Die Politik macht sich erste Gedanken über verschärfte Regeln.

Erneut ist in Berlin eine Frau schwer verletzt worden, die auf einem Elektro-Tretroller unterwegs war. Die 33-Jährige wurde nach einem Sturz von einem Kleintransporter überrollt. Wie die Polizei am Freitag mitteilte, erlitt sie dabei mehrere Knochenbrüche und kam in eine Klinik. Warum die Frau am Donnerstagabend zu Fall kam und an ein geparktes Auto stieß, war zunächst unklar.

>> E-Scooter nerven mich schon jetzt OHNE ENDE!

Eine weitere Frau auf einem E-Scooterwar bereits am Donnerstagvormittag schwer verletzt worden. Die Touristin stieß seitlich gegen einen Lastwagen. Auch hier war zunächst unklar, wie es dazu kommen konnte. Die 26 Jahre alte Frau trug einen offenen Bruch am Unterschenkel davon. Nach Polizeiangaben vom Donnerstagabend war es höchstwahrscheinlich der erste bekannte schwere Unfall mit einem E-Scooterin der Hauptstadt.

Aber nicht nur in Berlin, sondern auch in Düsseldorf

Auch in Düsseldorf war ein Mann bereits am Mittwoch auf seinem neuen E-Tretroller bei einem Zusammenstoß mit einer Fahrradfahrerin schwer verletzt. Der 50-Jährige sei auf einem Radweg entgegen der vorgeschriebenen Fahrtrichtung unterwegs gewesen, berichtete die Polizei am Donnerstag. Vor der Kollision versuchten demnach beide, noch auszuweichen, doch das misslang. Der E-Scooter-Fahrer wurde nach dem Unfall vom ins Krankenhaus gebracht, die Frau erlitt leichte Verletzungen. 

>> Alles, was du jetzt über E-Scooter wissen musst

Der Mann habe sich sein Fahrzeug erst vor wenigen Tagen angeschafft, berichtete ein Polizeisprecher. Für den Tretroller mit Elektroantrieb habe er weder eine Versicherung noch eine Betriebserlaubnis gehabt. "Die Angaben auf dem Fabrikschild wurden lediglich in chinesischen Schriftzeichen ausgewiesen", so die Polizei. Das Gerät wurde zunächst in Verwahrung genommen.

Laut Polizei hatte sich der 50-Jährige den Roller besorgt, nachdem E-Scooter kürzlich zugelassen worden waren. Der Sprecher wies darauf hin, dass sich Nutzer bei solchen Gefährten um Versicherungen kümmern müssten. Auch sei eine Betriebserlaubnis zwingend, wenn man damit am Straßenverkehr teilnehme. Seit Mitte Juni gibt es für einige E-Scooter-Modelle allgemeine Betriebserlaubnisse durch das Kraftfahrt-Bundesamt.

Wie reagiert die Politik darauf?

In Berlin erklärte Verkehrsstaatssekretär Ingmar Streese (Grüne) auf Anfrage: "Gerade vor dem Hintergrund der jüngsten Unfälle werden wir gemeinsam mit der Polizei die Lage analysieren, um zu beurteilen, ob die Bundesverordnung für diese Fahrzeuge verschärft werden muss, um mehr Sicherheit zu erreichen." Er verwies aber auch darauf, dass es in Deutschland "von Anfang an strenge Regeln für E-Tretroller" gebe. Darüber berichtete am Freitag auch der "Tagesspiegel".

Was sagen E-Scooter-Verleiher dazu?

Das Berliner Verleihunternehmen Tier teilte auf Anfrage der Deutschen Presseagentur mit, bisher noch keine ausreichenden Daten zu Unfällen mit E-Tretrollern zu haben. Man wolle die Entwicklung weiter beobachten. Als Anbieter trage man natürlich eine große Verantwortung für die Sicherheit, etwa mit regelmäßigen Wartungen der Flotte. Im übrigen sei verringerter Autoverkehr der "der wohl größte Treiber für mehr Sicherheit auf den Straßen". Bisher ist es allerdings umstritten, ob tatsächlich Menschen wegen des Rollerangebots auf das Auto verzichten.

Mehrere Verleiher bieten seit rund zwei Wochen E-Tretroller in Berlin an. Die Gefährte können mit ihren relativ kleinen Rollen bis zu 20 Kilometer pro Stunde schnell fahren. Mindestens 14 Jahre muss man dafür alt sein. Führerschein, Mofa-Prüfbescheinigung oder ein Helm sind nicht vorgeschrieben. Gehwege sind für E-Rollerfahrer tabu, wie die Berliner Polizei in einem YouTube-Video betonte. Fahren darf man auf dem Radweg oder sonst auf der Straße.

ml/dpa

Quelle: Noizz.de