Tumblr verbannt Pornografie – das Ende?

Katharina Kunath

Tattoos, Mode & Kultur
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Bald Geschichte: Pornografische Tumblr-Inhalte
Bald Geschichte: Pornografische Tumblr-Inhalte Foto: Charles Deluvio / unsplash.com

Schluss mit den schönsten Nippel-Bildern und Sex-Gifs.

Es ist wohl die traurigste Porno-Nachricht des Jahres: Tumblr will ab dem 17. Dezember sämtliche „Erwachsenen-Inhalte“ von der Plattform verbannen.

Ob Fotos, Videos oder Gifs: Alles, was menschliche Genitalien, weibliche Nippel oder sexuelle Darstellungen zeigt, wird in knapp zwei Wochen aus dem Sozialen Netzwerk fliegen. Pornografische Inhalte, die schon auf der Seite existieren, werden nur noch dem dementsprechenden Kontoinhaber selbst sichtbar sein.

Wer sich noch nie in die anrüchigen Tiefen der Plattform hineingewagt hat: Tumblr ist bekannt für seine freizügigen Bilder und heißen Gifs. Viele der dort

bestehenden Blogs sind auf pornografische Inhalte, bestimmte Fetische oder sexuelle Ausrichtungen spezialisiert – ziemlich praktisch für Menschen, die ihre Fantasie zwar hin und wieder mit ein bisschen geilem Content anheizen wollen, aber keine Lust auf „richtige" Pornoseiten à la Pornhub in ihrem Browserverlauf haben.

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Sex-Bann: Leg dich nicht mit Apple an

Grund für denn plötzlichen Sex-Bann ist wohl der Beef, den die Plattform gerade mit Apples App Store hat: Dort wurde die App im November entfernt, nachdem der branchenübliche Kinderporno-Filter einschlägiges Material nicht erkannt haben soll. Das darf natürlich nicht passieren. Trotzdem geht man bei so einem Vorfall doch eigentlich eher davon aus, dass die Software überarbeitet wird oder noch verstärkter Filter eingesetzt werden – gleich ein Total-Verbot auszusprechen kommt ganz schön überraschend.

Offenbar ist es dem Versuch Tumblrs geschuldet, sich wieder Zugang zu Apples App Store zu verschaffen.

Und der fährt eine derart prüde Schiene, dass selbst weibliche Brustwarzen – werden sie nicht gerade in Zusammenhang mit Stillen von Säuglingen oder medizinischen Eingriffen gezeigt – Ausgeburt der Hölle sind (kennen wir ja leider schon von Instagram). In Googles Play Store war die Anwendigung übrigens weiterhin ganz ohne Einschränkungen zugänglich.

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Aber zurück zum Sex-Verbot: Nacktdarstellungen, die im Zusammenhang mit Zeitgeschehen, Politik oder Kunst stehen, sollen weiter erlaubt sein, gleiches gilt für erotische Texte. Wo genau die Grenze zwischen künstlerischem Akt und Pornografie verschwimmt, scheint dann also dem automatischen Filter Tumblrs überlassen.

Ach Tumblr, es war schön mit dir.

Schaut man sich die Entwicklung an, die Tumblr in den letzten Jahren durchgemacht hat, kann man sich sicher sein, dass die Plattform sich mit dem radikalen Schritt auf kurz oder lang den eigenen Todesstoß verpasst hat. Denn sind wir ehrlich: Viel mehr als Soft-Porn und ästhetisch ansprechende Erotik hat Tumblr nicht mehr zu bieten.

Die schiefgelaufene Evolution der Plattform

Vor langer, langer Zeit war Tumblr eine Emo-Plattform, auf der depressive Teenis Casper-Songtexte posteten und sich darüber austauschten, welche gestreiften Stulpen am besten zu welcher gestreiften Haarfarbe passten. Doch die Subkultur starb irgendwann zwischen dem out-werden von Tokio Hotel und dem Aufschwung des Hipsters aus – schlecht für Tumblr.

Das nächste dunkle Kapitel der Plattform: Sogenannte „Pro-Ana“-Seiten, auf denen sich magersüchtige Mädchen und Jungs und solche, die dachten, hungern sei chic, gegenseitig zu 0-Kalorie-Diäten aufstachelten und auf ihren Tumblr-Seiten Bilder von abgemagerten Oberschenkeln und herausstechenden Knochen posteten – immer untermalt von den traurigen Klängen Byrdies „Skinny Love“.

Doch dann kamen die Kardashians mit ihren dicken Ärschen und breiten Hüften, das Schönheitsideal wandelte sich mehr oder weniger über Nacht, dürr sein war plötzlich gesellschaftlich nicht mehr anerkannt. Anhängerinnen des „Pro-Ana"-Phänomens flüchteten sich ins Private, etwa in geschlossene WhatsApp-Gruppen – schlecht für Tumblr.

Dann wurde die Plattform zum Moodboard für alle Tumblr Girls und jede, die es werden wollten: Plötzlich waren es hübsche australische, sonnengebräunte, yogafiguren-übende, gesund lebende Models, die auf Tumblr ihre Fotos hochluden. Rapper G-Easy schrieb sogar einen Song über eben diese heißen „Tumblr Girls“, die auf der Plattform ihren Fame fanden – bis Instagram überhandnahm.

Tumblr Girls wurden Influencerinnen, und die Plattform hatte nicht nur seine Emos und anorexischen Anhänger verloren, sondern auch seine Hipster. Design- und Architekturliebhaber, die ihre Inspiration auf Tumblr suchten, zogen weiter zum funktionaleren Pinterest.

Was blieb also? Das, was auf den anderen Plattformen nicht erlaubt war, geschweigeden adaptiert wurde: Nippel & Sex. Und das funktioniert bisher wirklich gut.

Es grenzt also fast an Selbstmord, dieses letzte Standbein zu kappen, dass das Soziale Netzwerk in den weiten des Internets noch aufrecht hält. Und ganz theatralisch denkend, würde man Tumblr am liebsten ein Wunder herbeiwünschen, aber vielleicht bin das auch nur ich: Auf Twitter bereiten sich viele lieber schon mal auf das Ende ihrer liebsten Porno-Plattform und ihren neuen Status als (S)Ex-Tumblr-User vor:

Quelle: Noizz.de

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