Das war eines der krassesten Erlebnisse meines Lebens.

Unsere Autorin Julie Schmidt schreibt in „SEX VOR NEUN“ über Themen, die die Welt bewegen: Orgasmen, Masturbation und Penisse. Ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen, erklärt sie, was sie über Sex denkt und fühlt und plaudert ein paar Bett-Geschichten aus.

Die Nummer mit dem multiplen Orgasmus

Mein zweiter Name ist Emotion. "Hallo, darf ich vorstellen: Julie Emotion Schmidt" – so würde ich Menschen am liebsten begrüßen, damit sie gleich wissen, was sie erwartet. Egal, welche Art von Emotion: Ob Glück, Trauer, Schmerz, Wut, Zufriedenheit – ich trage sie alle in mir und schleudere sie herum wie ein Hund das Wasser aus seinem nassen Fell.

Egal, wie es mir geht, man kann es mir ansehen. Wenn ich schlechte Laune habe, dann kann ich noch so sehr versuchen, ein professionelles Fake-Lächeln aufzusetzen: Jeder weiß einfach, was los ist und geht dann lieber in Deckung. Denn alle wissen: Don‘t fuck with Julie Emotion Schmidt!

Das macht es für meine Lover übrigens nicht immer ganz so einfach. Denn manchmal können Emotionen auch echt verschreckend sein. Ich meine, es ist manchmal schon erstaunlich, wie schnell sich meine Laune innerhalb von Sekunden von Himmelhoch jauchzend in zum Tode betrübt wandelt. Dann erstickt das ausgelassene Lachen plötzlich in meinem Hals und die Tränen spritzen mir nur so aus den Augen.

Meine Tränenkanäle habe ich manchmal echt nicht unter Kontrolle

Ich fange in den passendsten und unpassendsten Momenten an, zu heulen: Ich heule, wenn mir das Herz gebrochen wird, ich heule, wenn ich glücklich bin, ich heule bei Konzerten, auf der Arbeit, am Strand, in der Bahn, ich heule, wenn ich überfordert und müde bin, ich heule, wenn ich betrunken bin und selbst bei Trash-TV wie Drei Hochzeiten und eine Traumreise kann ich meine Tränen oft nicht zurückhalten.

Es gibt nur eine Sache in meinem Leben, bei der ich mir die Tränen verkneifen kann: Sex. Liegt vielleicht auch daran, dass ich meine überschüssige Körperflüssigkeit dann einfach auf anderen Wege loswerde ... wenn ihr versteht was ich meine.

Immer gelingt mir das aber auch nicht. Ich kann mich da noch an das eine Mal mit Basti erinnern, als ich beim Sex plötzlich losheulen musste und die Welt nicht mehr verstand ...

Ihr wisst inzwischen, dass Basti schneller seine Meinung über unsere Beziehung änderte als ein Ferrari von 0 auf 100 beschleunigen kann. Er hatte mich vor ein paar Wochen mal wieder aus der Wohnung geschmissen und mir verdeutlicht, dass er mich "NIE" wieder sehen wollte ... Und jetzt lag ich doch wieder in seinem Bett – heute kann ich mich gar nicht mehr daran erinnern, wie wir es geschafft hatten, uns doch noch mal zusammenzuraufen.

Woran ich mich hingegen ganz genau erinnern kann, war die Tatsache, dass ich zu diesem Zeitpunkt ein emotionales Wrack war. Jede "Trennung", egal wie kurz oder lang sie andauerte, riss mir den Boden unter den Füßen weg. Ich litt, ich heulte, ich war am Ende meiner Nerven ... zumindest solange, bis sein Name dann doch wieder auf meinem Smartphone-Display erschien. 

Alles war okay vs. Nichts war okay

Ich glaube, Basti wusste ganz genau, was in meinem Herzen für ein Chaos herrschte. Er grinste breit, als er mir die Tür öffnete und mich kurz aber herzlich in seine muskulösen Arme schloss. Diese Begrüßung von ihm war ein unausgesprochenes "Sorry, dass ich mich mal wieder wie der letzte Arsch bekommen habe. In Wirklichkeit will ich dich doch in meinem Leben haben, ich traue mich nur nicht, dir das zu sagen!". Ich nahm es an, wie hätte ich es auch nicht annehmen können, schlug mein Herz doch seit Monaten nur noch für ihn (auch wenn ich mir das Ewigkeiten nicht eingestehen wollte).

Obwohl wir uns länger nicht gesehen hatten und er mir zuvor mein Herz herausgerissen hatte, fühlte es sich an, als hätte die Welt zwischen uns nur kurz still gestanden und würde sich erst jetzt wieder weiterdrehen. Wir waren so vertraut miteinander, dass wir ohne noch mal über die Situation zu sprechen, direkt dazu übergingen, doofe Witze über Fürze, sein verkacktes Studium und meine Abhängigkeit von seinem Schwanz zu machen.

"Du bist doch eh nur gekommen, weil du ohne meinen Penis nicht mehr kannst", grinste er mich irgendwann im Laufe des Abends breit an, während er breitbeinig im Bett lag und demonstrativ in seine Hose griff.

"Stimmt, für mich bist du bloß ein Schwanz", sagte ich und verdrehte daraufhin die Augen. Seine Worte trafen mich mal wieder mitten ins Herz, weshalb ich all meine Schlagfertigkeit verlor und einfach nur ironisch antwortete. Wenn er unsere komische Beziehung absichtlich auf den Sex reduzierte, dann tat das jedes Mal weh und sorgte natürlich auch dafür, dass die Emotionen in mir wieder anfingen zu brodeln: Wut, Trauer, Mitleid, Schmerz, Resignation.

Okay ... in diesem Fall war das gar nicht unbedingt nötig, denn als nächstes sprach er die magischen Worte: "Na, dann komm mal her ...", grinste er jetzt und zog sich seine Hose runter.

Obwohl die Situation für Außenstehende wohl ziemlich unsexy erscheinen mag, blitzte von der einen auf die andere Sekunde die Vorfreude in meinen blauen Augen auf. Das berühmte Blowjob-Glitzern lag wieder in meinem Blick, auf meine Lippen hatte sich ein breites Grinsen gelegt.

Er lachte leise in sich hinein und öffnete langsam meinen BH, während ich schon zwischen seinen Beinen kniete und ihm mal wieder einen legendären Blowjob verpasste. Wie ich da so kniete und voller Leidenschaft meine Zunge um seinen Penis kreisen ließ, fiel mir allerdings eine Sache auf: Es fühlte sich anders an. Nicht sein Penis auf meiner Zunge, aber im Herzen.

Plötzlich war mein emotionales Chaos, das ich vorher so gut unterdrückt hatte, wieder da. Ich lutschte an seinem fucking Schwanz und dachte darüber nach, wie glücklich und unglücklich mich dieser Kerl zugleich machte. Dass, egal, was er mir antat, ich immer wieder zu ihm zurückgehen würde und es trotzdem das Großartigste für mich war, ihm zur Belohnung auch noch einen Blowjob zu verpassen.

Das war der Moment, in dem mir klar wurde: Scheiße, ich glaube du liebst diesen Mistkerl!

Er bekam von all dem Chaos in meinem Kopf nichts mit, sondern genoss einfach nur, wie ich meine Fingernägel in seinen Oberschenkel krallte, während ich gerade dazu übergangen war, vom Penis auf seine Hoden umzusteigen. Das machte ihn wahnsinnig und mich geil, weil er eigentlich darauf abfuhr, aber auch extrem empfindlich an dieser Stelle war. Zwischen Geilheit und Schmerz lagen bei uns immer nur wenige Nuancen ... und zwar nicht nur im Bett.

Eine Welle von Glücksgefühlen rauschte durch unsere Körper

Er presste seinen Kopf ins Kissen, seufzte kurz vor sich hin und drehte sich dann auf mich, um mit seiner magischen Zunge zwischen meine Beine zu verschwinden. In dem Moment, als seine Zunge meinen Körper berührte, fingen meine Beine schon an zu zittern, zwei Minuten später rauschte der erste Orgasmus mit all seinen Glückshormonen durch meine Blutbahn. Er grinste beim Anblick meiner Beine, die ich nicht mehr unter Kontrolle bekam, und drehte mich dann langsam auf den Bauch. Ich reckte ihm meinen Arsch entgegen und drückte meinen Oberkörper fest in die Kissen.

Für ihn war es immer ein Spiel: Er sah mir mindestens genauso gerne dabei zu, wie ich zwischen seinen Fingern zu schmelzender Schokolade in der Sonne wurde, wie ich ihm. Als ich seinen Penis zwischen meinen Beinen fühlte, dachte ich nur: "Oh mein Gott, JA! Das ist das EINZIGE, was ich in meinem Leben will. Ich will diesen Arschloch-Typen für immer an meiner Seite haben!"

Mit jedem Stoß brachte er mich allerdings nicht nur Richtung Orgasmus No. 2 – dieses Mal sorgte er auch dafür, dass während des Sex auf einmal Emotionen in mir aufgewirbelt wurden, die ich sonst beim Sex sehr gut verdrängen konnte. Die Gedanken und Gefühle kamen in Wellen: Liebe, Hass, Dankbarkeit, Wut, Leidenschaft, Trauer, Faszination und Enttäuschung – vermischten sich in meinem Körper gerade zu einem Brei der maximalen emotionalen Überforderung.

Mit jeder Bewegung wimmerte ich auf

Dass er gerade die richtige Stelle in mir gefunden hatte, machte die Sache nicht gerade einfacher. Als er ein weiteres Mal fest zustieß, merkte ich schon, dass da gleich Großes auf mich zurollen würde ...

Mein Herz raste, mein Atem ging schnell, meine Beine zitterten jetzt nicht mehr – sie wackelten. Dann kam der nächste Orgasmus, der mich laut wimmern ließ, obwohl ich mein Gesicht so tief ins Kissen gepresst hatte. Das war viel zu viel für mich: Endlich wieder von ihm gevögelt zu werden, machte mich so glücklich und traurig zugleich, weil die ganze Situation einfach so scheiße kompliziert zwischen uns war, dass ich plötzlich anfing zu heulen.

Ich wimmerte. Er hörte nicht auf. Stieß weiter zu. Ich wimmerte immer noch. Er fuhr mit seiner Hand über meinen Rücken. Ich wimmerte weiter.

"Sag mal ... heulst du?", wollte er jetzt plötzlich wissen und griff in mein Haar, um es mir aus dem Gesicht zu streichen.

"Ja ...", zischte ich zwischen zwei heftigen Atemstößen hervor.

"Alles okay?"

Nein, hier war natürlich gar nichts okay! Aber das war jetzt doch auch scheiß egal, weil sich der zweite Orgasmus schon in Wellen ankündigte. "MACH! EINFACH! WEITER!" Jedes Wort musste ich einzeln zwischen meinen Lippen rauspressen, weil ich jetzt gerade völlig die Fassung über diesen unglaublichen Sex verlor.

Zwischen dem ersten und dem zweiten Orgasmus lagen nur wenige Sekunden. Die Glücksgefühle kamen heftig: ich heulte und wimmerte immer noch, verstand nicht, was gerade mit mir los war, aber für Gedanken blieb jetzt ausnahmsweise mal keine Zeit. Denn der dritte Orgasmus löste den zweiten nahtlos ab: Ich hatte mich inzwischen auf den Rücken gedreht und bäumte mich auf, als wäre ein Geist in mich gefahren.

Die Beine wackelten, mein Atme ging ekstatisch – ich bemerkte gar nicht, dass er schon längst von mir abgelassen hatte und mich einfach nur noch mit glänzenden Augen dabei beobachtete, wie ich auf diesem Bett lag und die komplette Kontrolle über mich selbst verloren hatte.

Für ihn war das großes Kino – für mich eines der heftigsten Erlebnisse meines Lebens. Als ich nach diesem Mega-Orgasmus neben ihm im Bett lag und meine Beine erst langsam anfingen sich wieder zu beruhigen, dachte ich nur: "Was zur Hölle war das und warum ist das Kopfkissen so nass?"

Basti gab mir mit einem breiten, stolzen Grinsen die Antwort: "Ich habe es noch nie geschafft, eine Frau zum multiplen Orgasmus zu bringen."

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Quelle: Noizz.de