Ich konnte also nur noch eine Maßnahme ergreifen ...

Unsere Autorin Julie Schmidt schreibt in „SEX VOR NEUN“ über Themen, die die Welt bewegen: Orgasmen, Masturbation und Penisse. Ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen, erklärt sie, was sie über Sex denkt und fühlt und plaudert ein paar Bett-Geschichten aus.

Die Nummer mit der Schlafmütze

Wenn mein Bett und ich einen Beziehungsstatus bei Facebook angeben müssten, dann würde er wohl „Es ist kompliziert“ lauten. Erstens, weil ich selten genug Schlaf bekomme, zweitens, weil ich regelmäßig von ziemlich realen Träumen heimgesucht werde. Das macht es nicht immer ganz so einfach.

Typen scheinen damit nicht so ein großes Problem zu haben – die könnten ihr ganzes Leben im Bett verbringen. Die legen sich einfach rein, chillen, zocken, essen, onanieren und schlafen danach entspannt ein. Ich will jetzt nicht biestig klingen, aber bei dem einen oder anderem Lover hatte ich das Gefühl, dass er eine intensivere Beziehung mit seinem Bett hatte, als mit mir. Und das kann auch echt mal zur Beziehungsprobe werden. Tatsächlich ist in einer US-Umfrage unter tausend Amis herausgekommen, dass Männer eher auf Sex als auf Schlaf verzichten würden, als Frauen.

Erst vor kurzem hat mir eine Freundin wieder von so einer Situation erzählt. Ich hatte sie nach dem letzten Treffen mit ihrem Freund gefragt, worauf sie nur mit den Schultern zuckte: „War nicht so gut. Er ist einfach eingepennt“, hatte sie gesagt und dabei ihre Stirn in Falten gelegt.

„WIE BITTE? Er hat einfach geschlafen?“, fragte ich sie ziemlich entsetzt.

Auch wenn Männer sich dabei nichts Böses denken, bei manchen Frauen können solche Situationen zur reinsten Identitätskrise werden. Alleine bei dem Gedanken an eine Geschichte mit Basti, zieht sich meine Vagina vor Frustration schon wieder zusammen.

Er war mehr so der Typ Nachtmensch, der jeden Morgen bis 4 Uhr TV guckte oder bei Instagram irgendwelche Prank-Videos suchtete. Da er zu dem Zeitpunkt alles andere als ein geregeltes Leben führte, konnte er das auch machen: Schlafen bis 16 Uhr, und dann ganz entspannt den Rest seines Tages im Bett verbringen. Bis irgendwann mal der Tag kam, als er aufgrund seines Studiums zumindest für ein paar Tage mal wieder früh aufstehen musste: Das führte natürlich zu chronischer Müdigkeit.

Schlaf ist geil, aber ich war geiler

An einem Abend lagen wir zusammen auf seinem Bett und zogen uns mal wieder gemeinsam irgendeine Netflix-Serie rein. Statt an mir, spielte er an seinem Handy rum und gähnte alle fünf Minuten. Obwohl er dabei echt unsexy wirkte, hinderte mich das natürlich nicht daran, dass ich Bock auf Sex mit ihm hatte.

Sein Penis war einfach ein Magicstick, weshalb ich meine Hände zwischen seine Beine gleiten ließ. Er stieß sie nicht weg, sondern genoss es, dass meine Fingernägel ganz sanft über seine Haut kratzen. Leider war mein Kopf schon ein paar Schritte weiter: Das Sex-Kino war im vollen Gange. Ich sah uns beide wild durchs Bett wälzen und spürte seine Penisspitze quasi schon gegen meine Bauchdecke stoßen. Kurz: Ich war sowas von bereit für eine Nummer mit ihm!

Um den Prozess etwas zu beschleunigen, ließ ich meine Hand erst etwas hoch und anschließend wieder tiefer in seine Hose wandern. Dingdingdingding! Jackpot! Jetzt würde es gleich richtig zur Sache gehen ...

Er drehte sich auf mich und grinste mich an: „Sei nicht sauer, aber ich bin echt zu müde für Sex ...“ Seine Stimme war ein Flüstern, dann platzierte er noch einen entschuldigenden Kuss auf meiner Stirn.

Hätte ich einen Ständer gehabt, wäre er mir in diesem Moment wohl vor Frustration zusammengesackt. Er war ZU MÜDE für Sex? Was zur Hölle war das für eine beschissene Ausrede? Welcher Typ lässt bitte die Finger von einer Frau, wenn sie, bereit für einen Orgasmus-Tsunami, neben einem liegt? Es musste ja nicht der geilste Fick unseres Lebens werden ... In diesem Moment hätte es vermutlich auch schon ausgereicht, wenn er vier Mal zugestoßen und einmal kurz über meine Klit gehaucht hätte.

„Ist das jetzt dein fucking Ernst?“, fragte ich ihn sichtlich betroffen und richtete mich vorwurfsvoll auf.

Seine Ignoranz frustrierte meine Vagina

Aus dem perfekten Sonntag wurde innerhalb von einem Satz ein Psycho-Slapstick. Er verdrehte die Augen, weil er wahrscheinlich schon wusste, das ich jetzt eine Show abziehen würde. Was folgte, war eine hollywoodreife Szene, wie sie sonst nur in diesen typischen rosaroten Frauenfilmen mit Anne Hathaway vorkommen.

„Du willst mich jetzt also ernsthaft nicht vögeln?“ Ich war immer noch entsetzt.

„Julie, wenn du jetzt hier einen Aufsta...“, weiter kam er nicht.

„ICH MACHE KEINEN AUFSTAND! Ich will jetzt einfach nur deinen Penis!“

„Ja, und ich bin jetzt einfach zu müde ...“, sagte er, legte besänftigender Weise aber seine Hand auf meinen Oberschenkel. Ich warf einen abschätzigen Blick darauf.

„Nimm die weg ...“, kommentierte ich nur und legte mich mit verschränkten Armen neben ihn.

Herzlichen Glückwunsch, statt einer sexy Edel-Mumu, hatte er jetzt ein trotziges Kind neben sich liegen. Es fehlte eigentlich nur, dass ich mich auf den Boden schmiss und laut „Ich will, ich will, ich will aber“ schrie.

Blöderweise ließ das Kribbeln zwischen meinen Beinen auch Minuten nach seiner Absage nicht nach. Ich wollte jetzt sofort einen Orgasmus. Und da ich ihn anscheinend nicht dazu überreden konnte, dass er es mir auf der Stelle besorgte, musste ich einen anderen Weg finden, um an einen zu kommen.

Ich warf ihm von der Seite noch mal einen langen Blick mit zugekniffenen Augen zu, er grinste. Dieser Typ sollte in der Hölle schmoren: Stattdessen hatte ich ihn mit meiner Aktion gerade wahrscheinlich den Ritterschlag für den geilsten Ficker der Stadt verliehen. Apropos Ficker ... Meine Vagina und ich waren immer noch keinen Schritt weiter.

Dann würde ich es mir jetzt eben selbst besorgen. Ich schnaubte einmal laut, um ihm meine Frustration noch mal deutlich zu zeigen und ließ meine Hände dann unter die Decke wandern.

Natürlich war die Nummer mit mir selbst nicht so gut, wie echter Sex mit ihm. Aber das musste er ja nicht wissen. Ich zog vor seinen Augen eine echte Show ab: mit schwerem Atmen, seufzen und aufbäumen.

„Machst du es dir gerade etwas selbst?“, jetzt lachte er und zog die Decke zur Seite.

„Ja, du willst ja nicht!“, sagte ich immer noch pampig, ohne meine Masturbation zu unterbrechen.

Oh-kay ...“ Er grinste bis über beide Ohren und beobachtete mich kurz. Ich machte noch ein paar Minuten weiter, das Kribbeln zwischen meinen Beinen hatte nachgelassen, ich fakte einen Orgasmus und sah ihn dann herausfordernd an.

Er grinste immer noch und zog mich zu sich. „Morgen besorge ich‘s dir richtig, okay?“, flüsterte er mir in mein Ohr und schloss seine Arme um mich. 

Deine Sex-Fragen

Übrigens: Wenn du mir Fragen zum Thema Sex stellen willst, kannst du das jederzeit machen – und zwar komplett anonym! Schreib mir dazu einfach eine Message auf Tellonym. Die besten Fragen beantworte ich nächste Woche auf NOIZZ!

Quelle: Noizz.de