Selbst wenn ich dabei an meinen Ex denke!

Unsere Autorin Julie Schmidt schreibt in „SEX VOR NEUN“ über Themen, die die Welt bewegen: Orgasmen, Masturbation, Penisse und Co. Sex ist wichtig und völlig normal. Ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen, erklärt sie, was sie über Sex denkt und fühlt und plaudert ein paar ihrer schönsten und schlechtesten Sex-Geschichten aus.

Die Nummer mit mir selbst

Ich bin ein sehr launischer Mensch. Ich kann da wirklich nichts für, aber wenn ich den Raum betrete, merken meine Mitmenschen schnell, ob ich gut oder schlecht drauf bin. Inzwischen mache ich mir auch nicht mehr die Mühe, meinen Kollegen, Freunden, ja sogar meinem Boss irgendwas vorzuspielen, weil ich weiß, dass es sowieso nicht klappt.

[Mehr dazu: Er nannte mich seine „kleine Schlampe“]

Allerdings habe ich inzwischen eine gute Methode gefunden, um möglichst selten schlechte Laune zu haben: Ich vögele sie mir einfach weg. Gerne mit einem Partner, aber noch lieber mit mir selbst! Wenn ich gute Laune habe, masturbiere ich ... Wenn ich schlechte Laune habe, masturbiere ich ... Und wenn mir langweilig ist, dann auch. Meistens geht es mir danach besser.

Meine Kollegin wollte wissen, warum ich so gute Laune hatte

Erst vor kurzem hat mich eine Arbeitskollegin morgens gefragt: „Warum hast du denn so gute Laune?“ Es war Montagmorgen, draußen goss es wie aus Eimern und ich trällerte trotzdem einen Britney Spears Song vor mich hin. Ich hab sie angesehen, mit den Schultern gezuckt und gesagt: „Ich hab heute Morgen masturbiert.“

Ihr Blick sprach Bände: Irgendwas zwischen „too much Information“ und Belustigung. Es gibt nicht viele Menschen, die über (Solo-)Sex so offen sprechen wie ich. Für mich ist das wie ein unverfänglicher Plausch über das Wetter. Denn im Grunde genommen, tun wir es doch alle ... und wer es nicht tut, der sollte schleunigst damit anfangen! Eine gute Nummer mit sich selbst, kann einem den Tag retten, selbst wenn man nachts von seinem Ex träumt ...

Hinterlistig schlich sich mein Ex in mein Unterbewusstsein

An diesem Morgen wachte ich mit furchtbar schlechter Laune auf. Der Traum aus der Nacht hing mir noch in den Knochen: Irgendwas mit meinem Ex und seiner neuen Freundin. Zu allem Überfluss hörte ich schon, bevor ich die Augen geöffnet hatte, dicke Regentropfen gegen mein Fenster prasseln. Na, so fängt die Woche ja gut an. Meine Laune war jetzt schon im Keller, obwohl ich noch keine drei Minuten wach war. Der Blick auf die Uhr verriet mir allerdings, dass ich noch etwas Zeit hatte, um einfach liegen zu bleiben.

Also griff ich zu meinem Lieblingsvibrator, der eigentlich immer griffbereit neben meinem Bett liegt und in Wirklichkeit gar kein Vibrator ist. Es handelt sich vielmehr um ein Gerät, das sich an der Klitoris festsaugt und verdammt guten Oralsex imitiert!

Ich gab dem Montag also nochmal eine Chance, schloss meine Augen, fuhr mit meinen Fingerspitzen über meinen Bauch und zog die Konturen meiner Brüste nach. So sehr ich auf harten Sex stehe, so sehr machen mich auch kaum spürbare Berührungen völlig verrückt.

Es dauerte nur wenige Sekunden bis meine Gedanken anfingen zu wandern. Wie schon in der Nacht schlich sich mein Ex wieder hinterlistig in mein Bewusstsein. Ich hatte jetzt zwei Möglichkeiten: Entweder konnte ich ihn jetzt mal wieder für seinen Gedankenterror verfluchen oder mir einfach einen auf unseren Sex runterholen. Ich entschied mich für Letzteres.

Vor meinem inneren Auge sah ich plötzlich eine Szene, in der er mich gepackt und aufs Bett gedrückt hatte. Seine Hände hielten meine Handgelenke, während er zwischen meine Beine rutschte und mit der Zunge über meinen Schritt fuhr. Meine Hände griffen in seine vollen Haare und mein Körper bäumte sich auf.

Ich tauchte in diese Szene ab, durchlebte das Gefühl noch einmal, konnte zwischen meinen Händen für ein paar Sekunden sogar seine Haare spüren, obwohl darin eigentlich gerade der Vibrator lag. Für ein paar Minuten genoss ich einfach das Kribbeln zwischen meinen Beinen, die Erinnerungen an den guten Sex mit meinem Ex und konnte dabei sogar vergessen, wie sehr mir der Traum mit ihm zugesetzt hatte.

Meistens dauert es nicht lange bis ich beim Solosex zum Orgasmus komme: Vielleicht sieben oder zehn Minuten. Je mehr ich mich der Fantasie hingebe, desto schneller bin ich an dem Punkt, an dem ich alleine mit geschlossenen Augen im Bett liege und mich ebenso aufbäume, wie beim Oralsex mit meinem Ex. Dann folgt dieses angenehme Kribbeln, das Zittern meiner Beine und zum Abschluss ein lautes Seufzen.

Nach dem Solosex hatte ich bessere Laune

Auch an diesem besagten Montag funktionierte die Nummer mit mir selbst: Erst das Kribbeln, dann das Zittern und letztendlich das Seufzen. Mit schnell schlagendem Herzen schaltete ich den Vibrator aus und genoss noch für ein paar Sekunden die Nachwirkungen dieses angenehmen Gefühls der absoluten Unbeschwertheit.

Als ich nach dem Solosex die Augen öffnete, fühlte es sich an, als wäre ich ein zweites Mal aufgewacht. Und auf einmal fand ich die Regentropfen draußen gar nicht mehr so deprimierend. Mein Ex war auch nicht mehr der blöde Penner, der mir das Herz rausgerissen, sondern der Typ, der es mir damals immer ziemlich gut besorgt hatte. Und ich? Ich war nicht mehr die schlechtgelaunte Julie, sondern die Julie, die auf der Arbeit Britney Spears Songs singt.

Noch mehr „SEX VOR NEUN“

Folge 1: So beschissen war der Autosex vor einem Berliner Club

Folge 2: Er nannte mich seine „kleine Schlampe“

Folge 3: Er sagte, dass er mich heute nicht vögeln würde

Folge 4: Er machte Fotos von mir, während ich nackt auf ihm saß

Folge 5: Ich hatte Sex mit ihm, obwohl ich seinen Kumpel wollte

Folge 6: Wenn ich morgens masturbiere, habe ich bessere Laune

Quelle: Noizz.de