Ehemalige Kinderzimmer sind kein guter Ort für Sex-Abenteuer.

Unsere Autorin Julie Schmidt schreibt in „SEX VOR NEUN“ über Themen, die die Welt bewegen: Orgasmen, Masturbation und Penisse. Ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen, erklärt sie, was sie über Sex denkt und fühlt und plaudert ein paar Bett-Geschichten aus.

Die Nummer im Elternhaus

Ich bin ein ziemlicher Familienmensch. Es gibt eigentlich so gut wie kein Thema, das ich nicht mit ihnen besprechen kann. Auch was mein Sex-Leben angeht, wissen sie zumindest immer über aktuelle Lover und verflossene Herzensbrecher Bescheid. Sie nehmen das ganz entspannt hin, was in erster Linie wohl daran liegt, dass ich 650 Kilometer entfernt von meiner Heimatstadt lebe und sie selten in Kontakt mit meinen sexy Eskapaden kommen.

Bei einer Freundin von mir sieht das momentan ganz anders aus. Sie lebt seit ein paar Monaten wieder im Haus ihrer Eltern. Das bringt definitiv viele Vorteile: Sie muss nicht mehr einkaufen, kochen oder Wäsche waschen und ihr Konto bekommt gerade mal eine kleine Verschnaufpause. Allerdings gibt es da auch einen Nachteil ...

„Ich weiß echt nicht so richtig, was ich machen soll ... Ich finde es einfach so unangenehm, wenn meine Eltern im Haus sind und ich dann Sex habe“, hat sie mir bei unserem Weihnachtsbrunch aufgebracht erklärt.

„Ich weiß, das ist echt nicht schön ...“, nickte ich ihr bestätigend zu.

"An Weihnachten war es wieder super strange. Ich hatte die ganze Zeit das Gefühl, dass meine Eltern uns hören können ...", sagte sie.

„Ich bin so froh, dass ich das Problem nicht mehr habe ... Ich kann mich auch nur an eine einzige Situation erinnern, wo ich tatsächlich mal Sex hatte, während meine Eltern da waren ... Das war mit Tom. Kannst du dich noch an die Story erinnern?“

Er brach mir mein Herz und ließ meine Vagina weinen

Die Sache mit Tom hatte mir zwar den Sommer meines Lebens beschert, aber auch dafür gesorgt, dass der Herbst und Winter wie ein beschissener Zeitraffer an mir vorbei gezogen waren. Ich hatte die Geschichte mit ihm alles andere als gut weggesteckt: Zu dem Zeitpunkt war ich der felsenfesten Meinung, dass er mein Traummann war und vermutlich auch für immer bleiben würde. Leider passte es mit uns einfach nicht, was in erster Linie daran lag, dass wir beide in andere Städte gezogen waren und leider keine gemeinsame Zukunft sahen.

Erst an Weihnachten zog es uns beide in unsere Heimatstadt.

Ich saß also mit meiner Mutter am Küchentisch und verzierte Plätzchen, die ich auffällig düster gestaltete und mit Mittelfingern bemalte (wie gesagt, ich hatte diese Liebesgeschichte mit Tom nicht sonderlich gut verkraftet), als mein Handy plötzlich auf dem Tisch vibrierte.

„Bist du zurück?“, stand dort, was auf der Stelle dafür sorgte, dass mein Herz erst stehen blieb und dann zu rasen begann – Tom!

Meine Eltern füllten uns ab

Und so kam es, dass er nur eine Nacht vor Heiligabend um kurz nach 22 Uhr einem Sixpack Bier bei mir vor der Tür meines Elternhauses stand. Den Sixer hatte er anstandshalber mitgebracht, weil er bei meinen Eltern keinen schlechten Eindruck machen wollte.

Und weil unser Weihnachten eben etwas speziell ist, war bei mir zu Hause natürlich Halligalli mit allen Familienmitgliedern, die schon ziemlich betrunken waren. Zur Begrüßung gab es von meinem Papa erstmal einen Grappa. Die Flasche auf dem Tisch neigte sich schon langsam dem Ende – wir waren definitiv alle schon gut dabei.

Tom wurde abgefüllt und philosophierte ein paar Stunden später mit meinem Papa über all meine Macken und Eigenheiten. Obwohl ich eigentlich ziemlich angeheitert war, schlug meine Stimmung plötzlich in Melancholie um. Ich nippte an meinem Sekt und kämpfte mit meinen Tränen: Da saßen die beiden Männer in meinem Leben, die wohl am meisten über mich wussten, und amüsierten sich miteinander. Das warf natürlich die große, dämliche Frage auf: Wieso es mit Tom eigentlich nicht geklappt hatte?

Weil er mich so gut kannte, schnappte er sich meine Hand und zog mich auf unsere von Lichterketten beleuchtete Terrasse, um mich fest in den Arm zu nehmen. Wahrscheinlich hatte er schon gemerkt, dass ich unser Wohnzimmer mit einem Tränen-Tsunami geflutet hätte, wenn er sich noch länger mit meinem Dad unterhielten hätte.

„Ich verstehe einfach nicht, warum das mit uns nicht funktioniert“, sagte ich. Darauf folgte ein Schluchzen, dann liefen die Tränen.

„Manchmal ist es eben der falsche Zeitpunkt“, gab er zu, was mich nicht gerade aufheiterte.

Und dann lieferten wir uns mal wieder einen dieser verdammten RTL-Soap-Momente, die sich für immer in den Kopf einbrannten: Er sagte mir, dass ich den Moment genießen sollte, trocknete meine Tränen und zündete uns eine Zigarette an.

„Du bist so eine Heulsuse“, lachte er, was mich komische Weise in dem Moment tatsächlich aufheiterte und dafür sorgte, dass ich meinen Kummer vergas.

Nach dem kleinen emotionalen Anfall floss der Alkohol wieder in Strömen – ich glaube, so betrunken hatten wir beide uns bis zu diesem Zeitpunkt noch nie erlebt. Das hatte eine Konsequenz: Mit jedem neuen Kurzen, den wir in uns rein kippten, stieg unsere Lust auf Sex exponentiell an!

Meine Eltern verabschiedeten sich noch mit ein paar lieben Worten von uns, ehe wir noch im Wohnzimmer übereinander herfielen. Ich sag mal so: Heute bin ich ziemlich stolz darauf, dass ich uns beide noch stoppen und den Sex auf der Couch vermeiden konnte. Stattdessen zog ich ihn eine Etage höher in mein ehemaliges Kinderzimmer. Das meine Eltern vorsichtshalber unberührt gelassen hatten ... im Falle der Fälle, dass es mit meiner journalistischen Karriere doch nicht so gut laufen würde ... Danke Mama und Papa!

Wir waren laut und unbekümmert

Im Zimmer angekommen, schmiss ich ihn aufs Bett – ich wollte Sex und zwar jetzt! Er grinste breit. Uns beiden konnte es nicht mehr schnell genug gehen. Meinen Rock und mein Oberteil schmiss ich in irgendeine Ecke. Sie landeten ausgerechnet auf meinem letzten Kuscheltier, von dem ich mich noch nicht trennen konnte. Er zog mich zu sich und ließ sich nicht von meiner Strumpfhose stören – RATSCH! Mit einem Mal hatte er ein Loch gerissen. Leider brachte uns das nicht besonders viel, weil ich darunter ausnahmsweise mal einen Slip trug ... konnte ja keiner wissen, dass mein Abend so enden sollte.

Ich platzierte ein paar Küsse auf seinem Hals, fuhr mit den Fingernägeln über seinen Oberkörper und setzte mich dann auf seine Mitte. Wir tobten durchs Bett, als gäbe es kein Morgen mehr und nahmen dabei keine Rücksicht auf Verluste. Kinderzimmer? Eltern? Lautstärke? Daran verschwendete ich in dem Moment keinen Gedanken mehr ...

Nach zwei Runden hemmungslosem Sex waren wir Arm in Arm eingeschlafen und am nächsten Morgen mit einem Kater aufgewacht. Das ließ mich allerdings nicht davor zurückschrecken die Morgenlatte von Tom als Einladung für eine dritte Nummer zu betrachten. Also vögelten wir uns noch mal die Seele aus dem Leib – bis er einen Anruf seiner Mum bekam und von ihr nach Hause zitiert wurde.

Von der rolligen zur räudigen Katze

„Hattet ihr Spaß?“, fragte meine Mutter mich, als die Tür hinter Tom zugefallen war. Ich nickte, verstand aber erst ein paar Stunden später, wie die Frage eigentlich gemeint gewesen war.

Ich stand in dem Schlafzimmer meiner Eltern und suchte noch nach ein paar Resten Geschenkpapier, als ich jedes Wort meiner kleinen Schwester, die sich in mein Zimmer zum Telefonieren zurückgezogen hatte, verstand. Oh ja, wir hatten verdammt viel Spaß und meine Eltern haben das wahrscheinlich von vorne bis hinten mit anhören können.

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Quelle: Noizz.de