Tribals, Porn-Tatts und Dämonen werden das neue Jahr bestimmen.

Ein friendly Reminder am Anfang, liebe Freunde der Tätowierkunst: Trends folgen, ist meistens nur kurzfristig cool. Und etwas, was ihr potenziell nur feiert, weil ihr denkt, andere könnten euch dafür feiern, solltet ihr euch nicht – ich wiederhole: NICHT – in die Haut stechen lassen. Denn anders als Burberry Bucket Hat und Balenciaga Triple S könnt ihr eure Tatts nicht einfach wieder abstreifen.

Wer jetzt beschämt auf seine Traumfänger- oder Vögel-fliegen-aus-Feder-Tattoos schaut: Wir machen alle Fehler. Manche größere als andere. Wer sie weiterhin stolz zur Schau stellt: Props, du hast Lizzo definitiv im No-Fucks-Given-Game geschlagen.

Aber genug der Warnung. Nur weil etwas Trend ist, ist es nicht gleich schlecht – im Gegenteil. Schließlich spiegeln Trends unseren Zeitgeist und unser Ästhetikgefühl wieder. Wenn etwas wahrhaftig fresh ist, ist es das auch noch, wenn die Trendwelle wieder abebbt.

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Wer also Bock hat, sich im nächsten Jahr ein Tattoo stechen zu lassen und noch auf Inspo-Suche ist: Hier ein paar Motivideen, die ihr 2020 zwar überall auf Instagram sehen werdet, euch aber trotzdem ohne Angst vor übermorgen stechen lassen könnt.

Was bleibt

Der Drache ist ohne Zweifel der größte Baba der Fabelwesen. Diesen Status hat er 2019 auch als Tattoosymbol verteidigt: Großflächig rankte er sich auf Oberschenkeln, Hüften, Rücken und ja eigentlich jedem Körperteil, dass genug Platz für die Fatasie-Echse zuließ. Wofür der Drache steht, haben wir euch letztes Jahr hier zusammengefasst.

Auch Stacheldraht, der seit zwei Jahren ein beliebtes Geht-Immer-Tattoo des Ignorant-Style ist, bleibt uns 2020 erhalten. Das gilt auch für Rosen: Ob als minimalistisches Linienmotiv oder solides Blackwork, die langstieligen Blumen sind ein zeitloser Klassiker und dürfen eurer Tattoo-Sammlung auch im neuen Jahr getrost beitreten.

Was kommt

Tribals

In der Mode sind die frühen Zweitausender längst wieder ein Ding. Hüfthosen und hochgezogene Strings, Mini-Handtasche und Buffalos machen gerade jedes zweite Insta- Girl zum Hypebae, Boys flexen wieder mit Mittelscheitel. Auch Tätowierer entdecken die Nullerjahre für sich – mit Tribals.

Einst als Prollo-Tattoo verpönt und geächtet, werden die wilden Musterungen jetzt wieder langsam wieder tätowiert. Etwa von Jumi Su aus Leipzig, dessen krakeligen Motive wie eine betont nüchterne Karikatur des ursprünglichen Tribals anmuten. Oder vom Braunschweiger Tattoo-Artist Dennis Bebenroth: Er "zweckentfremdet" Tribals, indem er sie mit Comic-Figuren kombiniert.

>> Tribals und Comicfiguren: Dennis Bebenroth im Tattoo-Talk #6

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Bevor ihr euch ein Tribal stechen lasst, solltet ihr euch einem bewusst sein: Tribals sind die Königsklasse des Ich-gebe-keinen-Fick-auf-Schönheitsideale. Ein Tribal ist wie ein stolz erhobener Mittelfinger, Anarchie statt Klasse, Trash vor Stil. Nur wenige Menschen werden bereit sein, die Genialität dieses Motives zu verstehen – der Rest wird euch als geisteskrank und geschmacklos verurteilen. Wenn ihr damit leben könnt, seid ihr mit diesem Tattoo richtig gut beraten.

Übrigens: Eigentlich stammen Tribals aus der Stammeskultur, sie schmückten mutige Krieger in Südostasien und Ozeanien, wurden in den Neunzigern aber von abenteuersuchenden Westlern als "exotisches" Accessoire adaptiert. Mit Schuld an dem Tribal-Hype war der 1996 erschienene Film "From Dusk Till Dawn", indem George Clooney als Seth Gecko ein riesiges Tribal-Tattoo trägt – danach rannten viele Menschen in Tattooshops, um sich den verwegenen Stil des Filmcharakters anzueignen.

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Japanische Dämonen

Hörner, ein weit aufgerissener Schlund mit Reißzähnen, böser Blick – dieses Motiv ist ganz schön Badass! Ihren Ursprung haben derartige Dämonengesichter in japanischen Fabeln. Dort können die übernatürlichen Wesen guter wie auch böser Natur sein – informiert euch also ausführlich, welche Variante ihr für immer unter eurer Haut tragen wollt.

Auf Instagram sieht man gerade vermehrt "Hannya": das von Wut verzerrte Gesicht ist eine Maske, die aus dem japanischen No-Theater stammt. Dort wird die Legende einer bildhübschen, jungen Frau erzählt, die durch nicht erwiderte Liebe von Eifersucht zerfressen und so zu einem Dämon wurde.

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Wie bei allen Motiven, die aus fremden Kulturkreisen stammen, sollte man sich auch hier fragen, ob man sich trotz der Bomben-Ästhetik ein derartiges Symbol aneignen möchte, schließlich gilt auch 2020: "Woke" ist das neue Cool, und der Grat zwischen Cultural Appreciation und Cultural Appropriation schmaler denn je.

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Schutzsymbole & Tarot-Karten

Wenn man sich die Geschichte der Tätowierkunst anschaut, kristallisieren sich zwei übergeordnete Beweggründe heraus, die Menschen schon vor vielen Hunderten Jahren dazu brachten, sich zu tätowieren: Zugehörigkeit, Schutz und Abschreckung.

Zugehörigkeit zu einem bestimmten Stamm, einer Familie oder Glaubensgruppe. Schutz vor und Abschreckung der Feinde, etwa durch furchterregende, entstellende Motive oder durch schützende Totems. Im Christentum sind beispielsweise Kreuze und betende Hände sehr beliebt (Fußballer-Körper scheinen diese Motive magisch anzuziehen).

>> Filigranes Blackwork: Emma Lola aus Berlin im Tattoo-Talk #33

Immer häufiger spezialisieren sich Tattoo-Künstler heute auf spirituelle Motive, die keiner monotheistischen Religion, sondern der Esoterik zugeordnet werden können. In unserem Tattoo-Talk haben wir euch beispielsweise schon den Tätowierer Sebastian Domaschke vorgestellt, der sich auf "ganzheitliche Tätowierungen" spezialisiert hat, die gleichermaßen Körper und Geist ansprechen sollen. Lorena Morato sticht ihrer Kundschaft psychedelische Pilze und visionäre Kunst unter die Haut und Tätowiererin Ninimalismo fertigt filigrane Symbolketten an, denen sie spirituelle Kräfte nachsagt.

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Besonders angesagt scheinen gerade auch Tarot-Karten zu sein. Genau, das sind diese Karten, mit denen Wahrsagerinnen eure Zukunft voraussagen – oder euch geschickt davon ausgehen lassen, dass sie es tun. Im Tarot hat jede einzelne Karte eine eigene Bedeutung. Bei 78 Stück gar keine so leichte Entscheidung – vielleicht hilft die Astro Hotline weiter?

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Sonnen, Planeten, Monde

Ja, okay – Sonnen, Planeten und Monde sind keine neuen Tattoomotive. Im Gegenteil. Zusammen mit Sternzeichen und Sternen gehören sie wahrscheinlich zu den mainstreamigsten Motiven, die man sich so tätowieren kann.

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Das tut der Beliebtheit der Himmelskörperchen aber keinen Abbruch: Das soziale Netzwerk Pinterest hat im Dezember eine Erhebung herausgebracht, die besagt, dass Suchanfragen nach Weltraumtattoos alleine von 2018 bis 2019 um ganze 267 Prozent gestiegen sind: Viele, viele Menschen scheinen dort also nach Inspiration für neue, galaktische Tattoomotive zu suchen! Heißt im Umkehrschluss für 2020: Viele neue Planetenkonstellationen auf der Haut eurer Mitmenschen.

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Wo die Faszination mit allem Kosmischen herkommt? Darüber können wir nur mutmaßen. Vielleicht sehen wir uns innerlich bei dem ganzen Mist, der gerade auf unserer Welt abgeht, ja tatsächlich alle auf eine Rettung durch E.T. – oder zumindest auf die ein oder andere Wünsche erfüllende Sternschnuppe.

Sex-Tattoos

Ihr schaut Pornos noch? Andere lassen sich die Sexstellungen und Kinks, die sie anturnen, einfach in die Haut stechen. Das hat den Vorteil, dass man gar nicht mehr auf einen flimmernden Bildschirm starren muss, um seine Fantasie anzuregen – sondern einfach nur sich selbst ein bisschen ausführlicher betrachten muss.

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Ist doch schön, wenn man sich selbst geil machen kann, oder? Ist das schon eine Form der Body Positivity? Oder einfach nur ein weiterer Schritt hin zur sexuellen Befreiung? Eins ist sicher: In der Berliner Clubszene fallt ihr mit euren kinky Tätowierungen nur positiv auf – bei Omas Kaffeekränzchen solltet ihr die heiße Körperkunst dann aber vielleicht doch lieber unter ein bisschen Kleidung verstecken.

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Nicht, dass Großmutters schwaches Herz beim Anblick von Analsex und Bondage schlapp macht.

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  • Quelle:
  • Noizz.de