwachsen ist."

Andächtige Schweigeminute.

S:"Die Titelzeilen sind ja nun wie immer: Was mit Sehnsucht, was Ernstes und ganz viel selbstreflektierendes 'Wo soll ich eigentlich mit meinem Leben hin?' Ich frage mich manchmal, wie stark die NEON unsere Generation eigentlich beeinflusst hat, sich und die eigenen Schritte ständig zu hinterfragen und darüber nachzudenken, wie das Leben wäre, wenn es zwar so aber doch irgendwie anders wäre."

Redakteur David kommt vorbei und wirft ein: "Dieses Ärztethema auf dem Cover 'Warum so viele junge Ärzte hinschmeißen wollen' hab ich jetzt echt schon oft gelesen. Ich kanns nicht mehr hören!"

M: "Sehen wirklich aus wie immer die ersten Seiten. Ist auch ein bisschen wie Internetinhalte als Printformat: So kleine Geschichten und Meldungen, zwischendurch ein Listing mit den Unnützen Fakten."

S: "Oh, Kool Savas redet über Steuerschulden."

M: "Die NEON wird ewig für diese unnützen Fakten in die Geschichtsbücher eingehen."

S: "Die 'Good News' kannte ich noch nicht. Wichtigste Erkenntnis: 'Dicke Autos helfen Männern nicht dabei, Langzeitpartner zu finden."

S: "Fussball – gut, das Thema muss man aktuell ja abdecken."

M: "Ich find die Story hat aber einen schönen Dreh! Fussball wird hier ja eher als Phänomen gesehen, mit dem man Heimat schaffen kann und dann diese Story über den kurdischen Sohn, der die schwedische Liga zum Erfolg verholfen hat. Das mag ich!"

S: "Ich muss gestehen, dass ich die Story über die Ärzte nicht lesen werde. Ich finde David hat recht: Tausendmal gehört und irgendwie schwingt immer der Gedanke mit, dass Ärzte auf hohem Niveau jammern. Man ist ja doch von Vorurteilen behaftet."

M: "Oh! neues Parfum von ALIEN!"

S: "Wie schön, dass man der NEON näher kommt, während man diesen Parfumprobe-Lappen über seine Haut schmiert!"

M: "Bah! Das riecht aber nicht gut!"

S: "Toll – ich werde nun also den ganzen Tag nach billigem Drogeriemarkt riechen..."

S: "Das sind doch die Themen, wegen denen man sich die NEON früher gekauft hat: 'Welcher Schlussmachtyp bist du?' oder endlich die Antwort darauf, warum man besser geht, als alles schlimmer zu machen..."

M: "Traditionell folgt ja auf so eine Ausgabe dann in der nächsten NEON die Titelstory 'Warum man es manchmal doch noch mal versuchen sollte, statt einfach zu gehen.' Nur: Es gibt keine nächste Ausgabe."

Andächtige Schweigeminute.

S: "Texte über das, was mit den Menschen gerade los ist sind doch immer konstruiert. Da versucht dann eine Redakteurin zu erklären, wie sie das mit den Trennungen in unserer Generation sieht und alle lesen das und keiner denkt 'Ahja stimmt!' sondern eher 'Achso – ja, das kann man so sehen, muss man aber nicht.'"

M: "Was weiß ich schon? Ich bin der Langzeitbeziehungstyp."

S: "Ist auch ne Antwort auf das Ganze."

M: "Dieser Schlussmach-Test ist super!"

S: "Lieblingssatz: 'Wenn ich mit der Therapie fertig bin, können wir ja mal Kaffee trinken."

M: "Die Geschichte über den tanzenden Hippie-Papa find ich auch gut gemacht, oder?"

S: "Oh Pimmel! Die Kolumnen von Theresa Bäuerlein mochte ich immer gerne. Überhaupt: Coole Frau!"

M: "Also hier sind sie wirklich alle versammelt – diese NEON-Themen über einen selbst und die Welt da draußen, die da zwischen Seriosität, Reportage und Blabla irgendwie nicht mehr interessieren."

S: "Jep. Mehr braucht man dazu eigentlich nicht zu sagen. Ich würd mir das irgendwie alles nicht mehr durchlesen."

S: "So, endlich kann man in Erinnerungen schwelgen! Das waren die besten NEON-Stories."

M: "Ach schön. Ja das schaut man sich ja gerne durch."

S: "Vermutlich weil man zu manchen Geschichten selber welche erzählen kann. Die haben es schon drauf gehabt, Geschichten richtig gut zu erzählen!"

M: "Und alles immer so schön an der Grenze zur Irrelevanz dann doch."

S: "Schau mal: Am Ende sind noch mal alle Cover aufgelistet. Krass: Ich kann mich an jedes einzelne erinnern, dass ich damals gekauft habe. Gut: Liegt vielleicht auch daran, dass ich mir offensichtlich nur 6 Hefte selbst besorgt habe. Die anderen waren immer irgendwie da...Stichwort WG-Klo."

M: "Ja die NEON war schon so ein bisschen ein Typ den man immer in der Clique hatte: Einer der halt dabei war, bei dem man auch ungefähr weiß wer das ist, von dem man aber jetzt nicht den Namen der Schwester weiß oder so."

S: "Genau. Einer der da ist und der auch nicht stört, aber mit dem man auch nicht so wahnsinnig viel anfangen kann."

M: "Ab jetzt hängt der dann wohl nicht mehr auf den Parties rum."

Andächtige Schweigeminute.

Quelle: Noizz.de