SEX VOR NEUN: Nach dem Sex zog ich mich sofort an und ging

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Manchmal muss Frau nach dem Sex einfach aufstehen und gehen ... Foto: Mr Wong / unsplash.com

Ich hätte ihm nicht besser den Mittelfinger zeigen können.

Unsere Autorin Julie Schmidt schreibt in „SEX VOR NEUN“ über Themen, die die Welt bewegen: Orgasmen, Masturbation und Penisse. Ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen, erklärt sie, was sie über Sex denkt und fühlt und plaudert ein paar Bett-Geschichten aus.

Die Nummer mit dem „Fuck and go“

Ich bin eigentlich ein sehr harmonischer Mensch. Auch was mein Sexleben angeht, versuche ich, mit meinen Fuck-Buddys immer auf einen grünen Zweig zu kommen. Trotzdem gibt es manchmal eben Meinungsverschiedenheiten oder kleinere Streitereien wegen Lappalien, denen ich dann eben doch nicht aus dem Weg gehen kann.

Eine Freundin hat mir letztens von ihrem aktuellen Typen erzählt, der sie nach einem Streit einfach so auf die Straße gesetzt hat.

„... Oh, davon kann ich dir ein Liedchen singen. Weißt du noch, Basti? Der hat mich alle paar Monate rausgeworfen und mir das Gefühl gegeben, dass unsere Beziehung – oder was das sein sollte – jetzt auf jeden Fall beendet wäre“, sagte ich ihr.

Ich finde es nur so unfair“, jammerte meine Freundin. „Ich habe jedes Mal das Gefühl, dass er mich einfach nur verarschen will ...“

„Machtdemonstration!“, fiel ich ihr ins Wort. „Ich will jetzt hier nicht den Moralapostel spielen, und du musst selbst wissen, worauf du dich da einlässt. Aber wenn er immer wieder dieses Macht-Ding abzieht, dann ist das alles andere als eine gesunde Beziehung.

Toxische Beziehungen sind scheiße, ABER ...

Ich wusste leider sehr genau, wovon ich sprach: Denn mit Basti hatte ich all das am eigenen Leibe erlebt. Er war von Anfang an ein riesen Arsch, aber er war eben mein Arsch, und das mochte ich so an ihm. Wir beide waren wie zwei Magneten, die ihre Pole switchen konnten. Mal herrschte zwischen uns eine Anziehungskraft, der wir beide nicht widerstehen konnten, dann stießen wir uns wieder voneinander ab, wie es nur zwei Minus-Pole konnten. Es war ein ständiges Auf und Ab, Hin und Her, Plus und Minus. Unsere Sexbeziehung hielt lange, wurde aber immer wieder von seinen Versuchen, unsere Sex-Beziehung zu sabotieren, unterbrochen.

„Ich würde ihm auch gerne einfach mal zeigen, wie scheiße es sich anfühlt, stehen gelassen zu werden“, sagte meine Freundin. – „Schon mal an Fuck and go gedacht?“ – „Ähm ... Fuck and was?“

Ich versuchte, ihr die Sache näher zu bringen. „Na ja, wenn du den Spieß einfach mal umdrehst, dann merkt er vielleicht, dass du a) nicht das abhängige Hündchen bist und immer nach seiner Pfeife tanzt, und b) gibt dir das ein echt gutes Gefühl, weil du endlich mal das Ruder in der Hand hast.“

Ich hatte lange gebraucht, bis ich meine Harmoniesucht mal ausgeschaltet und Basti gezeigt hatte, dass er eben nicht alles mit mir machen konnte, und das hatte sich verdammt gut angefühlt.

Wie gesagt: Basti und ich hielten es maximal drei Monate ohne Riesen-Clash miteinander aus. Dann fand er immer einen Grund, um unsere Beziehung kurzerhand auf Eis zu legen. Damals verzweifelte ich an den Gründen dafür, heute gehe ich einfach davon aus, dass er mit der Intimität, die zwischen uns herrschte, nicht umgehen konnte.

Nach einem fiesen Streit, in dem echt miese Worte gefallen waren, und einem Rausschmiss aus seiner Wohnung, war also mal wieder Funkstille zwischen uns.

Bis er sich an einem Samstagabend gegen 23 Uhr mit einer Nachricht auf meinem Handy-Display wieder in mein Leben schlich.

„Was machst du?“

Ich lag in der Badewanne und hatte vielleicht ein klitzekleines bisschen darauf gehofft, dass er sich melden würde. Denn ich hatte ihm nach der letzten Scheißnummer, die er abgezogen hatte, einiges zu sagen. Leider nicht, dass es AUS UND VORBEI war, sondern mehr so ein Vorschlag, wie es weitergehen könnte ... was vielleicht auch damit zusammenhing, dass sich meine Vagina Hals über Kopf in seinen verdammten Penis verliebt hatte. 

Ich war also offen für eine weitere (erbärmliche) Runde „Lass es uns noch mal probieren“. Zu diesem Zeitpunkt gab es davon bestimmt schon drei oder vier Stück, die Pause, die wir gerade hinter uns hatten, war allerdings die längste, und das war auch gut so. Denn in der Zeit hatte ich Kraft getankt, war mir im Klaren darüber geworden, dass ich gerne weiter Sex mit ihm hatte, aber unter anderen Bedingungen. Falls es jemanden interessiert: Heute glaube ich, dass das einer der dümmsten Fehler meines bisherigen Lebens war, aber okay – Fehler müssen sein und Tränendrüsen eben regelmäßig geleert werden.

Ich wollte eine Entschuldigung und bekam das Gegenteil

Ich fuhr an diesem Abend mit der Erwartung zu ihm, dass er sich für seinen letzten Streitanfall aufrichtig entschuldigen oder mich zumindest mit dem Respekt behandeln würde, den man jemanden gegenüber hat, wenn er einem einen Fehler verzeiht.

Er öffnete mir die Tür mit einem Grinsen, ich lächelte. Dann ließ er mich rein und kniff mir, als ich an ihm vorbei schlich, in den Po. Okay, also Sex würde er mir heute definitiv nicht verwehren, aber eigentlich war ich gekommen, um ihm eine Standpauke zu halten und eine Entschuldigung zu kassieren.

„Du siehst gut aus! Wie geht es dir?“, fragte er mich in seiner typischen Basti-Art. Er wollte eigentlich nicht wirklich wissen, wie es mir ging, sondern mich mit seinem gespielten Interesse manipulieren. Ein paar nette Worte, und schon sollte die kleine Julie wieder so von seinem Charme eingelullt sein, dass sie ihm wie immer alles verzeihen würde.

„Gut und dir?“ Dass ich mich mit meinen Worten so zurückhielt, verwunderte ihn. Bisher kannte er nur die harmoniesüchtige und verständnisvolle Julie, die immer bereit war, über ihre Emotionen und noch viel mehr über seine zu plaudern.

„Die letzten Wochen waren ziemlich schwierig. Ich hatte da so eine andere Frau und ...

Ich konnte nicht glauben, dass er mir jetzt ausgerechnet das erzählte! Eine andere Frau? Schön für ihn. Schade nur, dass er jetzt ausgerechnet wieder mich zu sich eingeladen hatte, dann musste das mit der anderen Frau ja wunderbar funktioniert haben. In mir wuchs ein Klumpen aus Wut und Hass. Wem spielte ich hier eigentlich was vor? Basti würde sich nie ändern, und unsere Sex-Beziehung würde auch nie unter anderen Bedingungen funktionieren.

Innerlich kochte ich vor Wut wie eine Tomatensoße, die überall auf den weißen Fliesen rote Sprenkel hinterlässt. Äußerlich zeigte ich ihm das aber nicht, denn eine Julie-Explosion war genau das, was ihm den besonderen Kick gab.

Ich unterbrach ihn. „Das freut mich für dich!“

„Ja, das war echt krass ... Sie war echt eine Traumfrau“, faselte er. „Basti, ganz ehrlich: Das interessiert mich eigentlich nicht. Ich bin nicht dein emotionaler Mülleimer.HA! Ich war gut, ich war stark, ich war eine neue Julie!

Dachtest du etwa, dass ich dir hinterher weine?“, fragte er mich daraufhin völlig abgebrüht.

Ich brauchte ein paar Sekunden, um zu checken, dass es wieder sein manipulativer Mist war, den er gerade versuchte, raushängen zu lassen. Natürlich hatte ich gehofft, dass er mir hinterher weinen würde, und um ehrlich zu sein, glaubte ich auch jetzt noch, dass er es tat: Warum sonst sollte er mich eingeladen haben? Trotzdem hatte ich auf seine Scheiße keinen Bock mehr. Ich wollte nicht weiter die Julie sein, die sich alles von ihm gefallen ließ, nur weil sein Penis einem Zauberstab glich, der meine Vagina verhext hatte.

Plötzlich tat sich eine neue Handlungsmöglichkeit auf

Ich weiß nicht, woher ich damals diese Eingebung hatte, aber ich bin heute extrem glücklich, dass eine Göttin sie mir schickte. Bis zu diesem Zeitpunkt waren diese Momente mit Basti immer in emotionalen Streitereien geendet, in denen ich meistens den Kürzeren zog. Diesmal aber nicht.

„Weißt du was?“ Ich richtete mich auf und sah ihn mit einem brennenden Blick an. Er grinste wie der Satan persönlich. „Entweder du vögelst mich jetzt, oder ich gehe.“ Ich zeigte keine Emotionen, was ihn extrem verwunderte.

„Oh-kay ...“, er war kurz etwas perplex, willigte dann aber ein.

Ich zog wie eine Maschine meine Hose, das Top, den BH und den Slip aus und wartete darauf, dass er es mir gleichtat. Ich brauchte von ihm keine Entschuldigung erwarten – die würde ich niemals bekommen. Meine Vagina war dagegen nicht ganz so nachtragend, also sollte wenigstens sie ein Erfolgserlebnis an diesem Abend haben.

Und dann vögelten wir – ohne noch ein weiteres Wort zu verlieren. Hart, schnell, langsam, von vorne, von hinten, mal war er oben, mal unten. In diesem Moment war alles egal. Seine Worte waren an einer Schutzmauer abgeprallt, die ich mir in den letzten Wochen errichtet hatte. Das Einzige, was zählte, war meine Befriedigung. Ich wollte einfach nur meinen Sex bekommen und ließ ihn das machen, was er am besten konnte: Mich richtig durchnehmen.

Mal kniete ich vor dem Bett, mal auf dem Bett, mal saß ich auf ihm drauf, mal krallte ich meine Fingernägel extra tief in seine Haut, um ihm etwas weh zu tun, mal zog er meinen Kopf an den Haaren zu seinem Mund, dann klatschte er mir mit der Hand auf den Arsch. Es machte mich an, vor allem, weil während dieser Nummer ein Plan in meinem Kopf heranreifte.

Nachdem wir beide nach dem Sex schwer atmend voneinander abließen, setzte ich mich auf die Bettkante.

„Bist du fertig?“, fragte ich ihn. Er grinste, platzierte völlig fertig einen Kuss auf meinem Schulterblatt und hauchte ein leises und glückliches „Ja“ in mein Ohr.

„Gut.“ Ich nickte, sprang vom Bett auf und zog mich auf der Stelle wieder an.

Fuck and go

„Ich gehe“, sagte ich, nachdem ich in meine Hose und mein Top geschlüpft war, und ließ ihn in seinem Zimmer zurück. Dieses verdatterte Gesicht hatte ich an Basti vorher noch nie gesehen. Er hatte wahrscheinlich mal wieder mit einer emotionalen Julie-Diskussion gerechnet, aber sicher nicht damit, dass ich ihn nach so einem heißen Fick einfach stehen lassen würde.

Als ich die Haustür schon geöffnet hatte, stand er plötzlich hinter mir.

„So war das nicht gemeint“, sagte er, sein Ton klang entschuldigend. Ich glaube, in dem Moment hatte er wirklich Schiss, dass ich ernst machen und nie wieder zu ihm zurückkehren würde.

„Ich weiß, ich hatte einfach nur kein' Bock auf dein Theater“, sagte ich, lächelte über meine Schulter hinweg und ließ ihn stehen.

Deine Sex-Fragen

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Quelle: Noizz.de