Manche nehmen Facebook auch in Schutz.

Vielleicht hast du’s schon gesehen: Facebook hat vor einigen Tagen ein neues Feature eingeführt, einen Like-Button in Form einer Regenbogen-Fahne. Neben dem altbekannten „Gefällt mir“ und Reaktionen wie „Wow“ oder „Love“ kannst du damit Beiträge markieren. Freigeschaltet ist der Regenbogen für User, die Facebooks offizielle LGBTQ-Seite geliket haben.

Der neue Button kommt pünktlich zum „Pride Month“ eingeführt: Im Juni feiern Schwule, Lesben, Bi- und Transsexuelle die Fortschritte, die sie nach jahrelanger Diskriminierung erreicht haben. Es handelt sich offenbar um ein temporäres Feature, das nach dem „Pride Month“ wieder verschwinden wird.

Doch der Button sorgt für Diskussionen – weil er ausgerechnet in Russland nicht verfügbar ist. Wer dort einen Post aufruft, der im Ausland damit markiert wurde, sieht den Regenbogen nicht. Das haben uns mehrere Facebook-Nutzer bestätigt.

Brisant ist das, weil Russland nicht gerade als tolerant gegenüber Homosexuellen gilt. 2013 verabschiedete das russische Parlament ein Gesetz gegen vermeintliche Homosexuellen-Propaganda. Es verbietet öffentliches Reden über Schwule und Lesben vor Jugendlichen.

Auf den fehlenden Regenbogen-Like hat die amerikanisch-russische Journalistin Masha Gessen aufmerksam gemacht – in einem Facebook-Post. Darin vermutet Gessen, Facebook habe in Russland „aus Angst“ vor dem Anti-Homosexuellen-Gesetz auf den Regenbogen verzichtet. Sie kritisiert Facebook massiv. Das Gesetz sei „vage“ und werde „selten umgesetzt“. Facebook sei also übervorsichtig, agiere mit „übermäßiger, unnötiger Folgsamkeit“. Das findet Gessen „ekelhaft“.

Facebook will sich nicht zu dem Vorwurf äußern, das Fehlen des Regenbogens in Russland habe etwas mit dem Gesetz zu tun. Ein Sprecher bestätigt nur, dass „die Regenbogen-Reaktion in manchen Ländern noch nicht verfügbar“ sei. Laut Masha Gessen zählt auch Malaysia dazu – ein Land, in dem Homosexualität unter Strafe steht.

Markus Ulrich vom Lesben- und Schwulenverband (LSVD) begrüßt den Regenbogen-Like grundsätzlich: „Wir haben wahrgenommen, dass der Button eingeführt wurde“, sagt er zu NOIZZ. „Und wir finden es grundsätzlich gut, wenn Unternehmen zeigen, dass sie für Akzeptanz von Lesben, Schwulen und Transgender stehen.“

Die Nichteinführung in Russland sei schwer zu bewerten.

„Natürlich könnte man sagen, das ist eine gewisse Doppelmoral, mit diesem Button für LGTB-Rechte einzutreten und ausgerechnet in Russland darauf zu verzichten. Aber Unternehmen müssen sich an geltendes Recht halten.“

Quelle: Noizz.de