Unsere Sex-Kolumnistin beantwortet Fragen der NOIZZ-User.

In ihrer wöchentlichen Kolumne SEX VOR NEUN schreibt unsere Autorin Julie Schmidt jede Woche über – dreimal darfst du raten – Sex. Und wenn sie nicht an ihrem Schreibtisch sitzt? Dann plaudert sie über die schönste Nebensache der Welt. Mit ihren Arbeitskollegen, mit ihren Mädels, mit ihrem schwulen besten Freund und jetzt auch mit den NOIZZ-Lesern!

Denn ab sofort kannst du Julie Schmidt deine Fragen zum Thema Sex stellen – jederzeit und komplett anonym! Schreib ihr dazu einfach eine Message auf Tellonym. Die beste Frage beantwortet sie jeden Montag auf NOIZZ.

Diese Woche: Ich werde beim Sex zu feucht – was soll ich tun?

Hallo Julie, 

leider werde ich beim Sex zu feucht. Mein Partner und ich spüren nichts mehr. Ihn turnt es so ab, dass seine Erektion wieder erschlafft. Mein Frauenarzt meinte nur, andere Frauen würden mich beneiden, und damit war das Thema für ihn erledigt. Ihm ist nicht bewusst, welche Belastung das für mich bzw. für uns ist. hast du für mich Ideen, wie der Sex wieder Spaß machen kann? Liebe Grüße  

Liebe Unbekannte,

also erstmal finde ich es eine absolute Frechheit von deinem Frauenarzt, dass er dein Problem so ignoriert! Glaub mir Girl, es ist an der Zeit, den Arzt zu wechseln!

Denn ganz gleich, was hinter deiner zu starken Lubrikation (das ist der Fachbegriff für Vaginalflüssigkeit) steckt, es ist super wichtig, dass dein Arzt das Thema ernst nimmt.

Fakt ist, dass sich hinter deinem starken Ausfluss mehrere verschiedene Dinge verstecken können: Es kann sein, dass du zu viel von dem Hormon Östrogen produzierst. Lass bitte mal deinen Hormonhaushalt beim Arzt checken, vielleicht kann er dir mit einer anderen Pille ganz schnell helfen, das Problem loszuwerden. Manchmal ist starke Lubrikation auch ein Zeichen für eine sexuell übertragbare Krankheit. Aber um ehrlich zu sein, gehe ich bei dir eher nicht davon aus, weil es ja kein dauerhaftes Problem ist, sondern nur bei Erregung auftritt.

Mein erster also Tipp: Frauenarzt wechseln und Hormonhaushalt checken lassen.

Solange, bis das Problem endgültig geklärt und ärztlich abgecheckt ist, musst du allerdings nicht auf Sex verzichten. Grundsätzlich bin ich auch eher der Meinung, dass es lieber zu feucht im Bett werden soll als zu trocken. Laut einer US-Studie aus dem Jahr 2013 sehen das übrigens auch ein Großteil der anderen Frauen so.

Bringt dir natürlich alles nichts, wenn du so feucht wirst, dass der Sex dir keinen Spaß mehr macht. Glaub mir, ich habe auch schon das eine oder andere Mal mit Rutschgefahr und weniger Empfinden beim Sex zu kämpfen gehabt. Damit du trotzdem wieder etwas mehr Spaß beim Sex haben kannst, kommen jetzt ein paar praktische Tipps:

1. Benutze Tampons

Das klingt jetzt erst mal etwas gewöhnungsbedürftig. Aber lass den Tampon vor dem Sex so lange drin, bis es wirklich los geht. Wenn sich dein Partner damit arrangieren kann (was er sollte), dann kannst du ihn sogar noch beim Vorspiel drin lassen und erst entfernen, wenn er wirklich in dich eindringt. So kannst du schon etwas Flüssigkeit aufsaugen.

2. Mehrere Sex-Häppchen

Sex ist ja nicht nur: Pimmel rein und los geht's! Das Vorspiel ist nicht nur erregend, sondern auch entscheidend. Deshalb finde ich, dass du sämtliche Handlungen, die eher mit der klitoralen Erregung zu tun haben, in den Fokus rücken und vor allem genießen solltest, solange deine Vagina einem Tsunami gleicht. Dasselbe gilt natürlich auch für deinen Freund: Wenn er beim Sex aufgrund der hohen Feuchtigkeit unter der Gürtellinie nicht so viel spürt, dann kannst du ihn ja auch anders glücklich machen: oral, anal oder mit der Hand. Deine divenhafte Vagina sollte euch die Lockerheit im Bett nicht nehmen. Und wenn ihr dann wirklich mal Bock auf ganz normales Gebumse habt, dann verkürzt das Vorspiel oder zieht es einfach schon ein paar Stunden vor.

3. Halte die Beine geschlossen

Auch wenn ich sonst immer propagiere: Spreiz die Beine! – In deinem Fall ist es besser, wenn du auf Stellungen umsteigst, bei denen die Beine möglichst geschlossen bleiben. So entsteht mehr Reibung, und die Wahrscheinlichkeit, dass es zum rausrutschen kommt, ist nicht mehr so groß. Deinem Freund rate ich übrigens, seine Bewegungen eher kurz zu halten. Weites Ausholen, bevor er zustößt, ist absolut tabu! Das kann verdammt noch mal richtig in die Hose gehen – oder eher ins falsche Loch ... und das ist ECHT NICHT schön.

4. Beckenbodentraining – mein Heiliger Gral

Langsam bekomme ich den Eindruck, dass ich hier jedem zweiten den Tipp gebe, Beckenbodentraining zu machen ... Na ja, aber es hilft halt einfach auch. Man muss sich das ja so vorstellen: Wer mal ein echter Pumper werden will, rennt ja auch regelmäßig ins Fitnessstudio, um seinen Bizeps zu pushen. Das gleiche gilt für die Vagina: Wer guten Sex will, der muss das trainieren. In deinem Fall bekämpft das natürlich nur das Symptom, nicht die Ursache: Aber dadurch könntest du es schaffen, dass dein Freund und du wieder mehr beim Sex empfinden.

Ich hoffe, dass dir die praktischen Tipps zumindest als Überbrückung etwas weiterhelfen können – letztlich sollte das Problem allerdings dringend von einem Arzt untersucht werden. Und wehe, der kommt dir wieder mit „Freuen Sie sich doch darüber“ – dann zeig ihm den Mittelfinger und hau ab! ... bis du einen guten Arzt findest, der sich damit auskennt.

XOXO Julie Schmidt

Quelle: Noizz.de