Tipps und Tricks gegen den Neujahrskater.

Ich bin wohl die schlechteste Kandidatin, um diesen Text mit Mitgefühl zu schreiben, denn ich hatte noch nie in meinem Leben einen richtig schlimmen Kater. Und wer diesen Text jetzt mit eben genau diesem liest, wird mich wahrscheinlich zum Teufel schicken. Müdigkeit und leichte Kopfschmerzen? Kenn ich. Übelkeit, andauernder Schwindel oder das Gefühl, am liebsten Sterben zu wollen? Hell No. Den ganzen Tag im Bett liegen bleiben nach einer durchgezechten Nacht, oder noch schlimmer, über einer Toilettenschüssel? Kommt mir nicht in die Tüte.

Wenn mich Leute verwundernd fragen, woher meine Kater-Resistenz kommt, schiebe ich das meist spaßeshalber auf meine leicht osteuropäischen Wurzeln. Ein Klischee, das immer zieht – dabei ist das völliger Bullshit.

Denn klar, mache Menschen – und da zähle ich mich dazu – haben verdammt Glück mit ihrer Trinkfestigkeit. Doch wer zu viel säuft, darf sich nicht wundern, wenn am nächsten Tag die Birne dröhnt – „trinkfeste Gene" hin oder her. Und ein Zaubertrank gegen Kater wurde bisher auch noch nicht erfunden – auch wenn sich viele Vitaminwässerchen damit perfekt vermarkten lassen. Das beste Kater-Mittel, liebe Freunde der gepflegten Trinkkultur, ist einzig und alleine eine gute Vor- und Nachbereitung. Und auf die lege ich sehr wert, wenn ich weiß, dass der Alkohol an dem Abend in Strömen fließen wird.

Wer den Vorsatz hat, ohne ungefragtes Katzentier ins neue Jahr zu starten, sollte folgende Punkte beachten.

Das richtige Vor-Essen

Salat, Rohkost, dünnes Gemüsesüppchen? Richtig schlechte Wahl. Gönn dir eine ordentliche Portion Pasta (Auf Kalorien solltest du heute Abend eh nicht achten) oder ein Abendessen, das reich an (gesunden) Fetten ist, denn dadurch wandert der Alkohol langsamer ins Blut. Das Dümmste, was du machen kannst, ist auf nüchternen Magen zu trinken.

Bedachtes Trinken

Generell gilt: Nicht zu viel durcheinander – Finger weg von Cocktails, die aus gefühlt tausend verschiedenen Spirituosensorten zusammengemischt wurden. Aber auch der Alkohol selbst ist entscheidend. Qualität vor Quantität, Freunde. Wein aus dem Tetrapack oder Wodka, der nach Nagellackentferner riecht, ist nicht nur stillos, es muss auch echt nicht sein. Allgemeiner Zustimmung erfreut sich die These, dass es auch auf die sogenannten Begleitalkohole ankommt, die in einem Getränk enthalten sind – Methanol oder Isobutanol sollen eher für einen Kater sorgen, als Ethanol (wissenschaftlich ist das allerdings nicht belegt). Relativ frei von störenden Begleitalkoholen ist Wodka, böse dagegen Cognac, Whiskey und dunkler Rum. 'Ne Pulle Wodka aber bitte trotzdem nicht exen.

Gönn' dir Wasser

Dein liebster Partybegleiter: H2O! Wenn du zwischen jedem Drink ein Glas Wasser einschiebst, hat der Kater wenig Chancen: Denn damit wirkst du einer zu krassen Entwässerung deines Körpers von Anfang an vor – und damit den Kopfschmerzen am nächsten Morgen. Außerdem schonst du deinen Geldbeutel, wenn du zwischenzeitlich mal eine Pause von den überteuerten Drinks in Clubs und Bars einlegst. Win-Win.

Verzichte auf zuckerhaltige Getränke

Die Kombination aus Alkohol und Zucker ist doppelt hart für deinen Körper, weil der Zucker den Abbau vom Ethanol-Abbauprodukt Acetaldehyd hemmt. Und das ist mitverantwortlich für den Kater am nächsten Morgen. Also Finger Weg von Jacky Cola!

Keine Kippen, kein Mischkonsum

Liebe Party-Raucher, verzichtet auf die Zigarette zum Drink – denn ihr werdet sie am nächsten morgen einfach nur noch verfluchen wollen. Warum? Das Nikotin entzieht dir Sauerstoff und Vitamine. Dadurch wird die Wirkung des Alkohols erheblich verstärkt - und der Kater am nächsten Tag ist umso schlimmer. Und von anderen Drogen lässt du auch besser die Finger – Wechselwirkungen sind oft weder vorhersehbar, noch kontrollierbar.

Nochmal Essen

Meine These ist ja: Je mehr du an dem Party-Abend isst, desto weiter sinkt das Risiko, am nächsten Morgen mit Kater aufzuwachen (oder in der Nacht kotzen zu müssen). Meine Devise: So viele Nüsse, Chips und Salzstangen wie möglich reinstopfen (Auch hier gilt, auf zuckriges Zeug lieber verzichten). Es gelüstet dich nach der Party nach Döner, Pizza oder Pommes? Schieb rein was geht – und geh' dafür am nächsten Tag lieber eine Runde länger joggen.

Wasser vor dem Schlafengehen

Du bist richtig hacke, hast es aber trotz Saufgelage und Döner-Orgie nach Hause geschafft und willst jetzt am liebsten nur noch so schnell wie möglich ins Bett fallen? Gönn dir 10 Minuten, in denen du ordentlich lüftest (Sauerstoff!), gründlich Zähne putzt (denk an das eklige Gefühl am nächsten Morgen, wenn du es nicht tust), zwing dich zu einem richtig großen Glas kaltem Wasser UND stell dir unbedingt auch noch ein Glas Wasser neben das Bett. Wenn du super schlau bist, hast du das sogar schon gemacht, bevor du das Haus verlassen hast. Zeig der Pharma-Branche den Mittelfinger, indem du auf Schmerztabletten oder „Vorsorge-Aspirin“ verzichtest. Die helfen nicht, können unangenehme Wechselwirkungen auslösen und greifen die eh schon durch den Alkohol gereizte Magenschleimhaut noch weiter an. Gönn dir lieber eine Magnesium- oder Kalziumbrausetablette, um deine Mineralspeicher wieder aufzufüllen!

Viel, viel Schlaf

Wie wir alle aus dem Bio-Unterricht (oder der Fahrschule) wissen, braucht Alkohol Zeit, um abgebaut zu werden – in einer Stunde verlierst du ungefähr 0,1 Promille. Nichts tut also besser, als ein richtig guter Schlaf. Je länger du die Augen zu hast, desto frischer wachst du wieder auf. Wenn du in der Nacht immer wieder schweißgebadet hochschreckst oder unruhig schläfst, hast du definitiv zu viel getrunken und deine Leber muss hart am Alkoholabbau arbeiten: In der chinesischen Medizin gilt sie als „nachtaktives“ Organ. Während du pennst, entgiftet sie deinen Körper. Wenn du mitgedacht hast, hast du dir am nächsten Morgen auch keine wichtigen Termine vorgenommen – nichts ist grausamer, als noch halb alkoholisiert aufzuwachen und aufstehen zu müssen.

Kein Zucker zum Frühstück

Guten Morgen! Zeit für ein richtig gutes Kater-Frühstück. Verzichte auch hier auf zuckerhaltige Süßspeisen, lass das Nutella und das Knuspermüsli vorerst lieber im Schrank. Was jetzt hilft sind deftige, eiweißreiche Lebensmittel. Ich schwöre auf Rührei mit Speck, kann aber auch 'ne Packung Tiefkühlspinat zum Frühstück verdrücken – kein Scherz! Meistens weiß der Körper instinktiv, was dein Elektrolythaushalt jetzt braucht – iss also, auf was es dich gelüstet. Versuche, möglichst Vitamin- und salzhaltig zu essen, denn der Alkohol hat deinen Mineralstoffhaushalt ordentlich angegriffen. Wenn du ganz mutig bist, probierst du den Kater-Tipp aus Polen: Dort schwört man auf das Wasser von Essiggurken. Hab's schon ausprobiert, geht absolut klar!

>> Kann diese Pille bald deinen Kater heilen?

Luft und Bewegung

Sauerstoff und Bewegung an der frischen Luft bringt den Kreislauf in Schwung. Klingt brutal, vor allem im Winter. Sorgt aber für einen klaren Kopf, I promise! Traut ihr euch nicht vor die Tür, hilft eine kalte Dusche. Denn auch die regt die Durchblutung an und hilft dem Körper so bei der Entgiftung. Richtig deluxe dazu: Ein belebendes Duschgel, etwa mit Zitrus- oder Kräuternoten. Und wer sich selbst nicht im Spiegel erkennt, gönnt sich noch eine erfrischende Augenmaske – nichts fühlt sich nach einer langen Partynacht besser an!

Für jedes Wehwehchen ein Tee

 Eure Leber und Galle müssen nach einer durchzechten Nacht richtig hart arbeiten, um den Körper zu entgiften (und das fettige Afterparty-Fast-Food zu verkraften). Richtig gut: Spezielle Arzneitees, die das Wirken der beiden Organe auf natürliche Weise unterstützen und beruhigend sind. Gegen einen flauen Magen und Schwindel soll dagegen Ingwertee helfen, denn er beruhigt das Nervensystem und kurbelt die Produktion von Magensäure an. Vorsicht bei Pfefferminztee und Rooibos: Von Ihnen kann dir in deinem Zustand leicht schlecht werden. Und denk gar nicht erst an ein Konterbier, deine Leber will noch ein paar Jahre gesund bleiben! Auch kohlensäure-haltige Getränke sind jetzt nicht die beste Wahl – sie reizen den Magen nur noch zusätzlich.

Generell gilt natürlich bei allen Tipps: Die beste Vorsorge ist es, gar nicht erst zu viel zu Trinken. Kenne deine Grenzen und pass auf dich und deinen Body auf. Die richtig guten Abende sind eh immer die, an denen man sich nicht völlig abschießt!

>> Warum ich noch nie in meinem Leben Alkohol getrunken habe

Quelle: Noizz.de