Unsere Sex-Kolumnistin beantwortet Fragen der NOIZZ-User.

In ihrer Kolumne SEX VOR NEUN schreibt unsere Autorin Julie Schmidt regelmäßig über – dreimal darfst du raten – Sex. Und wenn sie nicht an ihrem Schreibtisch sitzt? Dann plaudert sie über die schönste Nebensache der Welt. Mit ihren Arbeitskollegen, mit ihren Mädels, mit ihrem schwulen besten Freund und jetzt auch mit den NOIZZ-Lesern! Jetzt auch auf Instagram (@sex.vor.neun)!

Diese Woche: Angst vor der Reiterstellung – was, wenn alles wackelt?

Hi Julie,

es ist mir wirklich unangenehm, aber wie baue ich meine Panik vor der Reiterstellung ab? Ich bin nicht unbedingt schmal gebaut, mein Dekolleté ist dezent üppig, und allein aus diesem Grund gruselt mich diese Position. Noch dazu kommt, dass ich nicht 100 Prozent weiß, wie ich mich am besten bewegen soll, und er mir auch nicht genügend Sicherheit gibt, um Spaß daran zu finden.

Nein, ich praktiziere kein Yoga und finde "Mach mir den Frosch"-hockend, am besten die nächsten 30 Minuten, nicht sehr erbaulich. Ja, ich habe trainierte Beine, aber doch bitte nicht so lange! Und schon gar nicht, in dem er da liegt mit verschränkten Armen hinter dem Kopf! Er kennt meine Abneigung gegen diese Position und meint dann immer: "Du könntest ja mal über dich hinauswachsen." Eigentlich ja, na klar! Aber er tut es erstens auch nicht (da heißt es nur "Entweder du akzeptierst es oder Pech"), und zweitens besteht mein Körper nur aus maximal 30 Zentimetern vom Bauchnabel bis zum Beginn der Oberschenkel.

Küssen is' nicht. Streicheln? Bringt ihm nicht viel. Vorspiel muss seiner Meinung nach also nicht sein. Wenn er merkt, dass ich kurz vor dem Orgasmus stehe, hört er auf. Das ist die Strafe, weil ich manchmal die Technik ändere. Dabei mache ich das ja noch nicht mal mit Absicht.

Warum wir immer noch in der Kiste landen? Ich weiß es nicht. Vermutlich bin ich einfach nur hoffnungslos bescheuert ... und ganz am Anfang war es auch mal schön. Aber seit einiger Zeit habe ich nur noch das Gefühl, grundverkehrt zu sein. Verzeih mir diese lange Nachricht, ich musste das mal von der Seele kriegen ...

Liebe Unbekannte,

hach ja, die guten alten Komplexe. Bitte denk jetzt nicht, dass ich mich über dich lustig mache! Ich kenne das nur allzu gut: Erst vor Kurzem habe ich mich nach dem Sex ernsthaft dabei erwischt, wie ich darüber nachgedacht habe, ob ich jetzt nackt vor ihm ins Bad spazieren soll oder nicht. Könnte ja sein, dass ihm im schummerigen Licht auf einmal doch irgendwas an meinem Körper auffällt, was er vor oder während der Nummer noch nicht bemerkt hat und irgendwie doch abstoßend findet ... Letztendlich habe ich mich aber dafür entschieden, weil es total bescheuert ist, sich vor jemandem zu schämen, der ein paar Minuten zuvor noch seinen Penis in einen reingesteckt hat.

Außerdem kann ich dir vorab eine Sache versichern: Männer setzen vor dem Sex glücklicherweise eine imaginäre Brille mit automatischem Weichzeichner auf (dagegen kann jeder schmeichelnde Instagram-Filter einpacken).

Sobald einem Typen das Blut in den Penis schießt, sieht er Fehler, Dellen, Ecken, Kanten oder Rundungen nicht mehr (zumindest bis er zum Schuss gekommen ist!). Ich habe persönlich noch keinen Mann erlebt, der während einer Nummer ernsthaft darüber nachgedacht hat, ob meine Brüste jetzt straff genug, meine Beine trainiert genug und mein Bauch flach genug ist. Und das ist auch gut so: Denn eigentlich sollte man beim Sex nicht über Oberflächlichkeit nachdenken, sondern einfach nur genießen, was man da gerade Wertvolles miteinander teilt.

Auch wenn es uns nicht immer ganz einfach fällt, unsere Komplexe in solchen Momenten zu vergessen, kann ich dir nur raten: Hör auf zu denken oder dich zu schämen. Je weniger der Kopf beim Sex arbeitet, desto mehr kannst du die Nummer wirklich genießen! Du brauchst dir keine Gedanken um deine Brüste machen – er wird keinen Fehler darin sehen. Im Gegenteil: Ich bin fest davon überzeugt, dass Typen wackelnde oder hüpfende Brüste doppelt geil finden.

Schließe Freundschaft mit der Reiterstellung

Ich finde es wirklich schade, dass du aus mehreren Gründen keinen Gefallen an der Stellung findest. Denn grundsätzlich kann ich die Reiterstellung allen Frauen eigentlich nur empfehlen, ist sie doch ein echter Orgasmus-Garant. Da du selbst entscheiden kannst, wie tief sein Penis in dich eindringt und du sogar bestimmen kannst, welcher Teil deiner Vagina besonders stimuliert werden soll, könntest du daran vermutlich allergrößte Freude haben.

Am einfachsten ist es, wenn du dein Becken leicht kreisendend bewegst. Mein persönlicher Trick als jahrelange Reiterin (tatsächlich auch auf Pferden und nicht nur auf Männern): Nicht auf und ab hoppeln, sondern sich in kreisenden, ausbalancierten und ruhigen Bewegungen immer tief in den Sattel (also in dem Fall auf den Penis) drücken. Wenn du statt dem Kaninchen-Fick also echte Reitkünste beweist, wackeln a) deine Brüste nicht so und b) bekommt die Stellung eine ganz neue (Orgasmus-)Facette.

An dieser Stelle möchte ich übrigens noch mal erwähnen, wie recht du hast: Natürlich kann die Stellung verdammt anstrengend sein! Er erwartet von dir eine halbe Stunde? Come on, in was für einer Welt lebt dein Typ? Wenn ich das fünf Minuten durchhalte, bin ich schon stolz und sag am nächsten Tag das Beintraining ohne schlechtes Gewissen ab! Also bitte: Lass dich von ihm nicht unter Druck setzen.

Für einen gelungenen Ritt braucht es übrigens weder Yoga, noch heftige Beinmuskeln – es gibt zwei kleine Tricks, mit denen du dir die Stellung entspannter gestalten kannst.

1.  Klemm dir ein Kissen rechts und links unter die Beine

So sitzt du höher und kannst dich leichter mit den Schienbeinen abstützen, während du auf ihm sitzt.

2.  Setzt euch beide hin!

Wenn dir die Stellung mit abgeknickten Beinen unangenehm ist, dann setzt euch doch beide einfach hin, wenn du die Beine um sein Becken legst und ihn an dich heranziehst, wird das Ganze zwar ziemlich intim, aber kann zu einem extrem intensiven Fick werden. Auch wenn zwischen euch eigentlich nicht die allergrößten Gefühle im Spiel sind …

Was mich zu meinem letzten Punkt führt: Sorry, manchmal muss ich leider die Moralapostel-Julie raushängen lassen, aber nur, weil ich weiß, wie wichtig es manchmal sein kann, wenn einem jemand die rosarote Brille von der Nase reißt.

Bevor du dir so viele Gedanken darum machst, wie du deinem Typen gefallen kannst, solltest du lieber mal überlegen, ob er es überhaupt verdient hat, Sex mit dir haben zu dürfen. Es tut mir wirklich leid, aber alles was du schreibst, klingt nicht gerade so, als ob er dich dafür wertschätzen würde, dass er dir seinen Penis in deine heilige Vagina stecken darf. Ja, ich weiß: Ich bin selbst oft genug diejenige, die Arschlöcher verteidigt. Und ich weiß auch, dass man sich gegen seine Gefühle eben nicht wehren kann – auch wenn man selbst gar nicht versteht, warum sie überhaupt (noch) da sind.

Aber manchmal muss man von einem Ausstehenden auch mal einen Dämpfer bekommen, um selbst die Augen aufzumachen und eine Situation so zu sehen, wie sie ist: Tschüss rosarote Brille, hallo Realität! Und da sieht es ehrlich gesagt so aus, als würdest du dir dein Bett mit einem verdammten Fuckboy teilen, der deinen Kummer, die Sorgen, die Selbstzweifel absolut gar nicht verdient hat.

Ich glaube, bevor du an deiner Einstellung zur Reiterstellung arbeitest, sollte er sich erstmal Gedanken über seine Einstellung zu dir machen. Und das kannst du ihm auch gerne so sagen – mit liebsten Grüßen von Julie Schmidt höchstpersönlich! Eigentlich könnte ich mir nämlich gut vorstellen, dass dir die Stellung viel Freude bereiten könnte, allerdings in erster Linie mit einem Typen, der sich eher so wie ein "rassiger Hengst" und weniger so wie ein dämlicher Esel reiten lässt. 

XOXO Julie Schmidt

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Quelle: Noizz.de