Apjar Black macht auch Verona Pooth, Charlotte Würdig und Kim Gloss die Haare schön.

Den richtigen Friseur zu finden ist noch schwerer als den richtigen Partner zu finden. Das weiß auch mein Kollege Till Böttcher, der vor Kurzem den Text "Warum ich Friseure aus tiefstem Herzen hasse" geschrieben hat. Anscheinend kommt kein Friseur seinen Wünschen entgegen: Statt die Konturen geschnitten zu bekommen, bekommt er jedes Mal ein komplettes Make-over, mit dem er am Ende nicht zufrieden ist.

Doch woran erkennt man einen guten Friseur? Welche Erwartungen darf ein Kunde haben?

Um all diesen existenziellen Fragen auf den Grund zu gehen, haben wir beim Promi-Stylisten Apjar Black nachgefragt. Der Hairstylist hat einen (vollklimatisierten) Salon am Kurfürstendamm in Berlin-Charlottenburg, wo vier Angestellte für ihn tätig sind. Zu seinen berühmteren Kunden gehören Shirin David, Verona Pooth und Charlotte Würdig. Auch Herren verpasst Apjar Black den passenden Look. Jeder ist bei ihm willkommen. "Jeder ist bei mir ein Star", erklärt er.

Apjar Black Foto: Privat: Apjar Black

Wie findet man den richtigen Friseur?

Apjar Black macht es sich erst einmal auf der schwarzen Couch in seinem Salon bequem, nippt am Glasstrohhalm und fängt an zu erzählen: "Du kannst auf deine beste Freundin hören und dir einen Friseur empfehlen lassen und am Ende immer noch enttäuscht werden. Es kommt auf deine Erwartungen an. Viele denken, dass wir Zauberer sind." Das seien sie aber eben nicht. Ein Friseur kann aus einer Hildegard Müller keine Jennifer Aniston machen. Er sehe sich viel mehr als Künstler. Auf Highend-Level natürlich.

Tills Text hat Apjar gelesen. Auf Social Media gab es Backlash, einige Friseure fühlten sich angegriffen. Apjar hingegen kann den Frust vieler Kunden, damit auch Tills Frust, verstehen. Er sehe die Situation 50/50, denn "in der heutigen Zeit ist es auch sehr schwer, einen Stylisten zu finden, der dich versteht. Friseure haben heute viel Druck. Da ist der Arbeitgeber, der einem im Nacken sitzt." Denn der Umsatz müsse stimmen. Das nimmt den meisten Friseuren 50 Prozent ihrer Möglichkeiten im Voraus weg. "Es gibt etwas günstigere Friseure, bei denen es wie am Fließband abläuft. Ich möchte niemanden verurteilen. Aber du gehst dort rein, ziehst eine Nummer, bekommst höchstens noch eine Zeitschrift und wirst im Akkord abgefertigt."

Bei Apjar ist das anders. Apjar hat sich ein anderes Geschäftsmodell überlegt – mit Champagner. Bei Apjar Black gibt es Champagner. "Möchtest du Champagner?", fragt er mit einem Lachen. Ganz klar, hier wird nicht für 17 Euro geschnitten. Der Kunde ist keine Nummer. Es ginge um etwas anderes, um Emotionen! "Ich arbeite sehr viel mit dem Gefühl. Niemand bekommt bei mir einen Termin, der nicht zur Beratung da war. Wer bei mir einen Termin möchte, der muss ein oder zwei Wochen zuvor zu mir kommen." Apjar setzt sich mit dem Kunden zusammen, versucht ihn zu verstehen und zu optimieren. Inklusive Champus.

Hand aufs Herz: Wie ist es denn mit Friseuren, die so gar nicht auf den Kunden eingehen? "Natürlich berücksichtige ich zu 50 Prozent dein Ich. Die anderen 50 Prozent sind jedoch meine künstlerische Auffassung und meine Empathie." Es gebe aber eben auch die Friseure, die einfach machen, was sie wollen. Ihren Kopf durchsetzen. Bei guten Friseuren sollte so etwas nicht passieren. Apjar behandle zum Beispiel jeden Kunden gleich. Egal, ob Mann, Frau, Promi …

Um diesem Motto treu zu bleiben, dreht Apjar seinen Kunden nichts an, was sie nicht brauchen. "Wenn ein Kunde keine Haarverdichtung oder -verlängerung braucht, dann verkaufe ich diese auch nicht, nur damit die Kasse klingelt. Ich verkaufe hier keine Produkte, die der Kunde nicht braucht. Ehrlichkeit fehlt in unserem Beruf."

Tja, die Ehrlichkeit. Davon hat Till in seinem Text ebenfalls berichtet. Er wollte nur die Konturen geschnitten bekommen, für sieben Euro. Am Ende schnippelte der Friseur einfach mehr ab und verlangte am Ende auch zehn Euro mehr. Was sagt Apjar dazu? "Wenn ein Friseur dann doch mehr schneidet, um am Ende, statt nur die Kontur abzurechnen, auf einmal einen ganzen Schnitt berechnet, ist das leider Low Class."

Daraus schließen wir: Ein guter Friseur nimmt nicht gleich mehr Geld, nur weil er ein paar Zentimeter mehr abschneidet.

Apjar rät allen Kunden, die unzufrieden sind, erst einmal einen Salon zu suchen, über den gut geredet wird. Natürlich kann nicht jeder zufriedengestellt werden, ein Risiko geht man immer ein. In der Regel könne man sich aber auf Empfehlungen verlassen. "Wenn ich Design haben möchte, einen Schnitt, der meiner Kopfform entspricht, mir stehen soll, dann muss ich mir etwas Angemessenes suchen. Wenn man oft enttäuscht wurde, dann muss man etwas Neues ausprobieren und nicht wieder in eine Ecke gehen, wo es zuvor nicht gepasst hat."

Von Friseuren, wo eine Nummer gezogen werden muss, rät er ab. Dort erhält man in der Regel keinen individuellen Schnitt. Der Stylist hat meist nicht die Zeit, sich auf den Kunden einzulassen.

Aber: Teuer heißt nicht gleich gut. "Ein Herrenhaarschnitt fängt bei mir bei 45 Euro an. Darin enthalten ist auch die Augenbrauenbehandlung und die Kontur des Barts. Viele meiner Kunden waren bei weitaus teureren Friseuren und sitzen dann bei mir und reklamieren."

Hier die Check-Liste, bevor du das nächste Mal zum Friseur gehst:

  1. Du kannst dich auf Empfehlungen verlassen. Welcher deiner Freunde schwärmt von seinem Friseur und sieht dazu noch richtig gut auf dem Kopf aus?
  2. Der Preis ist nicht soooo wichtig.
  3. Lass dir einen Termin geben, du bist nicht nur irgendeine Nummer.
  4. Ein guter Friseur berät dich vor dem Schnitt und versucht zu verstehen, was du möchtest und gibt dir Feedback und Ratschläge.
  5. Die eigene Frisur und das Outfit des Friseurs haben selten etwas mit seinen Fähigkeiten zu tun. "Ich möchte meiner Kundin nicht die Show stehlen, auf keinen Fall", erklärt Apjar, der ganz in Schwarz gekleidet mit Mütze bei 38 Grad Außentemperatur in seinem Salon sitzt.
  6. Falls der Friseur den Schnitt versaut hat, sag ihm das. "Allein schon, damit er nicht glaubt, dass er alles richtig gemacht hat. Außerdem beweist du Stärke damit", erklärt Apjar. "Das passiert meist aber nicht, wenn zuvor eine Beratung stattgefunden hat. Du vertraust auch nicht jedem dein Portmonee oder deine Schlüssel an."

Übrigens, Friseure schauen sich ihre Kunden auch ganz genau an. Apjar unterteilt zwischen verschiedenen Klienten:

  1. "Manche Menschen möchten nur die Haare geschnitten bekommen. Wenn es etwas zu kurz ist, ist es denen recht egal – im Gegensatz zu Till. Dann kommen sie halt drei Wochen länger nicht."
  2. "Andere Kunden haben sich noch nicht gefunden und suchen den perfekten Look für sich. Die gehen mit einer Erwartung der Veränderung zum Friseur. Sie möchten optimiert werden."
  3. "Dann gibt es die Kunden, denen ist alles egal. Die wollen einfach nur entspannen. Wellness, wie vor einem Monat."

Und wenn der Kunde schwierig ist – wie soll dann ein Friseur reagieren?

"Wenn der Kunde von vornherein sagt, dass er noch nie zufrieden war, dann werde ich das wahrscheinlich auch nicht schaffen. In solchen Fällen wahre ich lieber meinen Ruf und sage dann auch mal, dass ich mir eine Zusammenarbeit nicht vorstellen kann und nicht der richtige Friseur für den Kunden bin. Das ist absolut okay."

Und Till? Der wird sich jetzt einen neuen Friseur suchen. Denn den gleichen Fehler begeht man nicht zweimal. Das wäre laut Einsteins Definition Wahnsinn. Hey Till, falls du einen guten Friseur brauchst, ich kann dir da jemanden empfehlen!

Folge Sebastian auf Instagram und NOIZZ auf Facebook und Instagram.

Quelle: Noizz.de