Prost! So viel Alk wird im deutschen TV getrunken

Sabine Winkler

Indie, Kaffee & Liebe
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Stößchen! So wie hier in „Sjopping Queen“ findet das ein oder andere Glas Sekt seinen Weg in die deutsche TV-Welt – sogar erschreckend häufig. Foto: Frank P. / RTL MG

In 6 von 10 Sendungen sieht man irgendwie Wein, Bier oder Schnaps.

Ja ja, wir hören schon unserer Eltern imaginär schimpfen: „Guck nicht so viel Fernsehen! Das färbt alles auf dich ab!“ Glaubt man mehreren einschlägig bekannten Medienpädagogen und Lerntheoretikern, ist da sehr wahrscheinlich auch ein bisschen dran. Aber „GZSZ“, „Berlin – Tag & Nacht“, „Bachelorette“ und Co. sind einfach zu verlockend, um sich das nicht doch zu geben.

Eine neue Studie der Universität Würzburg im Auftrag der Bundesdrogenbeauftragten und des Gesundheitsministeriums macht uns nun ein noch schlechteres Gewissen. Denn: Alkohol ist in fast 36 Prozent der Sendungen zumindest ein Gesprächsthema.

In 62 Prozent aller Sendungen ist er sogar in irgendeiner Form sichtbar – etwa in einer Bar, in Flaschen oder in Gläsern. Insgesamt ist Alkohol dabei den Daten zufolge in den privaten Sendern stärker präsent als in den öffentlich-rechtlichen.

Sind wir eine Gesellschaft mit einem Alkoholproblem?

Gut, die Omnipräsenz von Bier, Wein, Schnaps oder Sekt scheint wohl durchaus tolerierbar zu sein. Oder habt ihr euch schon mal darüber aufgeregt, dass irgendein Seriencharakter ein Bierchen mit Freunden trinkt? Oder dass bei „Shopping Queen“ immer mit einem Sektchen auf den Einkaufsbummel angestoßen wird?

Die Forscher haben die Studie zwar schon Ende 2017 aufgestellt, rückt aber erst jetzt durch die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler (CSU), in den Fokus der Öffentlichkeit. Untersucht wurde stichprobenartig das Fernsehprogramm der Sender ARD, ZDF, RTL, ProSieben, Sat1, Nitro und RTL II in der Woche vom 10. Bis 16. Juli 2017.

In die Beobachtung sind sowohl Informationsprogramme, Magazine, Soaps, Serien, Filme, Doku-Soaps, Gerichtsshows, Dokumentation, Sport und Kinderfernsehen eingeflossen – jeweils in der Zeit zwischen 13 und 22 Uhr. Insgesamt sind rund 378 Stunden Fernsehen zusammengekommen.

Getrunken wird Alkohol immerhin in 39,4 Prozent der untersuchten Sendungen. Dabei stellten die Wissenschaftler allerdings fest, dass in vielen Sendungen zwar davon auszugehen sei, dass jemand Alkohol konsumiert, der Moment des Trinkens aber nicht gezeigt wird. Wenn es um Alkohol im Fernsehen geht, dann dreht es sich am häufigsten um Bier, gefolgt von Wein und Sekt.

„Die Studie zeigt in erschreckender Weise auf, welche Präsenz Alkohol und Alkoholkonsum gerade im privaten Fernsehen haben“, sagte die Bundesdrogenbeauftragten Marlene Mortler den Zeitungen der Funke Mediengruppe. „Die Botschaft, die davon ausgeht, ist doch klar: Ohne Alkohol geht es nicht!“ Dieses Signal sei besorgniserregend.

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Aber in welchen Sendungen sieht man was?

Tja, wenn wir das mal so druchgehen: Homer Simpson ist eigentlich jeden Abend auf ProSieben in Moes Taverne. Und Penny in „The Big Bang Theory“ ist auch ein, sagen wir, latenter Fan von Wein. Aber nicht nur in fiktiven Serien, auch in Wissensbeiträgen über Restaurants, Bars oder Bierbrauer sieht man eben: Alkohol. Oder denken wir nur an „Inas Nacht“: Das Konzept dieser Sendung wäre ohne Alkohol nicht vorstellbar. Oder Kochsendungen. Das geht ja gar nicht ohne Wein.

Welche Sendung im deutschen TV jetzt aber am meisten alkoholische Exzesse zeigt, darüber gibt die Studie keine Auskunft. Fest steht aber, dass der Konsum nur sehr selten auch berwertet wird.

Die Präsenz von Tabak und Nikotin ist zwar geringer als die von Alkohol – jedoch treten auch diese legalen Drogen laut der Studie in fast jeder vierte TV-Sendung auf. Cannabis wird im TV dagegen sehr viel weniger geraucht, als es im echten Leben, passiert. Auch ein bisschen seltsam. Andere illegale Drogen sind dagegen selten Thema – tja, kommt eben kein „Breaking Bad“ in Dauerschleife im deutschen TV.

[Text: Zusammen mit dpa]

Quelle: Noizz.de

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