Tätowiererin Lorena Morato bringt eure spirituelle Seite zum Leuchten.

Alle 14 Tage wollen wir euch in unserem "Tattoo Talk" Künstler und Künstlerinnen vorstellen, denen wir begeistert auf Instagram folgen – weil sie uns mit ihrer Message, ihrem Stil oder ihrer Persönlichkeit umhauen.

Dieses Mal haben wir uns mit der Lorena Morato aka Ninmesarra unterhalten. Die 35-jährige Brasilianerin lebt und arbeitet in Köln, dort findet Ihr sie im Tattoostudio "Golden Times Atelier".

Tätowiererin Lorena Morato

Lorena macht keine halben Sachen: Ihre Tattoos sind großflächig, lebendig, detailreich – und oft ziemlich spirituell. Am liebsten sticht sie nämlich Tattoos, die Magie, Zauberei oder Bewusstseinserweiterung thematisieren. Wir haben mit ihr über visionäre Kunst, ihre Lieblingssymbole und ihren Weg von Brasilien nach Deutschland unterhalten.

NOIZZ: Lorena, wie bist du zum Tätowieren gekommen?

Lorena: In den Neunzigern haben sich viele meiner Freunde in São Paulo tätowieren lassen. Sie kamen mit wunderschönen New-School-Tätowierungen zurück, die mein Interesse an der Kunstform geweckt haben. 2006 habe ich selbst angefangen, Freunde zu tätowieren. 2007 dann auch professionell, bei Petra Kempka. Sie hat mir die Chance gegeben, in ihrem damaligen Tattooshop “Alpha Tattoo" in Hatingen zu arbeiten und mir viel beigebracht. Ich begann, auf Tattoo Conventions in ganz Deutschland zu tätowieren, später auch in Europa und dann auch auf anderen Kontinenten.

Wie hat sich dein Stil entwickelt?

Lorena: Am Anfang habe ich noch versucht, den Stil von Tätowieren, die ich besonders mochte, zu imitieren. Aber mit der Zeit habe ich gemerkt, dass ich nicht wie sie sein kann, weil ich ganz einfach eine andere Person bin. Als ich das realisiert habe, fing ich an, Inspiration in Kunstbüchern, Comics, Märchenbüchern, antiken Illustrationen und in der Kunst der Präraffaeliten zu suchen. Außerdem habe ich mich von meiner Kindheit inspirieren lassen – von meiner Hippie-Mutter und meiner Großmutter, einer Hexe. Es war eine Kindheit voller Zauberei und Märchen.

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Wie würdest du deinen heutigen Stil mit drei Worten beschreiben?

Lorena: Essenz, Magie, Visionen.

Was macht eine Tätowierung psychedelisch oder magisch?

Lorena: Sie ist von visionärer Kunst inspiriert, von Surrealismus. Es ist eine Kunstform, die sich mit spirituellen und mystischen Themen auseinandersetzt. Meine Referenzen sind unter anderem Alex Gray, Cameron Gray, Hilma af Klint, der große Zdzislaw Beksinski.

Woher kommt deine Faszination für "Magie"?

Lorena: Ich denke, je mehr ich mich mit Magie verbinde, desto größer wird meine innere Verbindung mit mir selbst. Desto größer wird meine Intuition und vor allem das Verständnis für andere. Für Leben und Tod. Magie ist mir seit dem Tag meiner Geburt wichtig, weil ich von einer Mutter erzogen wurde, die an all diese mystischen Dinge glaubt. Dieser Glaube ist in Brasilien stark verbreitet. Das Okkulte, das Übernatürliche, zieht mich sehr an. Es inspiriert beim Malen und hilft, alles zu verstehen, wenn das Leben mal nicht so funktioniert, wie man es erwartet.

Was war dein bis dato seltsamstes Tattoo-Request?

Lorena: Ich finde es sehr strange, wenn ich jemandem den Namen des Freundes oder der Freundin stechen soll.

Und was das Schönste oder das, was am meisten bei dir hängen geblieben ist?

Lorena: Oh, das sind so viele! In letzter Zeit versuche ich, meine Tätowierungen in eine visionäre, psychedelischere Richtung zu lenken. Ich bin dem Freund sehr dankbar, dem ich mein erstes psychedelisches Wanna-Do stechen durfte: ein blaues Frauenporträt, ihr Gesicht ist zerbrochen, psychedelische Pilze wachsen aus ihr heraus. Das war eine wichtige Erfahrung für mich.

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Was treibt dich an?

Lorena: Herausforderungen, Kritik und die Tatsache, dass man nicht für Berühmtheit oder Ruhm tätowiert, sondern, um andere glücklich zu machen. Das, was ich tue, erfüllt mein Herz und meine Seele und macht meine Kundschaft glücklich. Das Schönste am Tätowieren ist, dass ich Menschen aus der ganzen Welt kennenlerne, die zu mir kommen, um ein Stück meiner Kunst auf ihrer Haut zu tragen.

Welche Motive tätowierst du am liebsten?

Lorena: Ich mag es, Pastelltöne und dunkle Farben zu mischen. Damit das Tattoo dann nicht zu stumpf oder leblos aussieht, kombiniere ich eine strahlende Farbe dazu. Ich liebe Rehe, sie sind zauberhaft, und es fällt mir einfach, Motive mit ihnen zu designen. Meine Lieblingsblumen sind Narzissen, sie stehen für Wiedergeburt und Neuanfänge. Den Kochscher Enzian mag ich auch gerne, er steht für Heilung.

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Welches Motiv würdest du nie stechen?

Lorena: Die Namen von Freunden oder Freundinnen!

Wer oder was inspiriert dich?

Lorena: Aktuell viel in der visionären Kunst, Alex Grey ist meine größte Inspiration. Außerdem der Maler Agostino Arrivabene, die Comic-Bücher von Allan Moore und die Arbeiten meines Lieblingstätowierers Steve Moore.

Wenn ich heute keine Tattoo-Künstlerin wäre, wäre ich …

Lorena: ... eine Kräuterkennerin, Töpferin oder Ufologin. Oder ich würde meine eigene Naturkosmetik herstellen.

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Was war dein erstes und dein letztes Tattoo?

Lorena: Der Mann meiner Mom hat damals, als ich noch in Brasilien gelebt habe, tätowiert. Als ich 18 war, hat er mir zwei Totenköpfe und Sterne auf die Schultern gestochen. Mein letztes Tattoo ist ein kompletter Bodysuit von der Psyland 25 Crew.

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Und das Erste, das du je gestochen hast?

Lorena: Das war eine Kirsche samt süßem Schleifchen! Das Motiv habe ich einer wunderbaren Freundin in Wien gestochen. Ich werde nie vergessen, wie aufgeregt und gleichzeitig ängstlich ich war, als sie mir damals die Erlaubnis gegeben hat, sie zu tätowieren.

Kannst du uns auch ein Beispiel für eines deiner aktuellen Tattoos geben?

Lorena: Eines meiner letzten Tattoos ist von der Tarot-Karte "Der Stern" inspiriert. Das Motiv ist die Karte, um sie herum sind magische Pilze tätowiert, das Tattoo symbolisiert die Kraft unserer Intuition.

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Was ist das Schwierigste an deinem Job?

Lorena: Die Rückenschmerzen.

Hast du jemals etwas für das Tätowieren riskiert?

Lorena: Das habe ich und ich habe es nie bereut. Keinen einzigen Tag. Ich habe die Uni geschmissen und mich gleichzeitig dazu entschieden, nicht mit meinem damaligen Freund zurück nach Brasilien zu ziehen. Ich habe mich für das Tätowieren entschieden – und trotz der immensen Rückenschmerzen, die es mir eingebracht hat, bereue ich es nicht.

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Du lebst in Köln. Was hat dich in die Stadt gezogen?

Lorena: Es war einmal vor langer Zeit ... ein Exfreund. Er kam aus Köln, ich habe ihn kennengelernt, als ich in Barcelona gelebt habe. Ich habe nie geplant, hierher zu ziehen, es ist einfach passiert – und mittlerweile fühlt sich die Stadt wie mein Zuhause an. Ich liebe es, am Rhein entlang zu laufen, am Fluss ist wunderschön. Ehrenfeld mag ich besonders gerne, dort habe ich eine Zeit lang gewohnt, und es ist mein Lieblingsstadtteil geblieben.

Gibt es etwas, das dich an der Tattoo-Community nervt?

Lorena: Der ständige Wettbewerb, Tätowierer, die andere als “Nachmacher" beschimpfen, die Egos einiger Künstler. Aber das ist etwas, das wohl in jedem kreativen Umfeld und auch im Leben allgemein immer existiert. Menschen sollten sich gegenseitig viel mehr unterstützen und endlich mit dem ganzen Drama aufhören.

Was rätst du Leuten, die sich das erste Mal tätowieren lassen?

Lorena: Nimm dir Zeit, einen Tattoo-Künstler zu finden, dessen Arbeit wirklich zu dir spricht. Entscheide dich gut. Treffe die Entscheidung nicht überstürzt.

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Was machst du, wenn du nicht tätowierst?

Lorena: Ich liebe Malen! Ich male immer in meinem Atelier, mit Wasser- und Acrylfarben . Außerdem versuche ich, mehr Bücher zu lesen. Und ich gehe drei-, viermal die Woche ins Fitnessstudio, um meine Rückenschmerzen in den Griff zu bekommen. Ich würde gerne viel öfter in der Natur unterwegs sein, aber das Stadtleben und das viele Arbeiten macht das manchmal schwierig. Deshalb habe ich tonnenweise Pflanzen zuhause.

Was steht noch auf deiner Bucket-List?

Lorena: Ich will unbedingt die Pyramiden und den Machu Picchu sehen, nach Japan reisen und in eine Wüste. Ich habe den großen Traum, mal in einer Wüste zu sein.

Welchen Kollegen gibst du Props?

Lorena: Steve Moore und Heather Mcclean aus Kanada.

Wenn Ihr ein Tattoo bei Lorena anfragt, denkt bitte daran, ihr auf Englisch zu schreiben. Auch dieses Interview wurde auf Englisch geführt und wurde im Anschluss von unserer Autorin übersetzt.

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  • Quelle:
  • Noizz.de