... und das macht mich emotional machmal echt fertig!

Unsere Autorin Julie Schmidt schreibt in „SEX VOR NEUN“ über Themen, die die Welt bewegen: Orgasmen, Masturbation und Penisse. Ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen, erklärt sie, was sie über Sex denkt und fühlt und plaudert ein paar Bett-Geschichten aus.

Die Nummer mit dem emotionalen Ausnahmezustand

Ich liebe in zwischenmenschlichen Beziehungen nichts so sehr wie Machtspiele. Wie heißt es so schön: "Was sich liebt, das neckt sich?" Dieser Spruch hat sich leider so tief in meine Vagina eingebrannt, dass ich quasi gar nicht anders kann, als ständig kleine Machtkämpfe mit den Typen anzufangen, die ich sexy finde.

Blöderweise manövriert mich das natürlich regelmäßig in den emotionalen Ausnahmezustand hinein, der weder meiner Psyche noch meinem Umfeld besonders gut tun … Aber immerhin hat meine Vagina fünf Minuten Spaß, wenn ich mir mal wieder ein angeheiztes Wortgefecht mit einem Kerl liefere.

Bevor ich mir über diese kleine, vielleicht etwas masochistische Vorliebe bewusst geworden bin, musste ich sehr viele Heulanfälle und Nervenzusammenbrüche durchstehen, weil mir meine Lover plötzlich aus dem Nichts heraus gemeine Nachrichten schrieben.

Es gibt da nämlich ein klitzekleines Problem mit diesen Spielchen: Sie machen mich zwar unfassbar an, aber ich durchschaue sie nicht immer.

Gerade deshalb finde ich sie wohl so anziehend, eben weil ich ausnahmsweise mal nicht die Kontrolle über alles habe.

Ich mache aus jeder Nummer ein Spielchen

Erst kürzlich bin ich wieder in so eine Situation gekommen, in der ich völlig wütend mein Handy auf den Tisch knallte und es mit imaginären Mittelfingern bewarf. Meine Freundin, mit der ich mich eigentlich für einen entspannten Girls-Abend verabredet hatte, sah mich mit einem breiten Grinsen an.

"Was ist denn da schon wieder los?", wollte sie wissen, während ich schmollte.

"Das regt mich auf! Ich habe voll nett nachgefragt, was geht und er lässt mich absichtlich auflaufen", sprudelte es gleich sehr aufgebracht aus mir heraus.

"Ich weiß gar nicht, wie du das immer aushältst", sagte sie jetzt.

"Ich auch nicht! Mich macht das zwar total an, aber ich komm gleichzeitig überhaupt nicht drauf klar", resümierte ich jetzt.

"Bei dir ist auch immer irgendwas ... Kannste dir nicht mal einen Typen suchen, der sich nicht auf deine Spielchen einlässt?"

"Das ist ja langweilig!", sagte ich, zuckte mit den Schultern und lachte.

Erst als ich abends im Bett lag, dachte ich noch mal etwas genauer über die Worte meiner Freundin nach. Sie hatte recht: Bei mir war irgendwie immer was. Adrenalinkicks waren mein Hobby und wenn mein Liebesleben gerade einfach mal so voller Seelenruhe vor sich hin waberte, dann konstruierte ich entweder dramatische Situationen in meinem Kopf oder verschickte sogar absichtlich provozierende Nachrichten, um meiner Vagina ihre Droge zu geben. 

Dass meine Vagina ein absoluter Adrenalin-Junkie ist, habe ich tatsächlich erst während meiner Beziehung mit Basti gecheckt. Zwischen uns hat es immer geknallt – das ist wohl einer der Gründe dafür, warum er meine Vagina und vielleicht auch einen kleinen Teil meines Herzens im Sturm erobert hat. Eigentlich bestand unsere gesamte Beziehung aus dem reinsten emotionalen Ausnahmezustand. Obwohl wir am Vortrag entspannt miteinander rumhingen, hieß das noch lange nicht, dass es am nächsten Tag weiterhin so harmonisch mit uns lief.

Ich weiß noch, wie er mich, nach einem wunderbaren, fast romantischen Sonntag im Bett – mit Chili-Cheeseburgern, Witzen und viel Sex – am nächsten Tag innerhalb einer Nachricht wieder auf hundertachtzig brachte.

Zuvor hatte ich ihn gefragt, ob er nicht Lust hätte, das Treffen vom Vortrag zu wiederholen, als plötzlich eine ziemlich unerwartete Nachricht auf meinem Display aufleuchtete:

"Kommst du jetzt schon wieder angekrochen?"

Ich starrte diese Nachricht sehr lange an und verstand die Welt nicht mehr. Obwohl ich dieses Theater von ihm eigentlich schon kannte (zum Beispiel von der Geschichte mit der Hose) und mein glasklarer Verstand NATÜRLICH wusste, dass er diese Nachricht niemals ernst meinen konnte, keimte in meinem Herzen immer wieder dieser kleine Zweifel an uns (vielleicht aber noch viel mehr an mir) auf, der innerhalb von Sekunden zu einem kalifornischen Mammutbaum heranwachsen konnte.

Dieser Zweifel sorgte wiederum dafür, dass meine innere Drama-Queen Besitz von dem Bereich in meinem Hirn ergriff, in dem Adrenalin produziert wird. Deshalb zitterten meine Finger auch, als ich die nächste Nachricht ins Handy tippte: "Ist das jetzt dein Ernst?"

"Ja, du brauchst gar nicht denken, dass das hier irgendwas zwischen uns bedeutet. Ich entscheide, wie das läuft", schrieb er mir zurück. Im Nachhinein waren seine Nachrichten einfach nur bescheuert, in diesem Moment tobte trotzdem ein wilder Emotions-Sturm in mir los.

Lasset die Spiele beginnen!

Fall ihr euch jetzt denkt: Okay, damit war die Geschichte ja dann wohl auch vorbei ... Fehlanzeige! Damit fing sie erst richtig an.

Wir schrieben uns in Rage, diskutierten, tauschten Gemeinheiten aus und einigten uns schlussendlich darauf, dass wir das wohl persönlich klären müssten.  

Keine zwanzig Minuten später stand ich mit wackeligen Knien, einem klopfenden Herzen und emotional total aufgebracht vor seiner Tür.

Er grinste breit.

"Hast du es dir doch anders überlegt?", wollte ich jetzt wissen, während ich an meiner Zigarette zog und meine Beine, die in eine dünne Strumpfhose gehüllt waren, voreinander kreuzte.

"Nein!", sagte er jetzt selbstherrlich, grinste und drückte mich dann mit festem Griff gegen die Wand, ehe er mir einen süßen Kuss auf die Lippen hauchte.

Das Adrenalin raste innerhalb von Sekunden durch mein Blut, wie es sonst nur ein Formel-1-Wagen konnte. Seine Launen lösten ein Schleudertrauma in meiner Vagina ausund das machte mich natürlich extrem an.

Noch heißer machte es mich nur, als ich meine Hände gegen seine Brust drückte, worauf er mich fester packte und näher an sich heranzog. Ich biss ihm während unseres Kusses auf die Lippe.

"Oh! Du braucht es heute wohl mal wieder härter!" Das war keine Frage, sondern eine Antwort auf unser kleines Spielchen. Er griff nach meinen Handgelenken und drehte meinen Rücken zu sich, um dann mit seinen Händen noch im Flur unter meinen Rock zu greifen.

Meine Schrumpfhose überstand unser kleines Machtspielchen nicht unbeschadet. Ins Bett schafften wir es erst, nachdem die erste Nummer schon beendet war. Am Ende lag ich völlig ausgepowert, aber durchaus zufrieden neben ihm – der Sturm hatte sich wieder gelegt und mein Adrenalinspiegel sank langsam wieder.

"Das war so gut… Aber musst du mich eigentlich immer so erschrecken?", flüsterte ich in sein Ohr, während er mit seinen Fingerspitzen über meinen Oberarm fuhr.

"Julie, das ist das Spiel was wir spielen ..."

Beruhigte er mich jetzt, schloss mich in seine Arme und gab mir einen Kuss aufs Schulterblatt.

Ich seufzte und sah ihm in seine schokobraunen Augen: Er hatte recht. Das war unser Spiel, das ich selbst immer wieder anfing … ohne die Regeln zu verstehen.

Deine Sex-Fragen

Übrigens: Wenn du mir Fragen zum Thema Sex stellen willst, kannst du das jederzeit machen – und zwar komplett anonym! Schreib mir dazu einfach eine Message auf Tellonym. Die besten Fragen beantworte ich nächste Woche auf NOIZZ!

Quelle: Noizz.de