SEX VOR NEUN: Meine goldenen Regeln für Sex ohne Gefühle

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Küsse beim Sex sind erlaubt, aber nach dem Sex sollte man die Finger voneinander lassen Foto: pixabay.com

Es ist wie Sport - du brauchst nur Disziplin!

Unsere Autorin Julie Schmidt schreibt in „SEX VOR NEUN“ über Themen, die die Welt bewegen: Orgasmen, Masturbation, Penisse und Co. Sex ist wichtig und völlig normal. Ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen, erklärt sie, was sie über Sex denkt und fühlt und plaudert ein paar ihrer schönsten und schlechtesten Sex-Geschichten aus.

Die Nummer mit dem Sex ohne Gefühle

Ich glaube daran, dass Sex ohne Gefühle funktionieren kann. Mit Tino hatte ich anderthalb Jahre eine Affäre: Treffen, vögeln, rauchen, ins Auto steigen und gehen.

Wenn ich heute daran denke, bin ich sogar ein bisschen Stolz darauf, dass wir das so lange durchgehalten haben. Wie viele Stunden habe ich schon mit meinen Mädels Nachrichten von Typen analysiert, mit denen wir ja eigentlich nur ganz unverbindlichen Sex haben wollten ... Das liegt in erster Linie aber daran, dass sie sich nicht an Regeln halten. Als mir meine Freundin Pia letztens von ihrer neuen Flamme erzählte und mir versicherte, dass sie ja nur Sex wolle, erntete sie von mir einen strengen Blick: "Ich kann dir das echt empfehlen, aber verlieb dich bloß nicht!"

Pia wusste genau, was dann folgen sollte: Ein Vortrag über "Die goldenen Regeln für Sex ohne Emotionen". Ich habe sie in meinem Freundeskreis schon so oft gepredigt, dass unnötige Liebeskummerdramen eigentlich nicht mehr passieren dürften. Wäre da nicht die Sache mit der Disziplin.

Regel #1: Niemals beieinander schlafen

Tino und ich hatten uns aus logistischen Gründen intuitiv dazu entschieden, dass wir uns immer einen sehr unverfänglichen Ort für unsere Treffen aussuchten: mein Auto.

Wir trafen uns Woche für Woche am Kreisverkehr. Ich sammelte ihn ein, dann fuhren wir mit meinem Wagen in den Wald. Wir hatten unseren Stammplatz direkt in der Nähe eines Feldes, manchmal trafen wir uns auch am See, in dunklen Ecken von Nachtclubs und einmal sogar im Bett seines Bruders.

Miteinander schlafen? Definitiv! Beieinander schlafen? Absolutes Tabu! Und ich kann euch eine Sache schwören: Wir haben diese Regel nur ein einziges Mal gebrochen. Ratet mal, wer am nächsten Tag mit Schmetterlingen im Bauch aufwachte? Richtig: Ich! Tino hatte aber glücklicherweise einen klaren Kopf bewahrt und sich darauf die Woche einfach mal nicht gemeldet. Das war wie die Ohrfeige, die ich kriegen musste, um meinen Hormonhaushalt wieder ins Gleichgewicht zu bringen.

Wer nach dem Sex nebeneinander einschläft, baut automatisch eine tiefere Bindung zueinander auf. Dieser Scheiß ist von der Evolution übrigbelieben und ist sogar wissenschaftlich bewiesen!

Klar ist es angenehmer, sich durchgevögelt neben den anderen zu rollen und dann einfach nur einzupennen! Aber sorry, wer sich nicht verlieben will, der muss seinen verdammten Arsch hochkriegen!

Regel #2: Küsse beim Sex sind okay, aber niemals danach

Zwar habe ich Tino nicht geliebt, dafür aber seine Küsse. Manchmal steigt mir der Duft seiner Haut auch heute noch in die Nase: Er roch herb, männlich und manchmal ein bisschen nach Knoblauch. Eigentlich löst dieser Geruch bei mir eine Stinkparanoia aus, aber bei Tino gehörte das irgendwie dazu. Italiener eben.

Am Anfang unserer Affäre gab es so viele Momente, in denen ich ihn einfach nur küssen wollte: vor dem Sex, beim Sex und nach dem Sex.

Wir rauchten gerade unsere Zigarette danach. Meine Beine zitterten von der ausgiebigen Nummer im Auto, die Endorphine spielten in meinem Blut immer noch Fangen. Ich hielt die Hand mit seiner Zigarette fest und wollte ihn gerade wieder in einen Kuss ziehen, als er mich abblockte und dann mit seinen Lippen auf meinen sagte: "Keine Küsse nach dem Sex."

Gott, was habe ich mich in diesem Moment beschissen gefühlt! Ich dachte, dass er mich wegstößt, weil ich irgendwas falsch gemacht hätte. In Wirklichkeit hatte er mir in diesem Moment nur eine weitere Regel beigebracht, über die ich wirklich froh bin.

Regel #3: Schickt euch keine Nachrichten

Ich liebe Aufmerksamkeit. Und mir kann keine Frau erzählen, dass sie nicht geschmeichelt ist, wenn sie jeden Morgen von einer süßen Nachricht geweckt wird. Und genau das ist das Problem: Wer sich nicht verlieben will, sollte sich auch nicht dafür interessieren, was der andere gerade macht.

Die Kommunikation zwischen uns beruhte am Anfang noch auf ganzen Sätzen, später waren wir so eingespielt, dass Satzzeichen ausreichten. Er schrieb „?“, ich antwortete mit „!“. Wenn ich dann um 23 Uhr an unserem Treffpunkt erschien, folgte noch ein wortkarges „Bin da“.

Das heißt nicht, dass Tino und ich nie geredet haben: Wir haben sogar sehr viel diskutiert über Musik, über Lebensentwürfe und über unsere Leidenschaften. Wir hatten Sex zu der Musik, die wir beide liebten und vögelten uns dabei die Seele aus dem Leib. Ob er die Musik nach dem Treffen auch mit seinen Kumpels hörte? Mir doch egal!

Regel #4: Belügt euch nicht

"Wer ficken will, muss freundlich sein", heißt es doch immer so schön. Das mag stimmen. Ich finde aber vor allem: Wer ficken will, muss EHRLICH sein! Wenn es klare Grenzen gibt, muss man nicht so viel über die Situation nachdenken und kann letztendlich gar nicht zu falschen Schlüssen kommen.

Es gibt nichts Schlimmeres, als dumme Ausreden, die Hoffnung machen: "Du bist echt meine Traumfrau, aber ich will gerade einfach keine Beziehung" ist die missverständlichste Aussage zwischen Frauen und Männern. Während der Typ meint, was er sagt, interpretiert die Frau da rein: "NOCH NICHT! Aber bisher weiß er ja auch nicht, wie toll eine Beziehung mit mir ist ..."

Tino und ich hatten an einem Abend den Sex unseres Lebens. Ich war aus irgendeinem Grund sauer auf die ganze Welt, und er war genervt von meiner schlechten Laune. Also ließen wir laute Musik durch die Boxen meines Autos knallen und hatten währenddessen hemmungslosen Sex.

Als uns der Innenraum zu eng wurde, sprangen wir splitternackt auf die Straße und vögelten einfach draußen weiter. Als wir fertig waren, klatschte er mir mit der flachen Hand auf den Po, zündete sich eine Kippe an und sagte: "Ich glaub, ich hab mich wieder in meine Ex verliebt!"

Ich nickte - das Problem kannte ich ja. Dass er in dem Moment so ehrlich war, schätzte ich sehr. Deshalb fragte ich: "Ändert das etwas zwischen uns?" Er verneinte. Ich konnte an dem Tag durchgevögelt und zufrieden nachhause fahren, eben weil ich mir keine Gedanken darum machen musste, ob wir uns jemals wiedersehen.

Regel #5: Macht keine Fotos miteinander

Der Clou an der Geschichte mit Tino war: Ich konnte ihn mir nie als meinen Freund vorstellen. Ja, wahrscheinlich bin ich an dieser Stelle sehr oberflächlich, aber in meinen Gedanken gaben wir einfach kein schönes Paar ab. Tino war echt attraktiv, aber er passte einfach nicht so ganz in mein Leben.

Wenn du vor dem Spiegel stehst und ihn dir an deiner Seite vorstellst, darfst du niemals das Gefühl haben: "Oh, wir würden schon ein ganz hübsches Paar abgeben!" Affären hat man einfach nicht mit Traummännern, die einem von der ersten Sekunde an den Atem nehmen.

Regel #6: Verliebt euch nicht!

Nach anderthalb Jahren war zwischen Tino und mir Schluss. Ohne Stress, ohne Stunk - wir hatten einfach beide jemand anderen gefunden. Heute schreiben wir uns manchmal noch, wenn wir große Veränderungen in unserem Leben auf Facebook bekannt geben: neuer Job, neue Stadt, neue Beziehung. Und ich bin froh, dass wir beide unseren inneren Sex-Schweinehund besiegt und uns immer an die Regeln gehalten haben.

Ob es wirklich an den Regeln lag? Wer weiß das schon. Vielleicht haben wir uns einfach wirklich nicht ineinander verliebt.

Aber eins weiß ich genau: Einmal hab ich meine Regeln gebrochen - es endete in einer Katastrophe. Aber das ist eine Geschichte für ein anderes Mal.

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Übrigens: Wenn du mir Fragen zum Thema Sex stellen willst, kannst du das jederzeit machen – und zwar komplett anonym! Schreib mir dazu einfach eine Message auf Tellonym. Die besten Fragen beantworte ich nächste Woche auf NOIZZ!

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Quelle: Noizz.de

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