Eigentlich ist der Herbst die schönste Jahreszeit für Sex. 

Autorin Julie Schmidt schreibt in "SEX VOR NEUN" über Themen, die die Welt bewegen: Orgasmen, Masturbation und Penisse. Ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen, erklärt sie, was sie über Sex denkt und fühlt und plaudert ein paar Bett-Geschichten aus. Übrigens: Folg Julie Schmidt doch auch bei Instagram: @sex.vor.neun.

Die Nummern im Herbst

Ich habe ein sehr gespaltenes Verhältnis zum Herbst. An schlechten Tagen, drückt er mir einfach nur auf meine Laune: Alles ist grau, feucht (außer meine Vagina), ich bin immer falsch angezogen (entweder friere oder schwitze ich), kein Typ flirtet mich an (noch nicht mal der Dönermann, der sonst IMMER ein Kompliment für mich übrig hat), und eigentlich will ich sowieso den ganzen Tag nur zurück ins Bett ... und zwar alleine (na ja, okay ... vielleicht noch mit einer Tafel Schokolade). Das ist der Herbst, der mich nicht daran zweifeln lässt, dass ich nicht mehr weit von einer depressive Verstimmung entfernt bin.

Zum Glück hat er aber auch noch ein anderes Gesicht (so wie die meisten meiner Ex-Lover, haha): Dann glitzert die Sonne auf dem Tau der buntverfärbten Blätter, ich springe absichtlich in Pfützen und fühle mich dabei wie ein eine sehr glückliche 5-Jährige, ich backe Waffeln, freue mich den ganzen Tag auf eine Badewanne und meinen Lieblingsvibrator und würde mich noch lieber mit einem Typen ein ganzes Wochenende in einer Wohnung einschließen, um mit ihm abwechselnd zu kuscheln, essen, rauchen und vögeln.

Vielleicht ist letzteres einer der Gründe, weshalb ich mir in den letzten Wochen echt schwer mit dem Herbst getan habe. Wenn der Himmel mit Wolken verhangen ist, dann muss wenigstens im Herzen die Sonne scheinen. Fakt ist: In meinem Herzen ist gerade eine kleine graue Nebelwolke eingezogen, weil es aktuell keinen Typen gibt, der sich mit mir in einer Wohnung einschließen und den ganzen Tag vögeln will.

Ich habe lange überlegt, ob ich euch das überhaupt erzählen soll: Eine Sex-Kolumnistin, die gerade keinen Bock hat mit einem x-beliebigen Typen in die Kiste zu steigen? Passt ja irgendwie nicht so gut in das Bild der dauergeilen Julie, die sich einen Kerl nach dem anderen abschleppt. Aber das bin ich gerade einfach nicht. Ich bin zwar immer noch die Blowjob- aber irgendwie nicht mehr die Abschlepp-Queen.

Ich sehe gerade absolut gar keinen Sinn darin, irgendeinen Kerl, den ich nicht will, mit nach Hause zu nehmen. Stattdessen warte ich lieber darauf, dass sich der Nebel in meinem Herzen lichtet, damit ich sehen kann, ob da nicht vielleicht schon längst jemand drin ist (mit dem es sich aktuell vielleicht etwas komplizierter gestaltet) oder ob ich doch lieber noch mal auf die Suche nach einem anderen gehen soll.

Singles haben es im Herbst schwer

Vermutlich geht mir der Herbst deshalb jedes Jahr so auf die Nerven, weil er auch immer wie ein strenger Lehrer ist, der deine Leistungen voreingenommen an denen aus dem letzten Schuljahr misst: Julie Schmidt? Immer noch Single? Klar, bei der kann es ja auch nix werden ... Setzen, sechs!

Wahrscheinlich nervt mich das Single-Leben aktuell so sehr, weil der Herbst eigentlich die beste Jahreszeit für Sex ist.

Das ist mir vor kurzem bewusst geworden, als ich abends in meinem Bett lag, Musik gehört und dabei einfach nur das Flackern der Kerzen beobachtet habe. Während ich da so lag, kam mir eine Erinnerung an einen perfekten Herbstabend in den Sinn ...

Noah war zwar nur ein Übergangsmann, nach einer ziemlich miesen Trennung, aber er hatte mich zu diesem Zeitpunkt ziemlich glücklich gemacht. Wir beide wussten von Anfang an, dass wir unsere Liaison beide nicht unter der Kategorie große Lieben abspeichern würden, aber das machte es zwischen uns auch irgendwie ziemlich unkompliziert und angenehm. Wenn wir Zeit miteinander verbrachten, dann quatschten wir nicht viel über Probleme oder Gefühle, sondern unterhielten uns eher über Musik, über Netflix-Serien und was die Woche über so passiert war. Viel Zeit zum Reden blieb uns beiden meist sowieso nicht, weil wir unsere Münder lieber für andere Sachen einsetzten, wenn ihr versteht, was ich meine.

Trotzdem hatte Noah das Talent, dass sich unsere Treffen nie anfühlten, als würde es bloß um den Sex gehen. Meistens bestellte er uns erst etwas zu essen, schaltete einen Film ein und begrüßte mich im Gegensatz zu seinem Vorgänger statt in grauer Fuckboy-Jogginghose in Shirt und Jeans. Das rechne ich ihm in Nachhinein echt hoch an, obwohl wir beide wussten, dass es uns letztendlich eben doch nur um den Sex ging.

Vielleicht machte das aber auch die Jahreszeit aus: Im Herbst haben eben alle ein bisschen mehr Bock auf Geborgenheit und weniger auf die schnelle Nummer. Deshalb fand ich es an einem Abend, an dem ich bei ihm vorbeischaute, auch absolut nicht kitschig oder peinlich, dass er im ganzen Wohnzimmer Kerzen und sogar den fucking Kamin angezündet hatte. Ja, seine Eltern waren reich und hatten ihm eine ziemlich fette Bude besorgt.

Auf einmal wurde es ziemlich romantisch

Obwohl so aufgesetzte, romantische Gesten, wie man sie sonst nur aus echt kitschigen Filmen kennt, sonst eher einen ernsthaften Würgereflex in mir auslösen (was bei einer Deepthroat-Liebhaberin schon ein echtes Wunder ist), fühlte ich mich in diesem Moment ziemlich geschmeichelt und nahm es gleich als Anlass, mich noch ein ticken wohler in Noahs Gegenwart zu fühlen.

"Wow", war zwar mein einziger Kommentar, als ich mich auf die Couch fallen ließ, allerdings konnte ich mir ein glückliches Grinsen auch nicht verkneifen.

"Ich dachte mir, dass wir ...", er grinste während er sprach. Ich ließ ihm gar nicht erst die Gelegenheit den Satz auszusprechen ... vielleicht auch, weil ich dachte, dass er jetzt irgendwas Schnulziges sagen würde ... sondern legte einen Finger unter sein Kinn, drehte seinen Kopf zu mir und drückte ihm einen Kuss auf die Lippe.

Nur um kurz darauf auf seinen Schoss zu klettern und etwas mit ihm rumzuknutschen, während meine Hände durch seine Haare und seine Hände über meine Hüften fuhren, nur um kurz darauf unter mein Oberteil den nackten Rücken hochzuwandern.

"Das ist ... schön", sagte ich lächelnd, nachdem ich ihm noch einen einzelnen Kuss auf die Lippen gedrückt hatte, aber weiter auf ihm sitzen blieb.

"Sehr gut", nickte er jetzt, machte aber den Eindruck, dass er nicht wusste, was ich meinte.

"Wollen wir Shisha rauchen?", fragte er mich dann, nachdem ich immer noch keine Anstalten gemacht hatte, mich jetzt entweder sofort mit seinem Ständer zu beschäftigen (den ich durch die Hose spüren konnte) oder von ihm runter zu klettern.

"Oh ja!" Ich grinste und klatschte voller Begeisterung in die Hände. Tatsächlich stehe ich nicht so sehr darauf, dass ich mir selbst eine anschaffen oder in einem Shisha-Café chillen würde, aber mit meinen Lovern rauche ich gerne mal eine Pfeife.

Noah freute sich über meine Reaktion, stand auf und bereitete sehr fachmännisch die Shisha vor. Jetzt verstand ich auch, warum er den Kamin angezündet hatte – statt wie jeder normale Mensch die Kohlen mit einem Anzünder aus dem Billigshop nebenan anzumachen, legte er sie mit einer Zange in den Kamin. Nicht mit romantischer Geste, eher so ... praktisch gedacht. Vor meinem inneren Auge schlug ich mir mit der flachen Hand gegen die Stirn, trotzdem änderte die Tatsache ja nichts an der schönen Atmosphäre, die der Kamin und die Kerzen dem Raum verliehen.

Ich lachte leise vor mich hin.

"Warum lachst du?", fragte er darauf und grinste dabei.

"Nur so...", winkte ich ab. Musst er ja nicht wissen, dass ich kurz vom Sex- in den Romantikmodus gefallen war. Er nickte.

Das heißeste Vorspiel aller Zeiten

Kurz darauf hatten wir es uns unter einer Fake-Fur-Decke gemütlich gemacht und reichten uns nach ein paar Zügen immer abwechselnd den Shisha-Schlauch hin und her. Der Geruch von Limette-Minze vermischte sich mit dem von brennendem Holz und erhitzte unsere Gemüter. Ich legte meinen Kopf an seine Schulter und fuhr mit den Fingern über einen Oberschenkel, während er mich sanft im Nacken kraulte – das war das unschuldigste Vorspiel aller Zeiten, zeigte aber eine heftige Wirkung.

Irgendwann landete der Shisha-Schlauch auf dem Boden, und ich krabbelte wieder auf seinen Schoß – diesmal platzierte ich meine Küsse auf seinem Hals, und seine Finger fuhren nicht nur unter mein Oberteil, sondern zogen es mir ziemlich schnell vom Körper. Der Ständer drückte sich jetzt noch deutlicher durch seine Hose, sodass meine Finger zu seinem Gürtel wanderten.

Er drehte sich jetzt auf mich, half mir meine Strumpfhose und den Rock von den Beinen zu streifen und fing dann an, meine nackte Haut zu küssen. Er ging vor mir auf die Knie und tauchte mit der Zunge zwischen meine Beine ab. Diesmal verstand ich, dass er mir jetzt keinen Ring anstecken, sondern es mir mit dem Mund besorgen wollte. ich kicherte wieder leise vor mich hin, was ihn absolut nicht irritierte, und ließ meinen Kopf in den Nacken fallen.

Noahs Zungenkünste waren vergleichbar mit denen von Basti ... nicht auszuschließen, dass sie sich darüber mal ausgetauscht hatten (aber das ist eine andere Geschichte). Das bedeutete nur eins: ich flog geradewegs Richtung Orgasmushimmel, zog ihn aber kurz bevor ich kam zu mir hoch, um ihn dann auf die Couch zu schubsen und mich wieder auf seinem Schoss zu platzieren. Diesmal störte die Hose nicht.

Es waren kreisende Bewegungen meines Beckens, die uns jetzt beide in eine andere Welt abtauchen ließen, während im Hintergrund immer noch der Kamin knisterte und er mir leicht in den Hals biss. Ich weiß noch, dass ich mir in dem Moment nur eins dachte: Wow, das ist gerade kitschiger als in jedem Liebesfilm.

So im Nachhinein war es aber echt voll okay, denn jetzt habe ich für jeden beschissenen Herbstabend eine echt heiße Erinnerung, die mir meinen Abend mit meinem Lieblingsvibrator definitiv noch süßer macht. 

Deine Sex-Fragen

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Quelle: Noizz.de