Kann geil sein, kann aber auch heikel werden.

Unsere Autorin Julie Schmidt schreibt in „SEX VOR NEUN“ über Themen, die die Welt bewegen: Orgasmen, Masturbation und Penisse. Ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen, erklärt sie, was sie über Sex denkt und fühlt und plaudert ein paar Bett-Geschichten aus.

Die Nummer mit dem Kontrollverlust

Ich bin eigentlich ein kleiner Kontrollfreak. Sorry, Sternzeichen Jungfrau halt. Ja, ich bin verdammt perfektionistisch, glaube, dass ich alles sowieso am besten alleine kann, grübele ständig vor mich hin und versuche immer, die Kontrolle zu behalten. Es gibt nur eine einzige Sache, bei der ich mich voll und ganz fallen lassen kann: Sex.

Das ist ja eigentlich auch eine schöne Sache, schließlich predige ich euch in jeder zweiten Kolumne, wie wichtig es ist, im Bett einfach mal loszulassen und nur noch auf sein Verlangen zu hören. Wenn ich an die ganzen Orgasmen in meinem Leben denke, dann bin echt froh darum, dass ich selbst meinen Kontrollverlust so perfektioniert habe.

Allerdings kann das auch echt zu einem Problem werden … 

"Ich habe meine scheiß Tage immer noch nicht bekommen", habe ich letztens völlig aufgelöst beim Essen mit meiner besten Freundin rausgehauen. Vor uns standen Sommerrollen und Red-Thai-Curry – haha, wie ironisch.

"Die kommen schon noch …", versuchte sie mich zu besänftigen. In Wirklichkeit wusste sie aber, dass sie sich diese Worte auch hätte sparen können – denn neben meiner Rolle als Kontrollfreak war ich auch ausgezeichnet darin, die Drama-Queen zu mimen.

Blöderweise hatte ich ein paar Tage zuvor einen kleinen sexuellen Ausrutscher mit einem Typen, der mir jetzt im Nachhinein dann doch etwas Panik bereitete. (FYI: Ja, wir haben Kondome benutzt, aber eins davon war eben kaputt gegangen). 

Zwischen Marvin und mir hatte es direkt gefunkt. Ein Blick in seine grünblauen Augen – boom! Das gleiche hatte er sich wohl auch bei mir gedacht … Okay, erst hatten sich seine Blicke auf meine Brüste konzentriert, aber später hatte er mir auch mehrmals Komplimente für meine eisblauen Augen gemacht.

Nachdem wir uns ganz zufällig in einer Bar, in der wir beide mit unseren Freunden unterwegs waren, an einen Tisch gesetzt hatten, dauerte es nur wenige Minuten, bis uns beiden klar war, wie der Abend enden würde: gemeinsam im Bett. Schon als er zum ersten Mal seine Hand auf mein Bein legte und mich lachend an sich zog, um einen seichten Kuss in meiner Halsbeuge zu platzieren, schaltete meine Vagina meine Synapsen auf Sex … oder wohl besser gesagt Eskalation.

Ich weiß wirklich nicht, WAS genau dann in meinem Kopf passiert, aber rationale Gedanken haben ab diesem Moment keine Chance mehr. Als würde plötzlich ein Dämon in mir erwachen: Ich glaube übrigens auch, dass man mir das ansieht. Ein Ex-Freund meinte mal zu mir:

"Julie, du hast so einen Sex-Blick!"

Das Problem an der Sache ist, dass mir ab diesem Zeitpunkt alles scheiß egal ist. Dieser andere Typ, der mir seit Wochen im Kopf herumschwirrt, es aber unnötig kompliziert macht? I don’t give a fuck! Diese eine Story, an der ich gerade arbeite? I don’t give a fuck! Dieser Ring an seinem Finger? I don’t give a fuck!

Der einzige Fuck, der mich in dem Moment mit Marvin interessierte, war der, der mir am Ende auch wirklich einen Orgasmus bescheren sollte. Jetzt zählten nur dieser Typ, sein Penis und seine verdammt weichen Lippen, die er nun zum wiederholten Male auf meine drückte. Mich störte auch nicht, dass uns die anderen Leute dabei beobachteten, wie er seine Hand unterm Tisch ganz langsam in meine Hose schob – um ehrlich zu sein, machte es mich sogar noch mehr an. 

"Fuck, ich hab so Bock auf deinen Schwanz", raunte ich ihm daraufhin ins Ohr und platzierte danach einen kaum spürbaren Kuss an seinem Hals. Er grinste und griff mit der Hand, die nicht in meiner Hose steckte, nach meinem Kinn, um meinen Kopf zu sich zu drehen und mir noch einmal einen Zungenkuss zu geben.

Den Jacky-Cola, der zwischen uns auf dem Tisch stand, tranken wir an diesem Abend nicht mehr aus. Stattdessen zog ich ihn wenige Minuten später aus der Bar, weil meine Vagina mir mit einem deutlichen Kribbeln gezeigt hatte, dass es jetzt sofort Zeit für Sex war.

Wenn ich Bock habe, bin ich nicht mehr zu bremsen

Meiner Freundin gab ich über die Schulter nur ein kurzes Zeichen, fragte aber nicht mehr nach, wie sie eigentlich nach Hause kam und ob bei ihr alles okay war. Ein weiteres Zeichen dafür, wie weit die Situation schon wieder eskaliert war. Denn egal, welche meiner Freundinnen ihr fragen würdet, eigentlich ist mein Spitzname auch "Muddi" und ich passe immer auf alle auf.

Na ja, außer auf mich ... Denn ich landete nur wenige Minuten später mit diesem Typen in einem Hauseingang und war gerade dabei, ihm auf offener Straße die Hose von den Beinen zu streifen. Er säuselte mir ein "Du bist der absolute Wahnsinn" ins Ohr … Wie recht er in dem Moment doch hatte.

Es folgte die komplette Nummer: Ich kniete mich vor ihn, leckte mir noch mal über die Lippen, schenkte ihm einen Fick-Blick und kam dann meiner Lieblingsbeschäftigungen nach. Kurz darauf zog er mich zu sich hoch, presste mich gegen die Wand und ließ seine Hände zu dem Körperteil wandern, der schon vor Stunden die Kontrolle über mich gewonnen hatte.

Tja, der Abend endete damit, dass wir bestimmt vier Nummern schoben – alleine zwei davon auf dem Weg zu seiner Wohnung.

Manchmal geht es auch ohne Kontrolle gut

Und nun saß ich hier beim Essen und litt lautstark und ohne Rücksicht auf die anderen Gäste vor mich hin: "Ich verstehe einfach nicht, warum ich beim Sex immer so eskalieren muss? Ich kann nur ganz oder gar nicht", sagte ich jetzt, bevor ich an meinem Becks Lemon nippte.

Meine Freundin lachte und schüttelte leicht mit dem Kopf: "Beim nächsten Mal achte lieber darauf, dass das Kondom ganz bleibt ... aber glaub mir: alles wird gut", sagte sie mit einem Lächeln. Und sie sollte recht behalten: Als ich nach Hause kam, tanzte die Rote Zora in meinem Slip schon Tango. 

Deine Sex-Fragen

Übrigens: Wenn du mir Fragen zum Thema Sex stellen willst, kannst du das jederzeit machen – und zwar komplett anonym! Schreib mir dazu einfach eine Message auf Tellonym. Die besten Fragen beantworte ich nächste Woche auf NOIZZ!

Quelle: Noizz.de