... und bin mir echt nicht sicher, ob ich fündig geworden bin. 

 Unsere Autorin Julie Schmidt schreibt in „SEX VOR NEUN“ über Themen, die die Welt bewegen: Orgasmen, Masturbation und Penisse. Ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen, erklärt sie, was sie über Sex denkt und fühlt und plaudert ein paar Bett-Geschichten aus.

Die Nummer mit dem Fake-Sperma

Falls es euch bisher noch nicht aufgefallen ist: Ich bin sexuell ein sehr aufgeschlossener Mensch. Trotzdem gibt es einfach so einige Bereiche in der Sexualität, die für mich ein absolutes Tabu sind. Ich möchte niemanden dafür verurteilen, wenn er auf gewisse Praktiken steht, aber ich tu es eben nicht. Genauso wie andere es sicher auch nicht geil finden, wenn ich mal wieder wild und laut hinausposaune, dass Schwänze lutschen mein Hobby ist.  

Obwohl ich eigentlich sehr lange der Meinung war, dass ich kein Fetisch habe, lässt mich das Thema jetzt seit ein paar Wochen nicht mehr los. Alles fing mit dem Typen an, der ein Rauchfetisch hatte und mir das Nikotin von der Zunge saugte, wie ein Dementor einem die Seele aus dem Körper.  

F wie Fetisch?

Seit diesem ungewollten Fetisch-Date habe ich mehrere Stunden damit verbracht, intensiv darüber nachzudenken, ob ich auch ein Fetisch habe.  

„Das Problem ist ja, dass ich gar nicht so genau definieren kann, wo ein Fetisch anfängt“, habe ich erst vor ein paar Tagen mal wieder in einem Gespräch mit einer Freundin gesagt, nachdem ich ihr natürlich groß und breit von diesem merkwürdigen Date erzählt hatte. 

Nur weil ich darauf stehe, ab und zu mal richtig hart durchgenommen zu werden, würde ich das jetzt nicht als Fetisch bezeichnen“, erklärte ich. 

„Ich wüsste auch nicht, wie man herausfinden kann, ob man ein Fetisch hat“, sagte sie etwas ratlos.     

Eigentlich bin ich bisher davon ausgegangen, dass jeder insgeheim wissen würde, welches Fetisch er hat. Dass einem irgendwann mal eine Fantasie durch den Kopf schießt und sich daraus ein Fetisch entwickelt. Dann ist mir aber klar geworden: Wer Lack, Leder und Latex (um jetzt mal beim Klassischsten aller Fetische anzufangen) noch nie ausprobiert hat, der kann ja gar nicht wissen, ob einem das gefällt.  

Wenn ich einen Blick in meinen Allday-Kleiderschrank werfe, dann bin ich mir sogar ziemlich sicher, dass in mir ganz still und heimlich auch eine Textil-Fetischistin steckt … oder vielleicht auch nicht?  Denn obwohl ich Kleidung mag, die mit Leder oder Lack abgesetzt ist, schlägt meine Vagina davon sicher keine Purzelbäume. Deshalb dürfte meine Vorliebe für Lack und Leder eigentlich kein Fetisch sein …  

Was ist eigentlich ein Fetisch?  

Als Fetisch gilt, zumindest laut Duden: „Ein Gegenstand, dem magische Kräfte zugeschrieben werden oder subjektiv besondere Bedeutung beigemessen wird“ (OHNE WITZ). In Wirklichkeit geht es natürlich darum, dass man in einer Handlung oder einem Gegenstand, die ursprünglich nicht sexualisiert werden, eine Erregung findet. 

Um noch mal auf meinen Kleiderschrank zurück zu kommen, wenn ich mir ein paar neue Schuhe gekauft habe, dann räkele ich mich mit denen auch im Bett, aber eher, weil ich mich dann so geil finde und nicht unbedingt die Schuhe. 

Tatsächlich gab es in meinem Sexleben erst zwei Erfahrungen, bei denen ich selbst dachte: „Okay jetzt bist du definitiv an der Grenze der Normalität angekommen.“ Beide Male waren so krass, dass ich sie hier jetzt nicht näher ausführen kann … Ich sag nur so viel: Am Ende gab es blaue Flecken, ein paar Tränen und definitiv ein ziemlich feuchtes Bettlaken.  

„Was glaubst du denn, wie man ein Fetisch definieren kann?", hat mich letztens ein Typ gefragt.  

„Ich glaube, dass es heute echt schwer ist, ein Fetisch zu haben. Harter Sex, ein paar Schläge, wenn mir mal die Luft weggedrückt wird – das ist doch inzwischen so normal ... Das würde ich jetzt nicht gerade als Fetisch bezeichnen“, erklärte ich. Das heißt nicht, dass das jeder machen muss. Aber es zeichnet einen jetzt auch nicht gerade als Deutschlands nächste Super-Fetischistin aus, nur weil man es gerne klatschen hört, während man im Bett von hinten gevögelt wird. 

„Stimmt, wenn ich darüber nachdenke, dann ist es wirklich nicht so einfach. Was früher vielleicht mal ein Fetisch war, ist heute echt schon relativ normal“, sagte er nach ein paar Sekunden, in denen er darüber nachgedacht hatte.  

Ab wann ist es denn jetzt ein Fetisch?

Vor ein paar Wochen bin ich kurzfristig mal auf die Idee gekommen, dass ich ein Sperma-Fetisch haben könnte. Das wunderbare an meinem Job ist, dass ich in der Redaktion sitzen und auf irgendwelchen Pornoseiten abhängen kann, ohne einen blöden Kommentar abzukriegen.  Auf der Suche nach etwas Inspiration bin ich auf einen Dildo gestoßen, der Fake-Sperma spritzen kann und war sofort fasziniert

Nicht, dass ich das Bedürfnis nach einem Fake-Sperma-Dildo hätte – aber ich fand es interessant, dass es anscheinend Menschen gibt, die sich gerne mit (Fake-)Sperma einreiben oder was auch immer damit machen. Ursprünglich waren die Flüssigkeiten für Pornoproduktionen gedacht, aber da der Markt auf Amazon so groß ist, glaube ich, dass es definitiv eine kleine Gruppe an Menschen geben muss, die voll auf Sperma stehen – vielleicht gehöre ich irgendwie dazu.  

Denn zu der Gruppe, die Sperma eklig finden, gehört Julie Schmidt definitiv nicht!  

Wenn ein Typ nach dem Blowjob oder dem Sex nicht weiß, wohin mit seinem Ejakulat, dann bin ich die letzte, die ihm ein Taschentuch anbietet … Soll schließlich auch eine gute Gesichtsmaske sein, habe ich zumindest irgendwann mal gelesen.  

„Ich glaube, ich habe mein Fetisch jetzt gefunden ...“, hatte ich darauf gleich meiner besten Freundin bei einem Cocktail und einer Zigarette mit einem breiten Grinsen mitgeteilt.  

„Und?“ – „Ein Spermafetisch“, verkündigte ich stolz. 

Sie lachte: „Ich glaube, auf Sperma stehen mehr Menschen als du glaubst …“, sagte sie mit einem Lachen.   

„Also doch kein Fetisch?“  

Deine Sex-Fragen

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Quelle: Noizz.de