Fotograf und Multitalent Paul Ripke hat für BVG und Ravensburger ein paar schnieke Puzzle-Motive fotografiert. Im NOIZZ-Talk verrät er, wie er zum U-Bahn-Fahren steht, inwiefern man als Fotograf Verantwortung hat und warum er gerade wie Pippi Langstrumpf lebt.

Während der Corona-Quarantäne haben viele alte Hobbys wiederentdeckt: Mal wieder aufs Skateboard steigen, den kompletten Kleiderschrank einer Batik-Transformation unterziehen oder Puzzeln – irgendwie streben wir gerade alle "back to the roots".

Dich hat Corona zum bekennenden Puzzle-Fan gemacht? Aber du hast genug von kitschigen Delfin-Motiven und Sonnenuntergängen? Dann schau dir mal die neuen Puzzles an, die die Berliner Verkehrsbetriebe gerade zusammen mit Ravensburger herausgebracht haben: Deren Motive hat nämlich Fotograf und Tausendsassa Paul Ripke fotografiert!

Die Paul Ripke x BVG x Ravensburger-Puzzles dienen dem guten Zweck

Doch sorry: Hübsche Models, wie auf Pauls Insta-Kanal, kannst du dir hier leider nicht zusammen puzzeln. Der Fotograf hat sich dieses Mal nämlich seine Kamera geschnappt, um damit durch die Welt der BVG zu ziehen. Heraus kamen drei Motive, die jede*r Berliner*in, der*die U-Bahn fährt, kennt: Der türkisgekachelte Bahnhof Alexanderplatz, der sonnengelbe Lack der U-Bahnen selbst und das tiefe Schwarz der unterirdischen Verkehrstunnel standen Model.

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Alle drei Puzzles sind ab Freitag, den 25. September, exklusiv im Galeria Kaufhof am Alexanderplatz für 19,99 Euro zu haben und jeweils auf 500 Stück limitiert. Das Ganze verfolgt einen guten Zweck: Die Erlöse stecken sich der Fotograf, die Verkehrsbetriebe und der Spielehersteller nämlich nicht selbst in die Tasche – sie kommen der Kreuzberger Kinderstiftung zugute!

Zum Puzzle-Launch haben wir Paul ein paar Fragen gestellt: Natürlich zum Puzzeln selbst, zum U-Bahn fahren – und zu seinem Erfolg:

NOIZZ: Paul, wann hast du das letzte Mal gepuzzelt?

Paul Ripke: Ich habe vorletzte Woche mit meinen Kindern gepuzzelt. Wir haben ein Corona-Projekt-Puzzle gestartet. Das ist noch nicht ganz fertig, weil es 10.000 Teile hat und wir eine Art Puzzle-Blockade erreicht haben ... so, wie ein Autor eine Schreibblockade erreicht! Aber ich hoffe, dass wir es dieses Jahr noch zu Ende kriegen.

Was verbindest du mit U-Bahn-Fahren?

Paul: Ich lerne so die Stadt sehr gut kennen. Ich fahre immer irgendwo U-Bahn – das erste Mal so richtig beeindruckt hat mich das in New York. Wenn man sich da einfach in verschiede U-Bahnen reinsetzt, nach Brooklyn fährt, das alles sieht ... ich bin mit Hip-Hop, mit Jay-Z und so weiter aufgewachsen, das alles live zu erleben, war schon beeindruckend. Auch in Berlin hab ich mir das U-Bahn-Fahren angewöhnt – auch dort gibt es ja schöne Außenbereiche, wo man die Stadt und vor allem die Leute sieht. Es ist schnell und effizient. Ich wohne in L.A, wo das nicht geht. Ich vermisse es, U-Bahn zu fahren – und mache es dann immer hier in Berlin.

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Öffis oder Auto?

Paul: Wenn es geht, Öffis! Je mehr, desto besser.

Sonst fotografierst du Stars, Sportler*innen und Musiker*innen – wie macht man Tram, S-Bahn und Co. sexy?

Paul: Die sind doch schon sexy! Ich finde die Farben sehr gut: Das Türkis am Alex kombiniert mit dem Gelb einer U-Bahn, das ist schon ganz schön sexy (lacht). Wenn man dann noch einen Klassiker à la "All Black Everything" reinbekommt, ist die Welt relativ schnell wunderbar.

BVG x Paul Ripke x Ravensburger

Auf deinem Instagram-Kanal sieht die Welt auch immer ganz wunderbar aus. Warum sehnt sich der Mensch so sehr nach Schönheit und Perfektionismus?

Paul: Oha, die großen Fragen der Menschheit! Ich glaube, Perfektionismus ist nicht erreichbar. Ich persönlich erfreue mich aber an schönen Dingen, ob das Möbel, Hotels oder Restaurants sind – das Auge "isst" überall mit, beim Essen ja auch. Wenn Formen aufgehen, wenn Architektur gut ist, dann erfreut mich das. Alles, was Freude bereitet und positiven Impact hat, ist doch erst mal gut. Wir Deutschen sind ja eh schon gut genug im Ärgern, im Meckern, im schlechte Laune haben.

Hat man als Fotograf Verantwortung?

Paul: Ja, man hat sicherlich die Verantwortung, das, was man sieht, so zu transportieren oder zu interpretieren, dass andere das auch sehen können. In meinem Fall war das am Anfang die Musik: dass ich eine menschliche Seite an Musikern und Rappern zeigen konnte, wodurch man sich besser mit ihnen verbinden konnte, ihnen näher kam als nur durch das Hören ihrer Musik. Aber durch soziale Medien wie Instagram und Facebook ist die Authentizität der Künstler ja durchaus mehr geworden. Die Leute sind heute viel näher dran an all diesen Menschen. Deshalb glaube ich, dass die Verantwortung von Fotografen nach und nach weniger wird.

Alle Erlöse des Puzzles gehen an die Kinderstiftung Kreuzberg. Wie findest du für dich als erfolgreicher weißer Cis-Mann und Person des öffentlichen Lebens eigentlich die Balance zwischen Kommerz und Engagement?

Paul: Ich arbeite sehr kommerziell und bin darin auch sehr egozentrisch. Weil ich beschlossen habe, dass ich mit dem, was ich tue, Geld verdienen will, für mich und meine Familie. Ich versuche, maximal viel Geld mit meiner Arbeit zu verdienen. Immer wenn das passiert, kommt dann aber ziemlich automatisch auch der Drang, etwas Anderes, Sinnvolles zu machen. Ich will lieber ganz kommerziell und dann ganz umsonst arbeiten. Wie zum Beispiel jetzt die Aktion mit BVG und Ravensburger, da spende ich mein komplettes Honorar.

Ich mache jedes Jahr sehr, sehr viele Sachen, die ich komplett umsonst mache und wo ich versuche, neben Aufmerksamkeit auch Geld zu generieren. Von dem kommerziellen Geld, das ich verdiene, spende ich auch was. Für mich ist das der richtige Weg – heißt nicht, dass das für jeden so ist. Ich arbeite echt lieber voll kommerziell auf der einen Seite und supporte dann andererseits das, was Support braucht und mir am Herzen liegt.

Du bist Fotograf, Podcaster, hast dein eigenes Mode-Label und ein Kochbuch herausgebracht – was kommt als Nächstes?

Paul: Ich weiß es nicht. Ich bin gerade so ein bisschen Pipi-Langstrumpf-mäßig unterwegs, was auch immer passiert ... Aktuell macht mir Fahrradfahren Spaß, also mach ich was mit Fahrradfahren. Gekocht habe ich jetzt vier Monate gar nicht mehr – weil es mir nicht mehr so viel Spaß gebracht hat. Ich plane nichts, ich habe keinen Masterplan.

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Ob ich in Zukunft Bock auf Curling habe oder ein Faible für Stehlampen oder Inneneinrichtung entwickle, ich weiß es nicht. Ich würde übrigens auch nicht von einem Modelabel sprechen. Ich nenne das "Textil" – ich werde dem Begriff "Mode" nicht gerecht, das sind einfach nur Hoodies (lacht). Ich bin kein Modedesigner, sondern einfach nur ein Trottel, der irgendeinen Quatsch macht. Manchmal funktioniert das. Fairerweise muss man sagen, dass man weniger von dem sieht, was nicht klappt, durch all die Algorithmen, die da so durchs Leben schallern ... man sieht nur noch, wenn was klappt.

Bei dir scheint ganz schön viel zu klappen!

Paul: Auch bei mir klappen 19 von 20 Sachen gar nicht. Aber die eine Sache klappt und dann sieht es aus, als ob alles, was ich anfasse, zu Gold wird. Weit gefehlt. Jedes Jahr mache ich ganz schön viele schlechte Projekte, die ganz schlechten Output haben und ganz schön schlecht scheitern. Aber das ist das Einzige, was ich mir fest vornehmen: Trotzdem immer neue Sachen ausprobieren.

  • Quelle:
  • Noizz.de