Junge Frauen feiern ihr Buch seit Wochen.

Das Buch der österreichischen Aktivistin, Unternehmerin und nun auch Politikerin Madeleine Alizadeh, bekannt als DariaDaria, wird seit Wochen vor allem von jungen Frauen gefeiert. Sie spricht dort wichtige Themen an wie Feminismus, Selbstfindung und Hindernisse, die einem immer wieder im Leben begegnen. In ihrem Buch gibt sie einen Einblick, wie sie damit umgeht, und was vor allem Frauen ändern können.

1. Wie viel Geld brauche ich wirklich, um zufrieden zu sein?

Für die Generation unserer Eltern ist die Arbeitswoche von Montag bis Freitag ganz normal. Mit 40 Stunden Arbeit pro Woche finanzierten sie sich Auto, Haus und Urlaub. Heute ist das anders: Wir nutzen Carsharing und können günstig reisen. Das bedeutet: Um einen guten Lebensstil zu führen, benötigen wir keine Gehaltsschecks im höheren fünfstelligen Bereich und können deshalb unser Arbeitspensum verringern. Statt dem BMW ist es dann halt das Rad, mit dem ich zum Yoga fahre. Dafür habe ich aber Zeit dies überhaupt zu tun, was mich wiederum zufriedener macht, als es der BMW je könnte.

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2. Möchte ich alles perfekt machen, fühle ich mich frustriert und gelähmt.

Wie Madeleine Alizadeh es ihrem Buch beschreibt, passiert das, weil wir uns in kleinen Details verlieren und das große Ganze aus den Augen verlieren. Versuche ich, alles perfekt umzusetzen, wird ein Projekt wohl nie fertig, denn zufrieden ist man mit der eigenen Leistung immer am wenigsten. Dann lieber öfter auf folgenden Spruch zurückgreifen: "Ich lass das jetzt so, besser wird es nicht mehr."

3. Du kannst dein Leben aktiv gestalten.

Wenn es dir nicht gefällt, dass dich deine Kollegen nicht wertschätzen oder dass dein Mitbewohner mal wieder vergessen hat, das Bad zu putzen, kannst du es ändern. Daria versteht das unter Selbstbestimmung. Nimmst du Dinge hin, weil du denkst, du kannst sie nicht ändern, resignierst du innerlich und schiebst die Schuld wem anders zu. Dabei kannst du selbst bestimmen, wie du dein Leben führst, vor allem auf einem so reichen und sicheren Kontinent wie in Europa. Das nächste Mal also nicht jammern, sondern den Mitbewohner eiskalt rausschmeißen.

4. Feminismus bezieht alle Frauen ein. Auch die, die mein T-Shirt nähen.

Daria schreibt: "Kann ich eine Feministin sein, wenn ich ein T-Shirt kaufe, das von einer Frau genäht wurde, die nicht dieselben Rechte hat wie ich?" Die Antwort: Nein, kann ich nicht. Es geht um abhängige Frauen, die in prekären Slums wohnen, genauso wie um kleine Mädchen, die nicht zur Schule gehen dürfen. Es reicht nicht, sich für einen Equal Pay Day auszusprechen, wenn es sich dabei hauptsächlich um westliche Länder handelt. Feministin zu sein, bedeutet, mehr Rückhalt, mehr Verständnis und mehr Toleranz gegenüber allen Frauen zu zeigen.

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5. Beruf und Berufung muss nicht dasselbe sein.

Menschen, die ihr Hobby zum Beruf gemacht haben, scheinen immer so verdammt glücklich zu sein. Aber manchmal muss man auch einsehen, dass das nicht immer so ist, zum Beispiel, weil man sich mit der eigenen Passion schlecht über Wasser halten kann oder man dem Druck nicht gewachsen ist. Wichtig ist, dass man sich auch mit den Schattenseiten beschäftigt, die ein Beruf mit sich bringt. Daria wollte immer Fotografin werden, wurde es letztendlich auch, merkte nach einiger Zeit aber, dass die Branche auf Dauer nichts für sie ist. Dennoch sagt sie, sie sei nicht gescheitert, sondern hat viel dazugelernt, indem sie herausfand, wie der Job in Wirklichkeit ist.

6. Mach nicht immer nur Kompromisse.

Dass man Konflikten aus dem Weg geht und zu allem Ja sagt, kann viele Gründe haben: Wir sehnen uns nach Liebe und Respekt, wir wollen dazugehören und niemanden vor den Kopf stoßen. In Darias Fall hieß das aber oft, dass sie ihre eigenen Bedürfnisse deshalb unterdrückt oder ihre ehrliche Meinung verschweigt. Dies wiederum führt dazu, dass die eigenen Wünsche und Bedürfnisse unerfüllt bleiben. Sind wir dagegen mutig und drücken unseren eigenen Willen aus, kann dies zu einem Erfolg führen. Wir werden mehr geschätzt, uns wird mehr zugetraut und wir führen bessere Beziehungen.

7. Auch Frauen dürfen wütend sein!

Wütende Männer werden oft als stark wahrgenommen, wütenden Frauen haftet dagegen immer noch das Stigma an, sie wären unzufrieden, undankbar oder einfach nur zickig. Dabei ist es wichtig, dass wir unserer Wut Luft machen und zeigen, dass wir Dinge nicht einfach so hinnehmen. Beim nächsten Mal also einfach auf den Tisch hauen und sagen "Nicht mit mir!".

8. Empfinde keine Scham, wenn du anders bist.

Wir kennen es alle: Aufgrund unseres Aussehens, unserer Meinung oder unserer Person fühlen wir uns fehl am Platz. Möglicherweise werden wir schief angesehen oder noch schlimmer: Es wird getuschelt. Daria kennt das aus einer Vielzahl von Situationen, zum Beispiel, wenn sie als einzige keinen Alkohol auf einer Party trinkt. In solchen Situationen heißt es aber: nicht einknicken, sondern gerade stehen! Fühlen wir uns in einer Menschengruppe anders, empfinden wir häufig Scham und können dem Druck nicht standhalten. Das sollten wir aber erst recht, um den eigenen Werten treu zu bleiben und Authentizität zu bewahren.

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9. Selbstverantwortlich zu leben, bedeutet nicht, keine Hilfe anzunehmen.

Du willst stark sein und allen zeigen, wie gut du allein zurecht kommst, merkst aber, dass es ohne Hilfe doch nicht geht? Dann steh dazu und bitte um Hilfe. Du wirst gewisse Probleme nicht lösen können, solange dein Stolz und Ego im Weg stehen. Auf der anderen Seite wird dich auch niemand verurteilen, wenn du nach etwas fragst, was du nicht wissen kannst oder was du allein nicht bewältigen kannst. Bevor du vor etwas zurückschreckst, weil du nicht weißt, wie es geht, strecke lieber den Arm aus und bitte jemanden, dir zu helfen.

10. Entschuldigen, aber richtig!

Wir können uns für unser Verhalten, unsere Reaktionen und Entscheidungen entschuldigen, niemals aber für unser Gegenüber. Sage ich etwas wie "Es tut mir Leid, dass du dich verletzt fühlst", impliziere ich, dass es nicht meine Schuld sei. Schon Kinder werden häufig dazu genötigt, sich für etwas zu entschuldigen, was sie nicht nachvollziehen können – und als Erwachsene entschuldigen wir uns dann für Dinge, weil es sich so gehört, nicht aber, weil wir unser eigenes Verhalten in Frage stellen. Und auch wenn wir uns entschuldigen, heißt das noch nicht, dass uns vergeben wird. Sollte dies Zeit benötigen oder gar nicht geschehen, ist das die Entscheidung des anderen, die wir akzeptieren müssen.

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Quelle: Noizz.de