Warum ich manchmal auch schlechten Sex feiere!

Unsere Autorin Julie Schmidt schreibt in „SEX VOR NEUN“ über Themen, die die Welt bewegen: Orgasmen, Masturbation, Penisse und Co. Sex ist wichtig und völlig normal. Ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen, erklärt sie, was sie über Sex denkt und fühlt und plaudert ein paar ihrer schönsten und schlechtesten Sex-Geschichten aus.

Die Nummer mit dem Fotografen

Ich habe eine Sex-Wunschliste. Es gibt einfach Situationen und Fantasien, die ich gerne mal erleben möchte. Ein One-Night-Stand in der Hauptstadt gehört definitiv dazu. Den Punkt konnte ich schon bei einem typischen Touri-Trip mit meiner Mädelsclique streichen, lange vor ich tatsächlich nach Berlin gezogen bin. Damals habe ich noch in einer kleinen Vorstadt gewohnt und war ganz heiß auf die Hauptstadt und ihre schmutzigen Geschichten.

Also hübsch gemacht, rein in den Club und im Berliner Nachtleben mal austesten, was so geht. Ich weiß gar nicht mehr, ob ich damals mit dem Vorsatz losgegangen bin, mir einen Typen aufzureißen, aber ausschließen kann ich das ehrlich gesagt nicht.

[Mehr dazu: Ich hatte Sex mit ihm, obwohl ich seinen Kumpel wollte]

Tja, und dann war da eben dieser Mann. Mit seinen dunklen Haaren und den blauen Augen hat er mich an eine ältere Version meiner ersten großen Liebe erinnert. Mit dem schlechtesten Anmachspruch aller Zeiten kam er auf mich zu: „Hey, darf ich ein Foto von dir machen?“ Ich nickte bereitwillig – ein neues Foto fürs Facebook-Profil – check! Okay, damals wusste ich noch nicht, dass bei den echten Berliner Partys strenges Handyverbot herrscht.

Die Vorstadtmädchen und der Fotograf

Nach einem Longdrink hatte ich bereits erfahren, dass er Fotograf und knapp 10 Jahre älter als ich war. Dass er meine Freundinnen sofort als Vorstadtkids enttarnt hatte und mich fragte, wie ich mit solchen Mädels befreundet sein könnte, hätte mich heute wahrscheinlich auf der Stelle kehrt machen lassen ... Don’t fuck with ma girls! Damals schmeichelte es mir aber eher. Ich meine: Da steht die kleine Vorstadtprinzessin irgendwo in BERLIN und wird auch noch vom dem FOTOGRAFEN angequatscht – Egobooster des Jahrhunderts!

Das war auch der Grund, weshalb ich bereitwillig mitging, als er „frische Luft“ schnappen wollte. Keine drei Sekunden später hatte er auch schon seine Lippen auf meine gedrückt und ich dachte nur: Oh mein Gott, NEIN! Denn eins konnte der coole Berliner nicht: Küssen! Trotzdem hielt mich das nicht davon ab, mit ihm zum Auto zu gehen.

Da standen wir also vor seiner scheißekleinen Mercedes A-Klasse. Und er wirkte ein bisschen unsicher.  Als er zur Fahrerseite ging, riss ich nur die Tür zur Rückbank auf. „Wie? Hier?“, fragte er perplex. Wäre mein Ego ein Penis gewesen, hätte ich in diesem Moment einen riesen Ständer bekommen.  Jetzt musste ICH diesem Berliner Typen auch noch zeigen, wie man echte Sexabenteuer erlebt? Ich glaube ich hab mich noch nie so cool gefühlt!

Zum Ausziehen blieb keine Zeit mehr

Also ab auf die Rückbank – ganz schön eng. Mein Oberteil flog relativ schnell in den Fußraum, um BH und Socken auszuziehen, blieb keine Zeit mehr. Er riss sich sein schwarzes Shirt vom Hals und zog gleichzeitig Hose und Boxershorts runter und dann ging es los. Mein erster Gedanke: Dafür dass er so ein kleines Auto fährt, hat er aber einen ganz schön großen Schwanz.

Viel mehr positives gibt es über diese "super heiße" Nummer im Auto dann aber leider auch nicht zu sagen. Es war mehr so der Typ Waschlappen-Sex. Seine Küsse waren etwas zu feucht, seine Berührungen etwas zu seicht, seine Stöße definitiv zu lasch und so richtig wegputzen konnte der Waschlappen mich auch nicht. Und dazu dauerte es auch noch EWIGKEITEN! Während er noch nach einem Orgasmus suchte, zählte ich die Cola-Spritzer an der Decke. Abbrechen wollte ich es aber immer noch nicht.

Warum?

Weil ich schon nach dem ersten Kuss wusste, dass ich an dem Abend niemals mit einem Mega-Orgasmus nach Hause gehen würde. In solchen Momenten wägt man als Frau ab: Ist der Sex a) so schlecht, dass man ihn sofort beenden will oder lässt man b) Gnade walten, damit wenigstens einer kommt und der andere eine gute Story über beschissenen Sex hat.

Ich habe mich für b) entschieden, weil ich finde, dass man unter bestimmten Umständen auch beschissenen Sex feiern kann. Auch wenn ich nach 34 Cola-Flecken dann doch gesagt habe: „Ich glaube, es reicht!“

Noch mehr „SEX VOR NEUN“

Folge 1: So beschissen war der Autosex vor einem Berliner Club

Folge 2: Er nannte mich seine „kleine Schlampe“

Folge 3: Er sagte, dass er mich heute nicht vögeln würde

Folge 4: Er machte Fotos von mir, während ich nackt auf ihm saß

Folge 5: Ich hatte Sex mit ihm, obwohl ich seinen Kumpel wollte

Folge 6: Wenn ich morgens masturbiere, habe ich bessere Laune

Quelle: Noizz.de