Über 7.000 Berliner fordern einen Feiertag – für ihre Psyche

Genna-Luisa Thiele

Popkultur, Psycho
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Berliner sollen einen Feiertag bekommen – für ihre mentale Gesundheit Foto: Photo by Daniel Monteiro on Unsplash

Petitions-Unterzeichner gaben ihre ganz persönlichen Probleme als Grund an.

Am 10. Oktober ist Tag der Mentalen Gesundheit. Diesen Tag will eine Initiative jetzt als Feiertag in Berlin durchsetzen. Quasi als einen zusätzlichen freien Tag, an dem sich Hauptstädter ihrer Seelen-Hygiene widmen können.

Psychische Probleme sollen kein Tabu-Thema mehr sein, sondern einen Platz in „der städtischen Debatte“ bekommen, heißt es auf der offiziellen Webseite der Aktion.

Der Hintergrund: Laut einer repräsentativen Barmer-Befragung (2016) sind 60 Prozent aller Berlinerinnen und Berliner gestresst oder leiden unter „stressbedingter emotionaler Erschöpfung“.

Mit ernst zu nehmenden gesundheitlichen Schäden.

30 Prozent aller jungen Erwachsenen in Berlin befinden sich laut gleicher Befragung einer der größten deutschen Krankenkassen bereits in therapeutischer Behandlung.

Die Dunkelziffer dürfte sogar wesentlich größer sein, als diese offiziellen Zahlen.

Die Stigmatisierung von mentalen Schwierigkeiten ist nach wie vor riesig, sodass sich viele Betroffene gar nicht erst trauen, offen über ihre Struggles zu reden oder sich in Behandlung begeben.

Außerdem: Berlin hat nur neun Feiertage, andere Bundesländer dagegen bis zu 13.

Der Verlag „Ein guter Plan“, der diverse Achtsamkeits-Jahreskalender rausbringt, die innerhalb weniger Tage ausverkauft sind, steckt hinter der Aufforderung.

Und hat mit dieser Aktion anscheinend einen Nerv getroffen: Mehr als 7.000 Menschen haben die Online-Petition auf „change.org“ bereits unterschrieben. Ursprungsziel waren erst 4.000, dann 7.000 Unterschriften. Jetzt sollen es 10.000 werden.

In den Kommentaren können die Unterstützer begründen, warum sie die Petition unterschrieben haben.

Viele sind selbst betroffen von Erschöpfung oder einer mentalen Erkrankung.

Ein Unterstützer leidet selbst an einer Erschöpfungs-Depression Foto: Screenshot / Website / www.change.org

Einige finden es einfach modern, bei den steigenden Anforderungen der Arbeitswelt, die sich immer wieder verändert.

Andere finden, die Arbeitswelt sollte sozialer statt kapitalistischer werden Foto: Screenshot / Website / www.change.org

Andere haben Burn-Out bei Chefs, Kolleginnen, Freundinnen oder Verwandten miterlebt.

Harte Jobs, fehlende Freizeit sind Gründe, die für den Feiertag sprechen Foto: Screenshot / Website / www.change.org

Viele wollen das Stigma der Psyche und dazugehörigen Psychosen endlich aufbrechen – unabhängig davon, ob sie selbst betroffen sind oder nicht.

„Das betrifft uns alle!“ schreibt eine Unterstützerin Foto: Screenshot / Website / www.change.org

Einen Hashtag gibt's übrigens auch: #ichbrauchmalnentagfrei.

Und die beiden achtsamen Antreiber hinter der Aktion suchen außerdem Freiwillige, die ihr Gesicht zeigen – für eine Kampagne für den Tag der Mentalen Gesundheit.

Die Forderung geht schriftlich an den Senat von Berlin und Michael Müller, den Regierenden Bürgermeister von Berlin.

Quelle: Noizz.de

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