Sobald es draußen kühler ist, macht es wieder Spaß, sich auszuziehen.

Unsere Autorin Julie Schmidt schreibt in „SEX VOR NEUN“ über Themen, die die Welt bewegen: Orgasmen, Masturbation, Penisse und Co. Sex ist wichtig und völlig normal. Ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen, erklärt sie, was sie über Sex denkt und fühlt und plaudert ein paar ihrer schönsten und schlechtesten Sex-Geschichten aus.

Die Nummer mit dem Trenchcoat

Ich trauere dem Sommer jetzt schon nach. Ich meine: Letzte Woche waren es noch 37 Grad, und mit einem Wimpernschlag ist es 20 Grad kälter, und ich muss wieder anfangen, STRUMPFHOSEN zu tragen. Damit ist der Sommer offiziell vorbei: Keine nackte Haut mehr.

Na ja, ganz stimmt das nicht ... Denn sobald die Temperaturen unter 25 Grad fallen, habe ich endlich auch mal wieder Spaß daran, mich abends auszuziehen und an einem nackten Männerkörper aufzuheizen.

Realistisch betrachtet, ist es natürlich immer noch warm - im Frühling würden sich die 22 Grad anfühlen, als wäre gerade die Hitzewelle ausgebrochen -, aber jetzt, zum Spätsommer hin, bekomme ich den Drang, auch bei 22 Grad den kuscheligen Oversize-Pulli aus dem Schrank zu kramen. Der Vorteil: Es macht endlich mal wieder Spaß, sich für Sex an- und dann vor allem wieder auszuziehen.

Das war übrigens schon immer so …

Da lief gerade diese Nummer mit Jason. Ich hatte mich ein bisschen in seinen Schwanz verliebt, weil wir zusammen schnell festgestellt hatten, dass wir gemeinsam gerne unsere Grenzen austesten. Unsere ganze Beziehung war vor allem auf Sex ausgelegt. An einem Spätsommerabend lag ich in der Badewanne (ist bei 21 Grad Außentemperatur durchaus berechtigt) und fantasierte ein bisschen vor mich hin. Jason schrieb mir, ob ich vorbeikommen wollte. Und wie ich kommen wollte – in meiner Vagina flogen die sexbesessenen Schmetterlinge Loopings.

Meine Laune war wahnsinnig gut: Ich hatte gerade meinen Kleiderschrank mit ein paar neuen Klamotten aufgefrischt und mich unsterblich in einen schwarzen Trenchcoat verliebt. Den ganzen Tag war ich in der Wohnung damit rumgelaufen und hatte ihn zu verschiedenen Outfits kombiniert. Als Jasons Nachricht auf meinem Bildschirm erschien, war mir klar: Ich musste diesen Trenchcoat anziehen ... NUR diesen Trenchcoat! Okay, vielleicht auch noch ein bisschen Unterwäsche.

Statt stundenlang vor dem Kleiderschrank zu verbringen, schrieb ich Jason, direkt nach meinem Bad, dass ich fertig war und ob er alleine sei. Er fragte zwar erst, warum, bejahte die Aussage dann aber. Ich dachte mir also nichts dabei, schnappte mir noch meine Lack-Highheels und stieg ins Auto.

Er ließ den Mantel von meinen nackten Schultern gleiten

Als ich vor seiner Haustür stand, bekam ich einen Adrenalin-Kick. Ehrlich: Ich habe ich selten so sexy gefühlt wie in diesem Moment. Er öffnete die Tür und grinste mich breit an. Wahrscheinlich hatte er die Lunte schon gerochen: Nach einem Begrüßungskuss fing er sofort an, sich an meinem Mantel zu schaffen zu machen.

Er öffnete ihn, ließ seinen Blick über meine nackte Haut wandern, und ich musste einfach nur grinsen wie ein bekifftes Eichhörnchen. Von wegen nur Männer können schwanzgesteuert sein, ich bin darin mindestens genauso gut. Der Kuss hatte die Hormone in mir explodieren lassen, ab diesem Moment übernahm meine Vagina.

Den Mantel hatte er mir, noch bevor ich ins Wohnzimmer eintreten konnte, von den Schultern gestreift, und ich dachte mir: Okay, das wird heute eine richtig krasse Nummer.

Das Wohnzimmer war aufgeheizt – er hatte den Kamin angemacht. Ja, okay das ist bei 21 Grad Außentemperatur nun wirklich etwas übertrieben, aber er hatte den Kamin genutzt, um die Kohle für seine Shisha anzuzünden.

Er grinste breit, als ich meinen Blick durch den Raum wandern ließ

Letztendlich war mir das alles ganz egal. Ich sah nur die Shisha auf dem Tisch und dachte mir: Geil, kann der Tag noch perfekter werden?

Nein, konnte er tatsächlich nicht. Denn als ich meinen halbnackten Körper auf der Couch positioniert hatte und mich nach ihm umsah, bemerkte ich auf einmal einen anderen Typen neben ihm stehen. Jason grinste wie der größte selbstgefällige Wichser des gesamten Planeten, sein Kumpel sah dagegen etwas peinlich berührt aus.

Ich hatte jetzt zwei Möglichkeiten: Entweder konnte ich aufstehen, ihm vorher noch eine Ohrfeige verpassen und gehen ... Dann fiel mir allerdings ein, wie unfassbar gut unser Sex war und dass meine Vagina bestimmt sehr traurig gewesen wäre, wenn ich unsere Liaison wegen so einer Aktion beendet hätte. Deshalb entschied ich mich für Variante zwei: Ich lächelte ihn an, sagte „Du bist so ein Arschloch“ und griff dann nach dem Shisha-Schlauch.

Letztendlich hatte sich diese entspannte Reaktion gelohnt: Denn sobald der andere Typ weg war, entschuldigte er sich sehr aufopferungsvoll mit heißem Sex vor dem Kamin. Und zwar nicht nur an diesem Abend – den ganzen Herbst waren sein Schwanz und er dafür da, mich auszuziehen … Einen derartigen Nacktauftritt gab es dafür nie wieder ... und das ist auch besser so. Warum? Das erfahrt ihr ein anderes Mal!

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Quelle: Noizz.de