So gewinnst du den Krieg ums WG-Zimmer

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Ready, steady, go! Foto: Tim Stief / unsplash.com

Mit diesen 6 Tipps erwischst du deine Traum-Bude!

Es ruckelt, ein harter Aufprall, es folgt das Grau der Landebahn: Ankunft in Berlin, Ziel Studium, Mission Wohnungssuche. Die Hürden für die Zulassung waren gemeistert, sodass sich Platz für die nächste Organisationsbarriere ergab: die Suche nach einem WG-Zimmer.

Berlin war schon 2016 längst nicht mehr Geheimtipp für günstige Wohnungen. Mittlerweile liegt die Hauptstadt auf Platz vier der teuersten Mieten deutschlandweit: direkt hinter München, Frankfurt und Hamburg.

Eine Woche plante ich für die intensive Wohnungssuche ein. Als ich mich während meines Aufenthaltes mit Bekannten über diese Zeitspanne unterhielt, wurde mir mit einem wenig zuversichtlichen Lächeln Glück gewünscht.

Erst im Nachhinein erfuhr ich, dass einige Studenten in Berlin über Monate eine Unterkunft suchen und die Nächte in Autos oder bei Freunden verbrachten. Einfach "Drauflossuchen" ist da nicht drin – doch mit ein paar Regeln soll die WG-Jagd funktionieren:

1. Mach dir Gedanken, was genau du suchst

  • In welcher Preisspanne soll dein Zimmer liegen? Ein Blick auf WG-Gesucht hilft, damit die eigene Einschätzung nicht jenseits der Realität liegt
  • Wie groß soll das Zimmer sein?
  • Wie weit darf das Zimmer von Uni und Stadtkern entfernt liegen?
  • Suchst du eine rauchende oder nichtrauchende WG?
  • Bist du bereit, zur Zwischenmiete einzuziehen?

2. Wähl die richtigen Angebote aus

Poste bei Facebook eine Anzeige, in der du fragst, ob jemand jemanden kennt, der noch Platz in seiner WG in der Stadt X hat. Klingt komischt, ergibt aber Sinn. Denn auch hier gilt die Regel: Wer nicht wagt, der nicht gewinnt!

Danach geht es an die Suchportale. WG-Gesucht ist zurzeit die meistgenutzte Website. Hier kannst du eine eigene Suchanzeige erstellen, doch die höchste Chance habt ihr bei neugeschalteten Anzeigen von WGs. Sofern eine Telefonnummer vorhanden ist, ruf direkt an. Wer sich zuerst meldet, hat die besten Chancen!

Auf WG-Gesucht wurden mir einige schöne Zimmer vorgestellt. Leider musste ich die WGs kontaktieren. Gerne hätte ich mich in der Formulierung kurz und knapp gehalten: „Hallo, das Zimmer gefällt mir gut, wann kann ich zu einer Besichtigung kommen?”. Doch wer es bei akutem Wohnraummangel so versucht, für den liegt die Rückmeldequote bei null!

3. Mach dir Arbeit bei der Kontaktaufnahme

Lies dir die Anzeigen der WGs genau durch. Am Ende steht oft so etwas wie „Gib im Betreff das Wort X an – dann wissen wir, dass du die Anzeige gelesen hast.” Gerade unter dem Punkt „Sonstiges“ stehen wichtige Dinge, die du nicht überlesen solltest. Der Klassiker: Leider hat unsere WG momentan kein heißes Wasser.

Wenn die WG ihre Anzeige ausführlich beschrieben hat, kannst du davon ausgehen, dass sie auch einen langen Text von dir erwartet. Greife Punkte aus der Beschreibung in deinem eigenen Text auf.

Ein bisschen Arbeit kannst du dir ersparen, indem du einen Text vorformulierst, den du nur noch an die jeweilige Anzeige anpassen musst. Besonders kreative oder individuelle Texte sind natürlich am besten, da sie aus der Masse herausstechen. Dennoch sollte der Text immer natürlich klingen, sodass in den meisten Fällen ein normaler Text über dich und deine Vorstellungen die bessere Wahl ist.

4. Behalte den Überblick und sei pünktlich!

Wenn du die ersten Rückmeldungen erhältst, mach dir unbedingt eine Liste, in der du dir alle Besichtigungstermine mit Adresse und Namen vermerkst. Komm auf jeden Fall pünktlich zu einer Besichtigung, sonst hat die WG schon vor dem persönlichen Kennenlernen einen Grund sich für jemanden anderen zu entscheiden.

Ein weiterer Tipp: Überleg dir vor jeder Besichtigung zwei bis drei Fragen, die du der WG am Ende des Castings stellen willst.

Mit zitternden Beinen stand ich nun vor der schweren Tür eines Altbaus inmitten von Berlin. Wenige Treppenstufen trennten mich von meinem potentiellen Zimmer. Mein Zeigefinger berührte den Klingelknopf. Hoffentlich bin ich richtig gekleidet. Sehe ich zu nervös aus? Werden mir Gesprächsthemen einfallen?

Ein Geräusch aus der Freisprechanlage befreite mich von meinem unermüdlichen Fragenkatalog. Auf den Treppenstufen fiel mir plötzlich ein, dass ich mit leeren Händen vor der unbekannten WG stehen werde.

5. Bring ruhig etwas mit – aber bloß nicht deinen Partner!

Regel Nummer eins: Deine Wunsch-WG will DICH kennenlernen – und nicht deinen Partner! Andere sympathische Mitbringsel sind aber herzlich willkommen. Bestechungs-Angebote solltest du trotzdem lieber zu Hause lassen.

Kleine Überraschungen funktionieren vor allem dann, wenn du sie in einem Nebensatz mit einer Begründung überreichst: „Draußen war es so heiß, da dachte ich, ich bringe ein bisschen Eis mit.“

Außer Eis eignen sich auch Muffins, die du eh nicht alle alleine essen konntest, oder für die weniger aufwendige Variante Schokolade, die du noch in deiner Tasche hattest und beim Gespräch zufällig anbietest. Bier ist eine weitere beliebte Option, doch da sollte man mit der Absicht etwas vorsichtiger sein.

Ein Mitbringsel sagt immer auch etwas über dich persönlich aus.

Bevorzugt die WG ein partyfernes Studentenleben (selten bis nie), oder ist in der Klausurenphase, ist das Bier fehl am Platz.

Die WG sah provisorisch aus, zusammengewürfelt, wie eine Wohnung, die schon viele Bewohner kennenlernte und von jedem ein Stück Persönlichkeit bewahrte. Einer der Bewohner führte mich in einen Raum, der die Form eines halben Sterns hatte.

Das Pulp-Fiction-Plakat an den Wänden belächelte das Sofa an der schräg gegenüberliegenden Wand. Die Küche machte einen ordentlichen Eindruck, auch wenn die Definition von blitzblank sicherlich eine andere ist. Dennoch, ich fühlte mich wohl.

6. Das solltest du unbedingt sagen und fragen

Der erste Eindruck einer Wohnung ist der wichtigste. Sofern du dir vorstellen könntest, die WG zu beziehen, solltest du dich bemühen irgendwie sympathisch zu wirken. Ein offenes Lächeln, zuhören und an dritter Stelle etwas über dich erzählen ergeben den Dreiklang einer erfolgreichen Konversation.

Sofern du Dinge wie eine Kaffeemaschine, ein Auto oder einen Werkzeugkasten besitzt, erwähne das ruhig. Materielle Werte sind auch Argumente, auch wenn das Persönliche wesentlich mehr Einfluss hat.

Was den Gesprächsinhalt betrifft, sind Fragen zum WG-Zusammenleben (gemeinsame Abende, Hobbys, Putzplan oder Dinge, die man in der Stadt unternehmen kann) immer besser geeignet, als zur Fragen zur WG an sich (Preis, Größe und Co.).

Falls du gefragt wirst, ob du noch andere WGs in Aussicht hast, sage am besten so etwas wie: „Ja, aber in eure WG würde ich definitiv am liebsten einziehen.“

Zum Glück lief das Gespräch sehr entspannt. Mit einem „Vielen Dank, ich finde es wirklich sehr nett bei euch!“ verabschiedete ich mich. Am nächsten Tag klingelte mein Handy. Meinem Umzug in eine neue Stadt stand nichts mehr im Wege.

Quelle: Noizz.de

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