Abstrakte Linienmotive made by @lowlife_lindur.

Alle 14 Tage wollen wir euch in unserem „Tattoo Talk“ inspirierende Künstler vorstellen, denen wir begeistert auf Instagram folgen – weil sie uns mit ihrer Message, ihrem Stil oder ihrer Persönlichkeit umhauen!

Dieses Mal haben wir uns mit Moritz Lindur unterhalten, an dessen minimalistischen Motiven wir sofort hängen geblieben sind. Denn Moritz Linien sind nicht einfach Linien: Seine abstrakten Motive könnten auch in einem Museum für moderne Kunst hängen. Doch statt auf Papier oder Leinwand zeichnet er lieber auf Haut – mal über einen ganzen Körper, mal über mehrere Menschen.

Der gebürtige Kölner lebt und arbeitet seit drei Jahren in Berlin, sein kreatives Schaffen teilt der 25-Jährigen als @lowlife_lindur auf Instagram.

NOIZZ: Moritz, wie hat sich dein Stil entwickelt?

Moritz: Für mich ist es ein langer Prozess, der stetig weiterläuft. Ich mache einfach und versuche dabei möglichst, nicht in eine Schublade zu passen. Die Motive, die ich zurzeit tätowiere, sind hauptsächlich minimalistisch. Ich bin von meinem ursprünglichen Stil – sehr viele Linien und sogar figurative Arbeiten – zu den Grundformen zurückgekommen. Da ich nur Freihand arbeite, passen sich meine Tattoos den menschlichen Körperformen an oder arbeiten genau gegen diese.

Warum hast du angefangen zu Tätowieren?

Moritz: Ich bin schon mein Leben lang mit Tätowierungen konfrontiert. Mein Onkel ist ein Rocker alter Schule und seine Tattoos fand ich immer faszinierend. Außerdem habe ich mich schon immer in Kreisen bewegt, in denen Tattoos dazugehörten. Ich habe mich mit meinen Arbeiten nie auf Papier oder Leinwände beschränkt, es kamen Häuser, Züge und Tunnel dazu – nun sind es Menschen. Gibt es eine größere Anerkennung, als jemand, der dir erlaubt, deine Kunst auf seine Haut zu bringen?

Was ist das Schönste am Tätowieren?

Moritz: Dass ich für niemanden arbeiten muss, außer für den Menschen, der vor mir sitzt. Zum Schluss sind wir beide glücklich und ich habe nicht das Gefühl für irgendjemanden Geld zu verdienen, den ich nicht kenne.

Was war dein seltsamstes Tattoo-Request?

Moritz: Die bizarrsten Anfragen sind am Ende immer die, bei denen man merkt, dass sich die Leute noch nie mit meiner Arbeit auseinandergesetzt haben – mich beispielsweise nach Black Work fragen.

>> Hier könnt ihr unseren Tattoo Talk mit Black Work Artist Nikita Sofine auschecken

Und welche Anfrage hat dir am meisten bedeutet? 

Moritz: Da gibt es viele Stories. Zum Beispiel kam Mitte letzten Jahres eine Kundin aus China angereist, nur um ein Tattoo von mir zu bekommen. Ich bin jedes Mal beeindruckt, dass mich Anfragen von überall auf der Welt erreichen. Was mich in letzter Zeit am meisten beschäftigt, sind die „Partner-“ oder „Gruppentattoos“, die ich mache. Dabei tätowiere ich Motive über mehrere Personen. Die Motive müssen sowohl im Gesamtbild, als auch alleine stehend gut aussehen.

Was würdest du niemals stechen?

Moritz: Alles, was nicht von mir ist.

Und was würdest du dir selbst niemals stechen lassen? 

Moritz: Aquarell, geometrische Tattoos oder Fotorealismus.

Wenn ich heute kein Tattoo-Künstler wäre, wäre ich …  

Moritz: Ich sehe mich nicht als „Tattoo-Künstler“. Eher als „Überlebens-Künstler“ und der werde ich hoffentlich immer bleiben.

Hast du etwas für deinen Beruf riskiert?

Moritz: Das bürgerliche Leben.

Gibt es etwas, das dich an der Tattoo-Szene nervt?

Moritz: Nein, mich nervt die Szene nicht. Soll jeder seine Meinung haben, das ist doch in jeder Branche so. Wichtiger ist für mich eher, was toll an der Szene ist! Wenn ich zum Beispiel ganz spontan nach Seoul fliegen will, um dort zu arbeiten, finde ich nach ungefähr fünf Minuten ein Tattoo-Studio und nette Hosts – und das auf der anderen Seite der Welt. Und die sind zu 99 Prozent meiner Erfahrung extrem nett, zuvorkommend und weltoffen.

Was war dein erstes Tattoo?

Und wie sah das Erste aus, das du gestochen hast?

Wo siehst du dich in 10 Jahren? 

Moritz: Als Zumba-Lindur auf Bali.

Was ist das Härteste an deinem Job? 

Moritz: E-Mails, Instagram und alles, was nichts mit der Arbeit selbst zu tun hat, aber sehr wichtig dafür ist.

Welchen Rat würdest du Leuten geben, die sich das erste Mal tätowieren lassen?

Moritz: Viele meiner Kunden lassen sich ihr erstes Tattoo von mir stechen. Wichtig ist, dass das Motiv für einen selbst gut aussieht – was andere sagen, ist egal. Ich rate immer von Stellen ab, die man nicht so einfach verdecken kann, wie Hände, Hals oder Gesicht.

Was steht noch auf deiner Bucket-List? 

Moritz: Japan, Korea, China, Russland, Kanada … die Liste könnte ich jetzt ewig weiterführen.

Diesen Kollegen gebe ich Props:

Moritz: Jedem meiner Freunde, der sich die Zeit genommen hat, bis nach ganz unten zu lesen. Aber ganz besonders meinen Brüdern @maison_hefner, @alexbergertattoo, @benedikt_long, @lugosis & @strato200s, @edtattooer, @_1_1_8_ , @ds_008, @themagicrosa, @ivan14__ und @linustattooer.

>> Hier kannst du unseren Tattoo Talk mit Moritz Kollege Alex Berger lesen

Und hier könnt ihr noch ein paar von Moritz wunderbaren Arbeiten auschecken:

Quelle: Noizz.de