Die drei beschissensten Arten, einen Flirt zu beenden. 

Autorin Julie Schmidt schreibt in "SEX VOR NEUN" über Themen, die die Welt bewegen: Orgasmen, Masturbation und Penisse. Ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen, erklärt sie, was sie über Sex denkt und fühlt und plaudert ein paar Bett-Geschichten aus. Übrigens: Folg Julie Schmidt doch auch bei Instagram: @sex.vor.neun.

Die Nummer mit den Break-ups

Ich bin momentan echt ziemlich schlecht drauf. Das liegt vor allem daran, dass dieser unfassbar geile Sommer vom einen auf den anderen Tag vorbei war. Gerade lag ich noch mit Bikini bei 30 Grad am See, einen Wimpernschlag später liege ich mit Teetasse und Hoodie in meinem Bett und beobachte den Regen, der gegen meine Fensterscheibe prasselt. Kein Wunder, dass man da mal kurz ein bisschen melancholisch wird und selbst mein Lieblingsvibrator nur für ein minimales Stimmungshoch sorgt.

Mehr Gründe für meine schlechte Laune gibt es tatsächlich nicht … okay, vielleicht doch. Ihr könnt es euch sicher denken: Es hat mal wieder was mit Liebeskummer zu tun. Ausnahmsweise geht es dabei gar nicht um mein eigenes angeknackstes Herz, sondern vor allem, um das meiner Freunde. Anscheinend sind durch den plötzlichen Wetterumschwung nicht nur die die Außentemperaturen rapide abgefallen – sondern auch viele potenzielle Gefühle.

Erst vor kurzem habe ich einen ziemlich aufgelösten Anruf von einer Freundin bekommen, in dem sie mir berichtete, dass ihr Typ, den sie jetzt schon seit Monaten am Start hat, ihr ganz plötzlich und aus heiterem Himmel erklärte, dass er irgendwie keine Lust mehr auf weitere Dates hätte.

"Was zur Hölle ist los mit dem?", wollte ich von ihr wissen.

"Keine Ahnung. Er ist einfach ein Spacko", seufzte sie.

Ich nickte, was sie am Telefon natürlich nicht sehen konnte. Jetzt mal ganz ehrlich? Wieso fragt man erst nach einem weiteren Date und sagt es dann ganz plötzlich wieder ab? Das kann und will ich einfach nicht verstehen. Das beschissenste an dieser Situation ist aber gar nicht die Tatsache, dass er den Flirt beendet hat, sondern WIE er ihn enden ließ.

Ja, Schluss machen ist immer beschissen, und wenn ich ganz ehrlich bin, gibt es vermutlich keine akzeptable Art, aber erst mal all die Dinge aufzuzählen, die einem an der anderen Person gut gefallen, nur um kurz darauf zu sagen, dass es irgendwie doch nicht passte, ist halt einfach schon ziemlich scheiße und kann eigentlich nur noch von einer Sache getoppt werden: sich gar nicht mehr zu melden!

Ghosting ist die beste Form, um zu sagen: "Hallo, mein Name ist Arschloch!"

Das ist vor kurzem einem alten Kumpel von mir passiert, der mich aus heiterem Himmel fragte, wie verbreitet Ghosting sei.

 "Leider ziemlich. Warum fragst du?", antwortete ich ihm per Textnachricht.

"Ich glaub, mir ist das passiert. Ich habe davon am Wochenende zum ersten Mal gehört", waren seine Worte, die mich fast hysterisch auflachen ließen.

"Wow, in was für einer Welt lebst du?", konnte ich mir als Kommentar nicht verkneifen.

Ich möchte jetzt wirklich nicht gehässig oder zynisch klingen, aber: Wie kann man so weltfremd sein, dass einem der Begriff "Ghosting" in den letzten Jahren nicht einmal über den Weg gelaufen ist?

Als kleiner Service für alle (glücklichen) Leser, die von dem Begriff ebenfalls noch nichts gehört haben: Dabei handelt es sich um eine miese Form, einen Flirt, eine Affäre oder im aller schlimmsten Fall sogar eine Beziehung zu beenden. Bis gerade lässt man den Partner noch im Glauben, dass alles okay ist, und im nächsten Moment ist man für die andere Person einfach nicht mehr erreichbar – weder über WhatsApp, Instagram, Tinder, LinkedIn, YouTube, höchstens vielleicht per Brieftaube. Derjenige der geghostet wird, bekommt KEINE Erklärung, warum der Kontaktabgebrochen wird. Und ja: Das ist wohl eine der beschissensten und feigsten Maschen, um einen Cut zu machen.

Nach meinem bitteren Kommentar zu dem ganzen Desaster ließ ich mir von meinem Kumpel die Situation erklären: Noch am Morgen hatte sie ihm eine zuckersüße Sex-Nachricht geschrieben, die selbst mir beim Lesen einen Ständer bescherte (OBWOHL ICH NICHTMAL EINEN PENIS HABE) … zwei Stunden später löschte sie ihn OHNE ERSICHTLICHEN Grund bei allen sozialen Medien und war ganz plötzlich nicht mehr für ihn erreichbar.

"Das ist eine verdammt dumme Bitch!", war das einzige, was mir zu der Situation einfiel.

Wie scheiße jemand ist, hängt nicht vom Geschlecht ab!

Sorry! Eigentlich bin ich ja die erste, die schreit: "Hey, Girls supporting Girls!" Aber wer sich so dermaßen beschissene einem Menschen gegenüber verhält, mit dem man schon über eine mögliche Beziehung, Hochzeit, Kinder und die gemeinsame Zukunft gequatscht hat, ist einfach eine schlimme Persönlichkeit – egal ob männlich, weiblich, inter, hetero, homo, lila, blau oder pinkkarriert!

Blöderweise haben diese beiden Geschichten dafür gesorgt, dass ich mir in den letzten Tagen auch ziemlich viele Gedanken über meine miesesten Break-ups der letzten Jahre gemacht habe. Und was macht frau, wenn sie an einem verregneten Abend alleine zuhause sitzt und sie gerade eh schon in melancholischer Stimmung ist, weil sie dem Sommer hinterher trauert?

Richtig, sie kramt unter ihrem Bett die Kiste mit den Erinnerungen an all die Ex-Lover raus und fängt an, alte "Liebesbriefe" zu lesen.

Wie ihr euch vorstellen könnt, handelt es sich bei meiner Art von Liebesbriefen natürlich nicht um die klassischen "Willst du mit mir gehen"-Briefchen, sondern um emotionale und harte Analysen der aktuellen Beziehungssituation.

Einer der Briefe, die mir in den letzten Tagen in die Hände fielen, trug die Überschrift "WARUM KLAPPT DAS MIT UNS EINFACH NICHT?" Spoiler: Weil der Typ ein kindisches Arschloch war, der so eine tolle Frau wie mich eben einfach nicht Händeln konnte und wollte. Heute weiß ich das zwar, trotzdem trieb mir mein eigener Text in diesem Moment die Tränen in die Augen, weil ich mich ganz plötzlich und ohne Vorwarnung an eine Situation erinnerte, die ich längst aus meinem Gedächtnis verbannt hatte …

Das war mein miesester Break-up

Felix und ich hatten eine ziemlich intensive Beziehung zueinander. Nachdem er mich am Anfang des Sommers mit seinem freundlichen Lächeln und der charmanten Art rumbekommen hatte, waren wir von Juni bis September unzertrennlich gewesen. Er war nicht nur ein verdammter Charmeur, sondern hatte auch eine gewisse kindliche Leichtigkeit (um nicht zu sagen: Naivität), die mich irgendwie sofort fasziniert hatte. Denn so kindlich er und seine Vorstellungen von der Zukunft auch waren, im Bett mutierte er immer zu einem echten Mann, der mich an Wände drückte, bestimmt zwischen meine Beine griff, mir einen Orgasmus nach dem anderen bescherte und dabei ein keckes Grinsen aufgesetzt hatte. Diese Mischung hatte mich innerhalb von wenigen Treffen in seinen Bann gezogen.

Blöderweise hatte Felix ein unglaubliches Problem mit emotionaler Nähe. Jedes Mal, wenn ich durch ein Gespräch, einen Fick oder auch nur einen Blickkontakt näher zu ihm durchdrang, flimmerte in seinen Augen die Panik auf.

Nun wissen wir leider alle, dass es eines meiner größten Hobbys ist, Menschen so lange zu beobachten und auszufragen, bis sie sich mir öffnen und mir nackt gegenüberstehenund zwar nicht nur ohne Kleidung, sondern vor allem seelisch. Ich habe es in einer anderen Kolumne schon mal beschrieben, zwar ist es den meisten Typen absolut unangenehm, dass ich so nah zu ihnen vordringe, gleichzeitig liebe sie es, dass sich jemand so sehr für sie und vor allem für ihre Probleme interessiert. Sobald ich damit anfange, beginnt sowohl für die Typen, als auch für mich ein Spiel mit dem Feuer – trauriger Weise verbrennen wir uns beide am Ende meistens die Finger.

Auch mit Felix geriet ich irgendwann in eine Situation, in der wir beide wussten, dass wir uns gegenseitig eigentlich überhaupt nicht guttaten, trotzdem konnten wir zu diesem Zeitpunkt unsere Finger schon nicht mehr voneinander lassen.

Bis wir eines Septemberabends bei ihm auf der Couch lagen. Auf dem Tisch stand schon die zweite Flasche Wein, im Fernsehen lief irgendeine dämliche US-Comedy-Show, der Regen peitschte gegen die Fenster und über unseren nackten Körpern lag, nach einer verdammt heißen Nummer, eine kuschelige Wolldecke.

Eigentlich fühlte sich meine Welt in diesem Moment so verdammt in Ordnung an. Zwar wusste ich, dass es in den letzten Wochen öfter mal Streit zwischen uns beiden gegeben hatte, aber gerade an diesem Abend schien alles so weit weg und so friedlich, dass ich niemals auf die Idee gekommen wäre, welche Wendung dieser Abend noch nehmen sollte.

Felix strich mit seinen Fingern über meine nackte Schulter, ließ seine Finger langsam über meine Haut kreisen und beobachtete mich dabei, wie ich auf seiner Brust lag und gerade dabei war, jedes Fältchen seiner Lippen zu analysieren, die sich gerade noch über die verbotensten Stellen meines Körpers geküsst hatten.

Er flüsterte die schönsten Worte

"Du bist wirklich eine Wahnsinnsfrau", hatte er in diesem Moment gelächelt, seinen Kopf zu mir geneigt und dann einen Kuss auf meinen Lippen platziert. Ich sagte nichts. Für mich brauchte dieser Moment keine Worte, Felix sah das allerdings anders …

"Eigentlich sollte ich dich niemals wieder gehen lassen ...", sagte er ganz plötzlich, was ich in diesem Moment nicht mal alarmierend fand. Wir lagen hier gerade so seelenruhig, hatten eine Runde fantastischen Sex gehabt und waren durch den Wein schon etwas schläfrig, dass ich gar nicht glauben konnte, welche Worte als nächstes folgen sollten.

"Ich bin wirklich ein feiger Idiot, Julie… Ich werde nie wieder so eine wie dich finden … Aber irgendwie kann ich es nicht …" 

Seine Worte trafen mich wie ein Schlag – BAM! Das war wie eine Faust, die mich mitten in die Magengrube traf.

"… ich werde es für immer bereuen, aber ich kann nicht. Ich bin viel zu kaputt für dich", säuselte er in mein Haar, der leichte benommene Ton in seiner Stimme deutete darauf hin, dass er wohl schon betrunken war. Und obwohl ich den Alkohol noch auf meiner Zunge schmeckte, fühlte ich mich durch seine Worte ganz plötzlich wieder stocknüchtern.

"Was willst du mir gerade sagen?", waren die einzigen Worte, die ich über die Lippen brachte – in dem Moment fühlte es sich an, als hätte mein Herz kurzfristig aufgehört zu schlagen.

Von Null auf Hundert und wieder zurück

"Ich glaube, es ist besser, wenn wir hiermit aufhören …", sagte er plötzlich. Heute frage ich mich, warum ich in diesem Moment eigentlich weiter in seinen Armen liegen geblieben war, in der Situation fühlte ich mich aber, als ob mir der Boden unter den Füßen weggerissen worden war. Ich befand mich mal wieder im freien Fall – Felix Nähe sorgte in diesem Moment immerhin dafür, dass ich nicht unmittelbar in einen hysterischen Heulanfall ausbrach.

In seinen blauen Augen spiegelte sich ein tiefer Schmerz, der wahrscheinlich nur wenig mit mir zu tun hatte, aber doch dafür sorgte, dass mir jetzt die Tränen kamen. "Du hast einen besseren verdient …", seufzte er und strich mir die Tränen von den Wangen. Um mich kurz darauf an sich zu ziehen und mir einen weiteren verdammten Kuss auf die Lippen zu hauchen.

Wenn ich heute daran denke, schnürt es mir immer noch die Luft ab. Dieser Moment war so traurig und tragisch – weil ich wusste, dass er recht hatte, dass wir es niemals zusammen aushalten würden und dennoch hatte ich es mir so sehr gewünscht, dass es mit Felix klappen konnte. Mein Herz zerbrach an diesem Abend in seine Einzelteile, auch weil ich an diesem Abend niemals damit gerechnet hatte, dass er diese Beziehung so beenden würde.

Meine Worte fand ich auch nach dem Kuss noch nicht wieder – könnt ihr euch das vorstellen? Julie Schmidt blieben die Worte weg. Felix machte die Situation dagegen nur noch schlimmer, indem er immer weitersprach.

"Du wirst für immer die Frau sein, die mich glücklich gemacht hätte …", sagte er jetzt.

Ich nickte, weinte und versuchte trotzdem, weiterhin tapfer zu bleiben. Und weil uns beiden nichts besseres einfiel, fingen wir ein zweites Mal an diesem Abend an, miteinander rumzumachen. Seine Finger fuhren wieder über meine Haut, in unseren Kuss mischten sich ein paar meiner Tränen. Weil wir beide die Wahrheit nicht ertragen konnten, verschleierten wir unseren Schmerz mit Sex. Mit jedem Stoß verklärte sich der Moment, gerieten seine Worte in Vergessenheit und wurden von einer angenehmen Leere ersetzt.

Ich weiß nicht, wie zur Hölle er es anstellte, aber tatsächlich jagte er mir noch einen Orgasmus durch den Körper.

"Ich werde niemals ohne dich glücklich sein, Julie", flüsterte der Idiot dann auch noch zu allem Überfluss, nachdem er gekommen und auf mir zusammengesackt war. Ich nickte tapfer und lächelte, jetzt war ich es, sie sanft über seine Haut fuhr, um ihn dann dabei zu beobachten, wie er einfach auf mir einschlief – seelenruhig, wie ein verdammtes Baby, während ich mit meinem gebrochenen Herzen unter ihm lag und leise bittere Tränen weinte. 

Deine Sex-Fragen

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Quelle: Noizz.de