Es gibt immer jemanden, der den ersten Schritt macht.

Oder den ersten Tag auf die noch unbefleckte, graue Wand sprüht. In der Arte-Mediathek gibt es jetzt eine 10-teilige Kurzserie über die Geschichte des Graffiti. Und die ist genauso cool und street, wie man sich das in seinen Teenieträumen immer vorgestellt hat.

Startet from the bottom, now we're here

Berüchtigt als das gefährlichste Ghetto in ganz New York. Geburtsstätte zahlreicher Rapper wie Fat Joe und French Montana. Der Ort, an dem der Hip-Hop, wie wir ihn kennen und lieben, seinen Ursprung hat: Willkommen in der Bronx!

1973 entsteht hier auch die Leidenschaft fürs Sprayen von Graffitti. Wer was von sich hält, wird ein sogenannter Writer und taggt seinen Namen und seine Message an die Wände in den schmutzigen Straßen des Stadtbezirks.

Die Lack-Pioniere

Sie nannten sich TATS CRU, LEE, FUTURA2000 und SKEME: die Writer der ersten Stunde. Sie schrieben sich mit Großbuchstaben, auf der Suche nach lauten Sätzen und bunten Farben in einer vermüllten Gegend voller Armut in den 70er Jahren.

In der Episode: „The Origins: 1975–1982“ erzählen die alten Hasen davon, wie alles begann.

Kulturrelle entdecken die Spraydose

Was passiert, wenn ein kultivierter Filmemacher aus der gehobenen Mittelklasse Anfang der Achtziger auf einen 15-jährigen Straßenjungen mit Spraydose trifft? Ein Klassiker entsteht! Zusammen drehen der Regisseur Charlie Ahearn und der junge Graffitkünstler LEE 1982 den Undergroundfilm „Wild Style!“.

Der Streifen ist ein Gamechanger für die bis dahin wenig respektierte Szene. In der Episode: „From New York To Europe – Wild Style ist born“ treffen die Macher die ungewollten Stars des Kultfilms und lassen sich erzählen, wie die Graffiti-Bewegung plötzlich rasant populär wurde.

Von der Straße in die Galerie

New York in den Achtzigern. Wo Passanten in der Metropole auch langlaufen, sehen sie Streetart und Sprüche an die Schächten der Metro, Brücken und Häuserfassaden gesprayt.

Künstler wie Keith Haring und der Maler Jean-Michel Basquiat versuchen, die Codes der Graffitikünstler zu verstehen. Sie eignen sich die Geheimsymbole für ihre Gemälde und ihre eigene Street Art an. Damit machen sie die „Straßenschmiereien“ salonfähig für Galerien. Die Episode: „From Downtown NY to Europe 1980–1981“ zeigt, wohin diese Aktion führt.

Auch Bands wie Blondie und The Clash entdeckten die Straßenkunst für ihre Bühnenshow und als Feature für ihre Songs und Musikvideos.

So schwappte die amerikanische Spraykultur rüber nach Europa.

Komm' mit mir nach Amsterdam

Amsterdam, heute die Stadt der grünen Coffeeshops und Fritten mit Hollandaisesauce, war Anfang der Achtziger der Schauplatz für die europäischen Anfänger mit ihren Spraydosen.

In der niederländsichen Hauptstadt am Hafen hatten die Sprayer aus den USA ihre erste eigene Ausstellung. In der Episode: „Amsterdam 1980–1982“ taucht auch der Name MICKY auf: die erste weibliche Sprüherin der Szene.

1983 hatten die Briten nicht mehr nur ihre Teatime, sondern auch ihre Spraytime. Graffiti kam nach Großbritannien. Die meisten Bewohner kannten die Street Art bis dahin nur aus Musikvideos auf MTV – wenn überhaupt.

Keine bemalten Züge, keine Farbe auf den Straßen von London bis Bristol. Der britische Writer PRIDE änderte das. Und der Writer Robert „3D“ brachte die dreidimensionalen Schriftzüge auf ein neues Level. Ihre Kunst entwickelte sich unter dem Einfluss der Szene-Style-Bibel „Subway Art“. Die Episode: „British Pioneers 1982–1986“ zeigt, wie.

Graffiti made in Germany

Die Straßenkunst kennt keine Grenzen mehr. In Deutschland haben Sprayer wie LOOMIT, NEON und STONE eine Lieblingsleinwand: die Züge der Deutschen Bahn.

Doch während heute anscheinend vor allem in Berlin die Züge beschmiert sind, startete die Szene damals nicht etwa in der Hauptstadt, sondern in München. Die Epsiode: „Germany 1983– 1986“ zeigt, was der Geltendorfer Zug für eine Rolle spielt und wie sich Graffiti schließlich in der BRD verbreitete.

Alle zehn Folgen der Dokumentation findet ihr übrigens hier:

„The Rise of the Graffiti Writing“

Quelle: Noizz.de