... zumindest, wenn du dich beim ersten gut angestellt hast.

Unsere Autorin Julie Schmidt schreibt in „SEX VOR NEUN“ über Themen, die die Welt bewegen: Orgasmen, Masturbation und Penisse. Ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen, erklärt sie, was sie über Sex denkt und fühlt und plaudert ein paar Bett-Geschichten aus.

Die Nummer mit der Kette

Ich finde nichts stressiger, als einen neuen Penis in mein Herz zu lassen. Ich mag das Gefühl, jemanden noch nicht zu kennen, überhaupt nicht. Noch schlimmer ist nur die Ungewissheit, ob man sich nach den ersten Dates noch mal wiedersieht. Kann ja sein, dass das erste Date gut läuft und beim zweiten irgendwas rauskommt, das einen dann doch irgendwie abschreckt.

Eine Freundin von mir hat erst kürzlich diese ganze verdammte Dating-Phase durchgemacht. Seit ein paar Wochen hat sie einen neuen Typen am Start, für den sich diese ganze emotionale Spannung rückblickend echt gelohnt hat. Leider weiß man das vorher noch nicht. Denn gerade wenn das erste Date gut läuft, schießen uns Frauen tausende Gedanken durch den Kopf, wie das wohl alles ausgehen wird.

So wirst du ihn auf jeden Fall wiedersehen

„Also ich habe da so einen Trick entwickelt“, erklärte ich meiner Freundin am Telefon, als wir darüber diskutierten, wie man einem Typen zeigen konnte, dass man ihn gerne noch mal treffen würde. Während meine Freundin eher ein Fan von klaren Worten war und sich am Ende des Dates einfach schon für das nächste verabredete, ging ich an die Sache etwas subtiler, um nicht zu sagen ... kindischer ran.

„Na ja, ich vergesse bei ihm einfach irgendwas. Jetzt kein Zopfgummi oder so, eher eine Kette oder Ohrringe. Die dürfen aber nicht so wertvoll sein, dass man sie wirklich schmerzlich vermissen würde, falls der Typ sich doch nicht mehr meldet“, erklärte ich ihr.

„Manchmal kommst du echt auf komische Ideen, Julie“, kicherte sie in den Hörer.

„Warum? Meine Selbstversuche haben gezeigt, dass das eine gute Taktik ist“, sagte ich selbstbewusst und musste dabei an Marc denken. Bei ihm hatte ich diese Methode zum ersten Mal angewandt.

Beziehungsstatus: Ich mach es immer kompliziert

Die Nummer mit Marc hatte irgendwie kurios angefangen. Nachdem wir uns durch einen Kumpel kennengelernt und Nummern ausgetauscht hatten, waren wir irgendwie in der Handy-Phase hängen geblieben. Das lag in erster Linie an mir: Ich fand ihn zwar irgendwie ganz sweet, witterte aber, dass irgendwas an ihm faul war, weshalb ich es erstmal beim Texten beließ.

Bis Marc mich mal zu einem weiteren Treffen überreden konnte, waren mehrere Wochen vergangen. Es flatterten hunderte süße „Guten Morgen“-Nachrichten bei mir ein, die mir schmeichelten, aber noch lange nicht dafür sorgten, dass ich ihn treffen wollte. Das lag zum einen an dem Gefühl, dass es sich bei Marc wahrscheinlich um einen Fuckboy handelte, aber vielleicht ein kleines Bisschen daran, dass ich Angst davor hatte, dass entweder er mir gar nicht gefallen würde oder dass ich ihm.

Trotzdem kam irgendwann der Tag der Tage: Ich ließ mich von ihm abholen, um dann zu ihm zu fahren. Wir saßen auf der Couch im Wohnzimmer, aßen Pizza und witzelten herum.

„Sollen wir einen Film gucken?“, fragte er irgendwann mit einem vielversprechenden Lächeln auf den Lippen, worauf ich mit den Schultern zuckte.

„Einen Film können wir schon gucken, aber mehr nicht“, machte ich gleich klar.

„Okay ...“, er lächelte immer noch und nahm meine Hand. Klar, dass wir den Film nicht im Wohnzimmer gucken konnten, sondern nur im Bett, weil es da ja „sooo viel gemütlicher war“. Gut, wenn er seine Abfuhr noch bitterer haben wollte, dann sollte er doch. Heute würde er mich sicher nicht rumkriegen – das hatte ich mir fest vorgenommen.

Ein kleines Teufelchen tanzte auf meiner Libido herum

Kaum war der Fernseher an, konzentrierte Marc sich nicht auf den Film, sondern auf mich. Er spielte mit meinen Haaren, strich sanft über mein Bein und drückte mir irgendwann einen Kuss auf die Lippen. Obwohl seine Berührungen bei mir für eine Gänsehaut sorgten, erwiderte ich den Kuss schon alleine aus Trotz nicht. Na gut, vielleicht auch um ihn ein bisschen leiden zu lassen.

„Ich hab doch gesagt: kein Sex!“, zuckte ich jetzt lachend mit den Schultern, nachdem er mich etwas hilflos ansah. Inzwischen hatte sich allerdings meine Libido gemeldet, die wie ein kleiner Teufel in meiner Vagina herumtobte und mir mit einem Dreizack immer wieder in mein Lustzentrum piekste. An dieser Stelle sage ich nur so viel: Jede Frau, die schon mal gehen so ein kleines Teufelchen gekämpft hat, weiß, wie schwer es ist, da zu widerstehen.

„Aber einen Kuss krieg ich doch, oder?“, ließ er sich von meiner Abgebrühtheit gar nicht beeindrucken.

Das gefiel mir.

Ich grinste: „Okay ...“

Tja und dann kam es, wie es kommen musste

Er drückte mir ein zweites Mal seine Lippen auf meine, wodurch die Sache etwas aus dem Ruder geriet. Kurz gesagt: Das Teufelchen siegte. Etwa 20 Minuten später lagen wir schwer atmend nebeneinander und grinsten uns an. Was ich vorher nicht gewusst hatte: Dieser Kerl war der Wahnsinn! Er war so gut im Bett, dass ich völlig geflasht neben ihm lag. Ich konnte kaum fassen, dass er schon beim ersten Sex so genau wusste, worauf ich abfuhr.

Ich war so begeistert, dass ich mich sogar bei ihm für den heißen Sex BEDANKTE!

Jetzt war ich in einer beschissenen Situation: Denn nachdem ich ihn in den letzten Wochen so geärgert hatte, konnte ich mir gut vorstellen, dass er den Spieß nun umdrehen würde. Ein Gedanke hämmerte mir im Kopf herum, während ich nach meinen Klamotten suchte: „Was, wenn er dich nur einmal vögeln wollte und sich jetzt nie mehr meldet?!“

Bis zu diesem Zeitpunkt war mir das nach dem ersten Mal Sex eigentlich immer egal, aber nach der Nummer mit diesem magischen Penis konnte ich das meiner Vagina nicht antun.

Also entschied ich mich dazu, bewusst etwas bei ihm zu vergessen. Dann musste er sich ja noch mal melden.

Es dauerte etwas bis der Plan aufging

Nachdem wir später noch mit einem Glas Wein auf die erfolgreiche Nummer angestoßen hatten, brachte er mich wieder nach Hause. Und dann fing ich an, zu warten. Okay, erstmal erzählte ich meiner besten Freundin natürlich bis ins kleinste Detail davon, wie gut dieser Kerl im Bett war. Und dann wartete ich auf eine Nachricht von ihm. Jedes Mal, wenn mein Handy vibrierte, pochte es zwischen meinen Beinen. Leider meldete er sich nicht.

Ganze 48 Stunden später kam erst die erlösende Nachricht von ihm. „Du hast deine Kette hier vergessen …“ – „Oh wirklich?“ – „Musst sie dir wohl abholen ;)“

Jackpot!

Keine halbe Stunde später saß ich im Auto und grinste ihn breit an, als ich vor seiner Tür stand.

„Ich glaube, sie liegt noch im Bett“, begrüßter er mich in seiner grauen Fuckboy-Jogginghose und kniff mir, als ich an ihm vorbei durch die weiße Haustür tänzelte, in den Po.

Keine zwei Sekunden später fielen wir übereinander her. Und landeten wieder in der Kiste.

Als wir danach völlig außer Atem im Bett lagen, drehte ich meinen Kopf zu ihm und grinste: „Muss ich die Kette jetzt noch mal vergessen oder meldest du dich auch ohne?“

Deine Sex-Fragen

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Quelle: Noizz.de