Wie er und ich monatelang vögelten, ohne uns ineinander zu verlieben

Unsere Autorin Julie Schmidt schreibt in „SEX VOR NEUN“ über Themen, die die Welt bewegen: Orgasmen, Masturbation, Penisse und Co. Sex ist wichtig und völlig normal. Ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen, erklärt sie, was sie über Sex denkt und fühlt und plaudert ein paar ihrer schönsten und schlechtesten Sex-Geschichten aus.

Die Nummer mit dem "Happy-Vagina-Sex"

Ich habe ein Herzproblem. Nichts medizinisches, aber so oft wie mein Herz schon gebrochen wurde, bin ich mir da gar nicht mal so sicher. Mein größtes Talent ist es, mich in Menschen zu verlieben, die gerade keine Beziehung wollen – oder zumindest nicht mit mir. Manchmal genieße ich es deswegen, einfach Sex mit jemandem zu haben, der mich hinterher nicht dazu bringt, dass ich Schokolade fressend und Beyoncés „Broken Hearted Girl“ schluchzend in meinem Bett liege. Ich meine: Es reicht ja schon, wenn ich ein Herzproblem habe, dann brauche ich ja nicht noch eine depressive Vagina! Das Heilmittel kann in solchen Fällen Sex ohne Gefühle sein.

Mit Tino hat das immer gut geklappt. Wir hatten 1,5 Jahre eine Affäre, ohne uns ineinander zu verlieben. Tino habe ich irgendwann mal auf einer Party aufgerissen. Ich fand ihn ganz süß und als er sich dann neben mich stellte und dabei imitierte, wie ich ganz lässig meine Zigarette rauchte, war es zumindest für diesen Abend um mich geschehen. Wir tauschten unsere Telefonnummern aus und verabredeten uns ein paar Tage später abends am See.

Ich hatte Angst, dass ich ihn mir schöngesoffen hatte

Eigentlich kam mir das alles gar nicht gelegen: Ich hatte am nächsten Tag Frühschicht und war mir eigentlich auch nicht sicher, ob Tino wirklich süß war oder der Alkohol an dem Abend, als wir uns kennengelernt hatte, einfach nur sein Übriges getan hatte. Als ich ihn am See erblickte, fiel mir ein Stein vom Herzen: Ich hatte mir Tino nicht schöngesoffen – mit seinen dunklen Locken und den dunkelblauen Augen war er definitiv ein attraktiver Typ. Allerdings war mir schon in diesem Moment klar: In den werde ich mich nie verlieben. Und um das schon mal vorweg zu nehmen: Das ist in den 1,5 Jahren, in denen wir regelmäßig in die Kiste stiegen, auch nie passiert.

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Trotzdem wünsche ich mir heute manchmal die Zeit mit ihm zurück. Mit Tino war alles so herrlich unkompliziert: Obwohl wir uns jede Woche mindestens einmal, manchmal aber auch zwei- oder dreimal trafen, regte sich in meinem Herzen nichts. Unsere Nachrichten bestanden nicht aus süßen „Guten Morgen“-Texten sondern ausschließlich aus Treffpunkten und Uhrzeiten. Wenn er mir ein „?“ schickte, antwortete ich mit „23 Uhr am Kreisverkehr!“.

Dass wir uns nicht ineinander verlieben würden, war unser stillschweigendes Abkommen, das wir schon in der ersten Nacht trafen. Tino erzählte mir, dass er sich erst vor wenigen Tagen von seiner Ex getrennt hatte, und ich erzählte ihm, dass ich schon seit Ewigkeiten in diesen einen Typen verliebt war, der mich aber einfach nicht wollte. Als ich ihm meine Liebesprobleme beichtete, sah er für einen Moment nachdenklich aufs Wasser: „Krass, ich dachte du bist eher so eine Frau, die sich nimmt, was sie will", hatte er dann gesagt.

Meine Antwort war ein lautes Lachen. Wie ironisch das Leben doch manchmal sein konnte. Alle Typen dachten von mir, dass ich einfach all das bekam, was ich wollte, dabei bekam ich das Einzige, was ich wirklich wollte, einfach nicht.

Ich vertraute einfach auf seine Worte

Die Steinmauer auf der wir saßen, war vom heißen Sommertag noch aufgewärmt. Er rückte irgendwann näher an mich, dann küssten wir uns. Ich kletterte auf seinen Schoß, zerrte an seinem Shirt und öffnete seine Hose. Er griff mir unter den Rock und in meinen Slip. Dass wir uns draußen befanden, störte uns nicht. Sein Penis drückte sich durch seine Hose gegen meine Mitte, und ich musste grinsen: Vielleicht hatte er ja doch recht? Vielleicht sollte ich einfach mal anfangen, mir zu nehmen, was ich wollte? Und warum sollte ich das mit Tino nicht ausprobieren? Zwischen uns konnte ich ja nicht viel kaputt machen – da war ja nichts.

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Er seufzte, während ich mit meinen langen Fingernägeln über seine Brust fuhr. Ich fühlte mich in dem Moment so gut wie schon lange nicht mehr. Ich genoss es, meine Gedanken und mein schnell klopfendes Herz abzuschalten und einfach mal meinen Instinkten zu folgen. Irgendwann hielt Tino es nicht mehr aus. Seine dunkelblauen Augen glitzerten im Licht der Straßenlaterne, weil er so spitz war. Ich lächelte und sah ihn herausfordernd an. „Ach, scheiß drauf!“, murmelte er, drückte mir im nächsten Moment seine vollen Lippen auf meine und zog mir gleichzeitig den Slip von den Beinen. Seine Hose hatte er schneller runtergezogen, als ich auch nur „Hey, warte mal“ sagen konnte.

Wir hatten "Happy-Vagina-Sex"

Und dann vögelten wir einfach drauf los. Es war nicht die sagenumbeschriebene Wahnsinns-Nummer, das war es übrigens nie. Aber trotzdem sorgte der Sex dafür, dass die Glückshormone durch meinen Körper schossen, als hätte sie mir gerade jemand mit einer Nadel injiziert. Es war kein Trostpflaster-Sex, der alte Wunden heilen sollte. Es war eher der "Happy-Vagina-Sex", der am Ende nicht nur meine Vagina, sondern auch mich glücklich machte. Es dauerte nur ein paar Minuten bis wir schweratmend voneinander ließen: "Das war ... schnell", sagte ich, während ich mir eine Zigarette anzündete. Er nickte und zog sich seine Hose wieder an.

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Eigentlich lief es jedes Mal so, wenn wir uns trafen. Erst redeten wir, dann vögelten wir, hinterher rauchten wir noch eine zusammen und dann fuhr ich wieder nachhause. Die Nummer ohne Gefühle funktioniert nur dann, wenn man sich an feste Regeln hält ... aber das ist eine Geschichte für ein anderes Mal.

Deine Sex-Fragen

Übrigens: Wenn du mir Fragen zum Thema Sex stellen willst, kannst du das jederzeit machen – und zwar komplett anonym! Schreib mir dazu einfach eine Message auf Tellonym. Du willst noch mehr aus der versexten Welt der Julie Schmidt mitbekommen, willst ihr ein Dickpic schicken (SPASS!) oder hast Fragen und Anregungen? Dann check doch mal ihren Instagram-Account (@julie.schmidt.autorin).

Julie Schmidt hat ihr erstes Buch geschrieben! In "To all the boys I’ve fucked before" (erscheint am 13.10.20 im mvg Verlag) erzählt sie noch mehr über ihre Vorliebe für Fuckboys und Zigaretten

Noch mehr „SEX VOR NEUN“

Folge 1: So beschissen war der Autosex vor einem Berliner Club

Folge 2: Er nannte mich seine „kleine Schlampe“

Folge 3: Er sagte, dass er mich heute nicht vögeln würde

Folge 4: Er machte Fotos von mir, während ich nackt auf ihm saß

Folge 5: Ich hatte Sex mit ihm, obwohl ich seinen Kumpel wollte

Folge 6: Wenn ich morgens masturbiere, habe ich bessere Laune

  • Quelle:
  • Noizz.de