Er entwickelte sich vom Märchenprinzen zum Wolf im Schafspelz.

Unsere Autorin Julie Schmidt schreibt in „SEX VOR NEUN“ über Themen, die die Welt bewegen: Orgasmen, Masturbation, Penisse und Co. Sex ist wichtig und völlig normal. Ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen, erklärt sie, was sie über Sex denkt und fühlt und plaudert ein paar ihrer schönsten und schlechtesten Sex-Geschichten aus.

Die Nummer mit dem Wolf

Ich liebe es, meine Hände in volle Männerhaare zu krallen. Sie sind nicht nur schön anzusehen, sondern fühlen sich auch gut zwischen meinen Fingern an. Inzwischen glaube ich sogar, dass ich ein kleines Haarfetisch entwickelt habe: Sie müssen stark, voll und vor allem auf dem Kopf sein. Ich finde leider nichts abturnender als Rückenhaare bei Männern ... Na ja, um ehrlich zu sein, finde ich Arschhaare noch schlimmer, aber beides tut sich nicht viel.

Das soll nicht heißen, dass ich immer nur von einem perfekt gestutzten und frisch gewaxten Mann gevögelt werden will. Wenn der Busch im Intimbereich ein paar Tage nicht rasiert wurde, dann kann das auch durchaus noch mal einen ganz anderen sexy Reiz setzen. Aber wenn ich mir doch die Mühe mache, mich vor einem Date stundenlang im Bad einzusperren und jegliche Körperbehaarung zu entfernen, dann kann ich ja wohl erwarten, dass er sich zumindest einmal im Monat seinen Urwald auf dem Rücken roden lässt, oder?

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Meiner heiligen Vagina sei Dank, hatte ich bisher immer Glück mit meinen Typen. Obwohl die meisten eine wirklich vorzeigbare Haarpracht auf dem Kopf hatten, hielt sich ihre Körperbehaarung in Grenzen. ... außer bei Jared.

Jared war ein Traumprinz

Als ich sein erstes Tinder-Foto sah, war für mich klar: Den will ich! Er passte vom ersten Blick genau in mein Beuteschema. Wir schrieben etwas hin und her und verabredeten uns noch für den gleichen Abend in einer Bar. Das erste Date verlief besser als in jedem Hollywood-Streifen: Wir lachten, knutschen und quatschten. Trotzdem stieg ich an dem Abend nicht mit ihm in die Kiste, sondern ganz brav in mein Auto.

Sex hätte dieses erste perfekte Date nur kaputt gemacht, und das wollte ich auf keinen Fall. Denn Jared war die Karikatur meines Traummannes: Er wusste, was er wollte, er war super gebildet, hatte den perfekten Humor und stand mit beiden Beinen im Leben. Ja, ich war wirklich kurz davor, mein ramponiertes Herz für ihn zu öffnen. Er war ein Märchenprinz und legte sich in den nächsten Tagen echt ins Zeug, seine kleine Tinderella zu verzaubern.

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Das klappte auch ganz gut. Bis ich irgendwann Panik bekam: Das ging mir alles viel zu schnell. Er plante schon die Namen unserer Kinder, während sich in meinem Kopf nur noch eine einzige Frage aufdrängte: Wo war der verdammte Haken? Ich wollte ihn zwar, aber ich konnte ihm einfach nicht glauben, dass er wirklich so ein Traumprinz war.

Er besorgte es mir, während ich nach dem Fehler suchte

Obwohl ich mir wirklich alle Mühe gab, den Fehler an ihm zu finden, konnte ich wirklich keinen ausmachen. Den einen Abend saßen wir auf seiner Couch und knutschen ein wenig herum, als wir beide entschieden, dass es nun an der Zeit für unseren ersten Sex war.

Nach ein paar Minuten zog er mich ins dunkle Schlafzimmer, das nur von einer kleinen roten Lampe in ein sanftes Licht getaucht wurde. Ich ließ mich aufs Bett fallen und strampelte meine Hose von den Beinen. Er küsste sich meinen Bauch hinunter und blieb irgendwann an meiner Mitte hängen.

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Ich griff in seine Haare und genoss, den leichten Druck, den er mit der Zunge ausübte. Kurz bevor ich in den siebten Himmel abdriftete, meldete sich wieder diese lästige Frage in meinem Kopf: Was stimmt mit ihm nicht? Ich meine, wie realistisch ist es bitte, dass er erstens einen super Charakter hatte, sich in mich verliebte und es mir dann auch noch gut besorgen konnte?

Die großen Fragezeichen in meinem Kopf sorgten dafür, dass ich mich nicht fallen lassen konnte. Das Gefühl, dass hier irgendetwas nicht stimmte, ließ mich einfach nicht mehr los. Da konnte er noch so gut lecken – ich konnte ihm einfach nicht abkaufen, dass er der war, der er vorgab zu sein.

Er stand auf und besorgte ein Kondom

Bevor wir Sex hatten, stoppte ich ihn: "Hast du ein Kondom da?" Er seufzte genervt und ich zuckte mit den Schultern: "Sorry, ohne Kondom geht hier gar nichts!" Also sprang er auf und ging in den Flur. Ich lag wie ein Seestern auf dem Bett und sah ihm nach. Und dann traf es mich wie ein Blitz: Da waren Haare, überall auf seinem Rücken waren Haare! Viele Haare – er war ein ... Wolf!

Das unvorteilhaft grelle Licht im Flur ließ seine Rückenhaare glitzern und entblößten plötzlich noch ein zweites Manko: Auf seinem Hinterkopf machte sich eine Lichtung breit. Das war mir zuvor nie aufgefallen, weil er immer eine Snapback getragen hatte.

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In diesem Moment fror meine Vagina ein. Dieser Anblick verstörte mich: Zwar hatte ich bisher noch gar nicht gemerkt, dass ich seinen Rücken auch gut als Bettvorleger hätte benutzen können, aber als der kleine Wolf da plötzlich so vor mir stand, sagte eine innere Stimme: Der Typ ist definitiv nicht dein Traumprinz!

Meine Vagina enttarnte ihn

Der Abend endete dann ziemlich abrupt. Ich setzte mich auf und sagte, dass ich irgendwie keinen Bock mehr hätte und haute ab. Meine eigene Oberflächlichkeit hatte mich um meinen Sex gebracht – ich glaube, ich habe mich in meinem Leben noch nie so schlecht gefühlt. Ich wollte wirklich keine oberflächliche Bitch sein, aber der Anblick seines Rückens hatte sich in meine Hornhaut eingebrannt, wie der einer klaffenden, eiternden Wunde.

Ein paar Tage später stellte sich dann allerdings heraus, dass meine Vagina genau richtig entschieden hatte. Denn wie durch ein Zufall spuckte mir Facebook plötzlich sein Profil aus und ich machte große Augen, als ich las: "Jared ist in einer Beziehung." Er war ein Wolf im Schafspelz, und meine heilige Vagina hatte das von Anfang an gewusst.

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Deine Sex-Fragen

Übrigens: Wenn du mir Fragen zum Thema Sex stellen willst, kannst du das jederzeit machen – und zwar komplett anonym! Schreib mir dazu einfach eine Message auf Tellonym. Du willst noch mehr aus der versexten Welt der Julie Schmidt mitbekommen, willst ihr ein Dickpic schicken (SPASS!) oder hast Fragen und Anregungen? Dann check doch mal ihren Instagram-Account (@julie.schmidt.autorin).

Julie Schmidt hat ihr erstes Buch geschrieben! In "To all the boys I’ve fucked before" (erscheint am 13.10.20 im mvg Verlag) erzählt sie noch mehr über ihre Vorliebe für Fuckboys und Zigaretten

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  • Quelle:
  • Noizz.de