Und ich hab's richtig gefeiert.

Unsere Autorin Julie Schmidt schreibt in "SEX VOR NEUN" über Themen, die die Welt bewegen: Orgasmen, Masturbation und Penisse. Ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen, erklärt sie, was sie über Sex denkt und fühlt und plaudert ein paar Bett-Geschichten aus.

Die kürzeste Nummer meines Lebens

Ich wurde letztens von einem Leser gefragt, wie lange der kürzeste Fick meines Lebens gedauert hat. Ehrlich gesagt, habe ich da keine richtige Antwort drauf. Auf Anhieb ist mir keine Nummer eingefallen, die schon nach ein paar Stößen vorbei war. Im Gegenteil, ich habe sogar häufiger das Problem gehabt, dass er nicht zum Ende gekommen ist (Alkohol lässt grüßen). Deshalb würde ich sagen, dass die meisten Lover bisher immer durchschnittlich lange durchgehalten. Okay, dafür müsste ich wohl erst mal definieren, was durchschnittlich bedeutet, und das ist gar nicht so einfach. Natürlich gibt es etliche Studien und Umfragen zu dem Thema: von 5 bis 24 Minuten ist da alles dabei. Denn wie das bei so Sex-Umfragen eben ist, werden sie häufig durch unwahre Angaben der Teilnehmer verfälscht.

Die tatsächliche Sex-Dauer ist mir aber eigentlich auch gar nicht so wichtig, mit durchschnittlich meine ich vor allem, genug Zeit, um die Chance auf einen Orgasmus zu haben. Wann der bei mir kommt? Ist genau so unterschiedlich, wie die Farbe meiner Socken (#niemandhatzeitseinesockenzusortieren).

Witzigerweise verliert man beim Sex ja häufig auch das Gefühl für Raum und Zeit. Wenn ich richtig hart durch genommen werde, dann kann ich dir danach im besten Fall noch sagen, auf welchem Planeten und in welchem Jahr wir uns befinden. Aber ob die Nummer jetzt zehn Minuten, dreißig Sekunden oder eine Stunde gedauert hat? Das zeigt meistens erst die Uhr. Ich habe es tatsächlich bisher immer versäumt, dabei mal die Zeit zu stoppen.

Wenn mich jemand nach meiner idealen Sex-Dauer fragt, schätze ich immer nur grob: halbe Stunde Minimum. Ob das stimmt? Keine Ahnung. Allerdings ist das ja auch völlig egal: Die perfekte Sex-Dauer ist dann erreicht, wenn wir beide hinterher laut schnaufend und die letzten Züge unserer Orgasmen auskostend im Bett liegen.

Wir wollten etwas Neues ausprobieren

Trotzdem habe ich mir natürlich meine Gedanken über die Frage gemacht, habe alle Seiten in meinem imaginären Notizblock zu den einzelnen Lovern durchgeblättert, und bin dabei nur auf eine einzige Geschichte gestoßen, die in Zusammenhang mit der Sex-Dauer steht ...

Timo und ich bumsten uns etwa ein halbes Jahr gegenseitig die Seele aus dem Leib. Alles verlief relativ unkompliziert: keine großen Dramen, keine großen Gefühle. Wir schwammen auf der gleichen Sex-Welle, probierten immer mal wieder Neues aus und genossen ansonsten unsere Nummern mit durchschnittlich drei bis vier Stellungswechseln und soliden Orgasmen.

An einem Abend war ich auf die Idee gekommen, mein Sextoy-Repertoire (das damals tatsächlich noch sehr viel kleiner war als heute) einzupacken und ihm vorzuschlagen, dass wir die Teilchen doch einfach mal gemeinsam ausprobieren konnten. Als wir gemeinsam im Bett saßen und ich die Tasche kopfüber ausschüttete, purzelten ein lila Vibrator, ein Penisring, mehrere Motoren und Batterien, sowie mein Heiliger Sextoy-Gral aufs Bett – ein Auflegevibrator mit Druckwellen-Funktion von Womanizer (es gibt aber natürlich auch noch viele andere von Satisfyer, Lelo und Beate Uhse). Beim Anblick der Spielzeuge huschte ihm ein verunsichertes Grinsen über die Lippen: "Reiche ich dir etwa nicht mehr aus?", fragte er mich, und versuchte dabei scherzhaft zu klingen.

Ich krabbelte zu ihm rüber, legte einen Finger unter sein Kinn und lächelte: "Mäuschen, du bist der beste Lover, den ich gerade habe, aber wenn du nicht da bist, muss ich auch sehen, wo ich bleibe", erklärte ich ihm, und fuhr zur Bestätigung mit seinen Fingern über seinen Oberschenkel in Richtung seines heiligen Grals.

"Na gut", er nickte – meine Worte hatten seine besänftigende Wirkung gezeigt.

"Außerdem ist dieses Teil ...", ich hielt den Womanizer in den Händen, als würde ich Gott ein Opfer bringen wollen, "der geilste Shit ever. In Kombination mit deinem Schwanz ... Ciao. Ich glaube, da werde ich niemals drüber hinwegkommen", grinste ich jetzt, er lachte.

Männer und Technik ...

"Das ist meine Julie", schmunzelte er nur und drückte etwas planlos die Knöpfe des Vibrators.

Jetzt mal ganz ehrlich, wenn mir noch mal jemand verklickern will, dass Männer mehr Ahnung von Technik haben, als Frauen, dann kann ich wirklich nur noch laut auflachen. Wer auch immer so ein Gerücht in die Welt gesetzt hat, hat definitiv noch nie einen Typen gesehen, der zum ersten mal einen Vibrator in der Hand hat. Ich weiß nicht, woran das genau liegt, aber angesichts eines Plastik-Penis sind Männer anscheinend so eingeschüchtert, dass ihnen jegliches technisches Verständnis abhandenkommt.

"Und wie geht das jetzt an?", fragte er mich. Ich kicherte, drückte den ON-Knopf (übrigens fett beschriftet) und beobachtete ihn weiter, wie er versuchte zu erfassen, wo jetzt was eingeführt werden sollte. "Das führt man nicht ein, das legt man auf ...", sagte ich und versuchte dabei geduldig zu bleiben. "Willst du es ausprobieren?", grinste ich und strampelte mir mein Höschen von den Beinen.

Er sah immer noch skeptisch aus, legte den bereits vibrierenden Womanizer neben sich und griff stattdessen zum Penisring: "So einen habe ich auch mal gehabt ...", nun tat er ganz abgeklärt. "Oh, können wir den bitte benutzen? Ich habe das noch nie ausprobiert", grinste ich und klatschte voller Vorfreude in die Hände. "Hmm ... joar, ist nicht so meins, aber wenn du willst", nickte er jetzt und zog sich ebenfalls seine Hose aus.

Männer wollen keine Plastik-Penisse im Bett

Die Leidenschaft sprudelte in diesem Moment nicht gerade zwischen uns, aber das musste sie erstaunlicher Weise nie. Ich finde es immer wieder witzig, aus welchen Situationen Sex entstehen kann. Am Anfang ist es meistens noch ein lüsternes Übereinanderherfallen inklusive durchs Bett rollen, wildem Knutschen und gegen die Wand pressen, später entwickelt man eine Routine – gerade hat man mit seinem Partner noch über den Abwasch gequatscht, und kann im nächsten Moment trotzdem richtig guten Sex haben.

Bei Timo und mir hatte gerade die letztere Phase begonnen: Wir hatten Bock aufeinander, mussten aber nicht jedes Mal vor dem Sex erst mal abchecken, ob der andere gerade bereit für eine Nummer war, sondern konnten einfach loslegen, wenn es gerade passte.

In diesem Moment passte es bei uns beiden gerade. Ohne viel zu tun, stand sein bestes Stück aufrecht und war bereit für den Einsatz. Ich kletterte bereitwillig zwischen seine Beine und begrüßte seinen Schwanz mit einem Mini-Blowjob (den ich übrigens nicht weniger liebevoll ausführte! Ich wollte ihm nur nicht zu viel geben, weil ich ja noch einiges mit ihm vorhatte).

"Na, dann wollen wir mal sehen, was das gute Stück kann", grinste er nach kurzem Genuss und griff sich den Vibrator.

Trotz anfänglicher Skepsis fand er spätestens dann Gefallen an dem Teil, als ich mich unter ihm drehte und windete, wie eine Schlange, der gerade ein Cruciatus-Fluch (sorry, Harry- Potter-Insider) entgegengeschleudert wurde. Das Grinsen auf seinen Lippen wuchs: "Das ist ja echt krank", kommentierte er nur, während ich mich ins Laken krallte und bloß ein Wort japste: "Finger!"

Denn auch wenn die Auflegevibratoren ein Meister in der klitoralen Stimulation sind, irgendwann schreit meine Vagina nach eigener Stimulation. Glücklicherweise verstand Timo sofort, was ich von ihm wollte und fuhr mit seinen Fingern in mich, während er den Vibrator an gleicher Stelle ließ. Meine Beine fingen heftig an zu zittern, ich seufzte und schnappte nach Luft . Scheiße, war das geil!

Er schaute mir dabei zu, wie ich in den Orgasmushimmel flog

Es dauerte ein paar Sekunden, bis ich wieder zurechtkam, und Timo dann dabei beobachten konnte, wie er jetzt auch noch den lila Vibrator für sich entdeckt und angeschaltet hatte. Wie ein verrückt gewordener Professor kniete er mit beiden Geräten in seinen Händen vor mir und grinste: "Das ist ja wirklich der Hammer."

An mehr kann ich mich nicht erinnern, weil er jetzt mit der tödlichen Kombination an die Sache ranging. Erst nahm er den Finger, dann den Vibrator, setzte kurz die Zunge ein, kombinierte beides, griff zum Auflegevibrator und gab mir so einen Kick, der dafür sorgte, dass ich auf einmal meine Augen aufriss und hysterisch von ihm wegrutschte, weil ich das Gefühl hatte, dass meine Vagina gerade einen Kurzschluss erlitten hatte.

"Hahahaha", lachte er, als er mich zusammen gekauert in der Ecke des Bettes sitzen sah.

"Jetzt bist du dran", sagte ich nur und kletterte zwischen seine Beine. Nachdem er mich so ausdauernd heiß gemacht hatte, durfte er sich natürlich über einen weiteren Blowjob freuen, allerdings war auch dieser nicht so ausdauernd wie sonst, weil ich lieber den Penisring ausprobieren wollte.

Ich zog ihn über und experimentierte noch etwas mit meiner Zunge an seinem Schwanz herum, ehe ich etwas höher rutschte und mich dann auf seine Mitte setzte. Es fühlte sich gut an, das leichte Vibrieren zwischen meinen Beinen machte mich scharf – allerdings war ich in diesem Moment auch kein neutraler Indikator mehr, so überreizt, wie ich schon war.

Timo legte seine Hände an meine Hüften und zog mich im Rhythmus immer noch etwas fester an sich, während ich mein Becken auf ihm kreisen ließ.

"Boar fuck ... das ganze Bett vibriert, ich glaub, ich komm sofort", sagte er noch entschuldigend, worauf ich nur lächelte und meine Bewegungen gnädigerweise intensivierte. Er seufzte und kam tatsächlich innerhalb von Sekunden.

Ich grinste breit, als ich neben ihm in seinem Arm lag und die einzelnen Toys ausschaltete.

"Puh, das war krass", sagte er schwer atmend.

"Krass gut", grinste ich und gab ihm einen Kuss auf seine Lippen.

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Quelle: Noizz.de