Unsere Sex-Kolumnistin beantwortet Fragen der NOIZZ-User.

In ihrer wöchentlichen Kolumne SEX VOR NEUN schreibt unsere Autorin Julie Schmidt jede Woche über – dreimal darfst du raten – Sex. Und wenn sie nicht an ihrem Schreibtisch sitzt? Dann plaudert sie über die schönste Nebensache der Welt. Mit ihren Arbeitskollegen, mit ihren Mädels, mit ihrem schwulen besten Freund und jetzt auch mit den NOIZZ-Lesern!

Denn ab sofort kannst du Julie Schmidt deine Fragen zum Thema Sex stellen – jederzeit und komplett anonym! Schreib ihr dazu einfach eine Message auf Tellonym. Die beste Frage beantwortet sie jeden Montag auf NOIZZ.

Diese Woche: Ich bin Jungfrau und schaue regelmäßig Pornos – ist das ein Problem?

Hallo liebe Julie,

ich (w/17) schaue oft und gerne Pornos, die mich eben einfach anmachen und durch die ich einfach schnell kommen kann. Ich hatte mein erstes Mal noch nicht und ich frage mich immer öfter, ob es schwierig für mich wird, zu kommen oder sogar schon erregt zu werden, wenn ich das davor fast nur mithilfe von Pornos geschafft habe. Wenn das der Fall ist, was soll ich tun? 

Liebe Unbekannte,

ich weiß nicht, ob dir das bewusst ist, aber deiner und meiner Generation wird immer wieder vorgeworfen, dass wir „overporned and underfucked“ seien. Bedeutet: Weil sich der Zugang zu Pornografie und Sexualität in den letzten 10 Jahren stark vereinfacht hat, wollen wir angeblich alle nur noch Pornos gucken, anstatt echten Sex zu haben. Und wenn wir dann doch mal mit jemandem in die Kiste steigen, dann haben wir angeblich so unrealistische Vorstellungen, dass wir alle mindestens eine kleine sexuelle Störung haben.

Das ist zumindest der Eindruck, der einem suggeriert wird, wenn man das Thema mal googelt. Und ja, tatsächlich ist es wissenschaftlich erwiesen, dass durch erhöhten Pornokonsum eine Störung der Sexualität ausgelöst werden KANN – das heißt aber noch lange nicht, dass sie ausgelöst werden MUSS!

Wahrscheinlich kannst du dir schon denken, dass ich entgegen der gängigen Meinung („dass Pornos absolut schlecht für die Entwicklung der eigenen Sexualität sind ... blahblahblah...“) finde, dass am Konsum der Sex-Filmchen per se erstmal nichts Schlimmes dran ist.

Allerdings nur unter einer bestimmten Voraussetzung: Dem Konsumenten muss bewusst sein, dass in einem Porno kein realer Sex gezeigt wird, sondern nur ein überspitztes Klischee. Wenn du jetzt zum Beispiel bei Netflix eine Liebes-Komödie guckst, dann ist das ja auch nur geschauspielert und man erfährt nicht, was vor oder nach den gezeigten Ausschnitten passiert.

Problematisch am Porno-Konsum ist eigentlich nur, wenn man nicht mehr unterscheiden kann, was gefakte und was echte Sexualität ist. Du solltest nicht die Erwartung haben, dass ein Typ, mit dem du die ersten Male Sex haben wirst, genauso lange durchhält und so viele Stellungen durchturnt, wie in einem Porno. Und du solltest auch nicht von dir selbst erwarten, dass du direkt beim ersten Mal zum Super-Orgasmus kommst und dir einen Penis so tief in den Rachen stecken kannst, dass er unten fast wieder rauskommt, nur weil es die Mädels in den Filmen angeblich können.

Aus meiner eigenen Erfahrung heraus, kann ich dir allerdings sagen: Selbstbefriedigung ist nicht gleich Sex. Ich liebe Masturbation – ich kann mich innerhalb von Sekunden in einen Erregungszustand versetzen und zum Orgasmus bringen ... Allerdings sind Sex und Masturbation für mich zwei völlig unterschiedliche paar Schuhe. Wenn ich mir das Bett mit einem Typen teile und er mich anfasst, dann reagiere ich auf gewisse Berührungen ganz anders und viel sensibler, als beim Masturbieren.

Um ehrlich zu sein, glaube ich in deinem Fall aber nicht, dass dir dein Pornokonsum zum Verhängnis wird. Denn alleine durch deine Frage zeigt sich ja schon, dass du dein Verhalten reflektieren kannst. In einer aktuellen Studie der Universitäten Münster und Hohenheim in Stuttgart ist übrigens herausgekommen, dass fast die Hälfte der 1.048 befragten 14- bis 20-Jährigen schon mal einen „Hardcore-Porno“ gesehen haben. Das wirst du wahrscheinlich besser wissen, als ich, aber Porno-Konsum ist nichts wofür man sich schämen muss. Man muss eben nur einordnen können, was einem da gezeigt wird.

Den wichtigsten Rat den ich dir mit auf den Weg geben kann: Stress dich nicht! Ich glaube, dass du schon sehr reflektiert mit der Situation umgehst und dass die Gedanken und Ängste, die man vor dem ersten Mal hat, relativ normal sind. Wenn du dein erstes Mal hattest, wirst du vielleicht merken, dass Porno und Sex zwei völlig unterschiedliche Dinge sind.

Solltest du allerdings auf „Nummer Sicher“ gehen wollen, dann würde ich sagen: Lass die Pornos mal weg und versuche dich alleine mit deiner Fantasie zu beschäftigen. Die Bilder im Kopf hat man beim echten Sex auch, wer sagt, dass dafür immer ein Streifen auf dem Laptop oder dem Smartphone laufen muss?

Ich wünsche dir auf jeden Fall echt viel Spaß bei deinen ersten Malen! Sei nicht zu streng mit dir oder deinem Partner und lass dich von niemandem stressen – Sex ist am besten, wenn man sich darauf einlässt und mal für eine gewisse Zeit aufs Overthinking scheißt! 

XOXO Julie Schmidt

Quelle: Noizz.de