Meine Nase und meine Vagina sind BFFs

Unsere Autorin Julie Schmidt schreibt in „SEX VOR NEUN“ über Themen, die die Welt bewegen: Orgasmen, Masturbation und Penisse. Ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen, erklärt sie, was sie über Sex denkt und fühlt und plaudert ein paar Bett-Geschichten aus.

Ich bin eigentlich nicht so leicht aus der Bahn zu werfen. Ich bin gebildet, weltoffen, stehe mit beiden Beinen im Leben und bin eigentlich auch ziemlich souverän. Es sei denn, es betritt jemand den Raum, der einfach unfassbar gut riecht. Dann gibt's einen Gehirnstromkurzschluss und zack ist all meine Souveränität dahin, weil sich meine Gedanken nur noch um eins drehen ... Sex!

Dabei ist es mir egal, ob ich mich gerade mit meinem Lover im Bett, auf der Tanzfläche in irgendeinem Club, im Büro oder in der Bahn befinde, wenn sich ein gewisser Duft in meine Nase verirrt, werde ich auf der Stelle zum unbändigen Raubtier.

Jeder Mann, mit dem ich bisher gevögelt habe, hat in meinem Kopf einen ganz bestimmten Geruch hinterlassen, der mich auf der Stelle völlig aus dem Konzept bringt, sobald er mir zufällig in die Nase steigt. Das hat seine Vor- und Nachteile ... Tino roch männlich mit einer kleinen Note Knoblauch ... Nicht die Art von abtörnendem „Der Morgen danach“-Knoblauch, sondern eher die „Frisch gebackenes Knoblauchbrot aus dem Ofen“-Variante. Gott sei Dank begegnet mir dieser Duft nur bei guten Italienern und da treiben sich ja glücklicher Weise ein haufen Tinos rum.

Marlon roch ein wenig nach Minze, nach Zigarettenrauch, nach Abenteuer und vor allem nach Nachtluft ... Das Problem ist, dass ich jedes Mal, wenn ich heute nachts auf die Straße gehe, einen halb-feuchten Schlüppi habe.

Ich finde es erstaunlich, wie heftig manche Gerüche sich auf mich auswirken. Erst vor Kurzem bin ich durch die Stadt gezogen und habe mich in einer Parfümerie durch neue Düfte geschnuppert, als mir einer in die Hände fiel, den ich vor ein paar Jahren schon mal in meinem Badezimmer stehen hatte. Ich kam nicht drum herum, ihn mir auf mein Handgelenk zu sprühen und daran zu riechen: BAM! Es traf mich wie ein Holzhammer mitten in der Bauchregion.

Vor meinem inneren Auge sah ich dunkle Haare und stechend blaue Augen – Leon. Er hatte mich damals vollkommen umgehauen und mein Herz und meine Vagina im Sturm erobert. Ich sah uns beide, wie wir gemeinsam eine Zigarette rauchten, anschließend in einen Aufzug stiegen. Sobald die Türen sich geschlossen hatten, drückte er mich gegen die Wand und fuhr mit seinen Händen über meine Strumpfhose nach oben bis zwischen meine Beine...

Dieser Flashback dauerte nur wenige Sekunden, sorgte allerdings dafür, dass ich einige weitere Sekunden brauchte, um zu verstehen, dass ich gerade nicht mit Leon in dem Aufzug eine heiße Nummer schob, sondern alleine in der Parfümerie stand. Der Geruch und meine Fantasie machten mich in dem Moment trotzdem so unfassbar heiß, dass ich das Parfüm zurückstellte und nach Hause fuhr, um mir auf diese Vorstellung einen runter zu holen.  

Wenn ich darüber nachdenke, finde ich es irgendwie lustig, dass unsere Nase und unsere Vagina anscheinend eine direkte Verbindung zueinander haben. Als wären die beiden Körperteile beste Freundinnen, die eine merkwürdige telepathische Verbindung zueinander haben: Die eine weiß immer, was der anderen besonders gut tut. Wissenschaftler haben in mehreren Studien rausgefunden, dass wir unseren potenziellen Partner gut riechen können müssen.

Bei Laurenz und mir hat das nie gestimmt: Er war zwar mein Traummann auf dem Papier, aber meine Nase streikte und sorgte letztendlich dafür, dass meine Vagina es im entsprechenden Moment auch tat.

Wahrscheinlich lag es daran, dass er ein bestimmtes Parfüm nicht in seinem Badezimmer stehen hatte. Denn das ist die Geheimwaffe, mit der mich Männer auf der Stelle in die Kiste kriegen können. Es riecht nach einer Mischung aus einem Spritzer Grapefruit, roter Orange, Minze, Rose und einer Priese Zimt ... oder kurz: One Million by Paco Rabanne.

Und das ist das Fatale daran: Denn wie meine Nase in der Vergangenheit leider schon häufig feststellen musste, sorgt dieser Lieblingsduft regelmäßig für eine depressive Vagina. Ich weiß, dass dieses Parfüm inzwischen auch liebevoll Assi-Diesel genannt wird, weil es ungefähr jeder 12 bis 25-Jährige in seinem Badezimmer stehen hat, vor allem die besonders prolligen Exemplare. Immerhin sind meine Körperteil-BFFs nicht allzu anspruchsvoll und manchmal läuft ja auch ein Typ mit dem Duft rum, von dem ich mir gerne mein feuchtes Höschen ausziehen lasse, weil er so verdammt gut riecht.

Übrigens: Wenn du mir Fragen zum Thema Sex stellen willst, kannst du das jederzeit machen – und zwar komplett anonym! Schreib mir dazu einfach eine Message auf Tellonym. Die besten Fragen beantworte ich nächste Woche auf NOIZZ!

Quelle: Noizz.de