Ihr erstes Tattoo stach sie ihrem Dad mit 6.

Noko ist zehn Jahre alt, liebt Tiere und verpasst ihren Barbies gerne mal ein Make-over. Doch während ich meinen Puppen ganz gerne die Haare abgeschnitten oder mit Filzstift bunt gemalt habe, tobt sich Noko an ihren Puppen ganz anders aus: Sie tätowiert sie von Kopf bis Fuß!

Die Japanerin, die momentan in Amsterdam lebt, ist noch nicht mal ein Teenager, und doch tätowiert sie schon seit zwei Jahren regelmäßig. Und nicht nur Puppen kommen bei ihr unter die Nadel, auch echte Menschen lassen sich von Noko ein Kunstwerk für die Ewigkeit erschaffen. Das Handwerk hat das Mädchen von ihrem Vater gelernt, dem berühmten Tattookünstler Gakkin, der selbst Tattoos seiner Tochter auf der Haut trägt und vor vier Jahren ihr erstes Versuchsobjekt war. (Ihren eigenen Körper schmückt das Nachwuchstalent dagegen nur mit temporären Abziehbildchen, die schon mal den ganzen Arm bedecken können.)

NOIZZ hat mit Noko und ihrer Familie über ihr ungewöhnliches Hobby und ihre Kunst gesprochen.

NOIZZ: Noko, empfindest du es selbst als besonders, dass du mit zehn Jahren schon tätowierst?

Noko Nishigaki: Ich weiß nicht so recht, aber viele Leute sind überrascht, wenn sie hören, dass ich tätowiere. Also vielleicht ist es schon besonders!  

Wie reagieren erwachsene Tattoo-Künstler auf dich?

Noko: Sie sagen "Du machst das toll, weiter so", und das macht mich sehr glücklich.

Wer kommt zu dir, um sich tätowieren zu lassen?

Noko: Die meisten meiner Kunden sind Frauen. Manchmal lernen sie Japanisch oder waren schon mal in Japan. Ich bin so happy, wenn ich Menschen treffe, die Japan mögen. Mein Vater meint, es ist sehr schwer, Modelle zu finden, deshalb sind wir froh über alle Supporter.

Was willst du werden, wenn du groß bist?

Noko: Tattoo Artist! Also vielleicht ... Wenn ich als Erwachsene damit dann genug verdiene, möchte ich mit einem deutschen Schäferhund, einer siamesischen Katze und ein paar Vögeln zusammenleben.

Was inspiriert deine Motive?

Noko: Ich mag den Ornithologen John James Audubon. Wenn ich Vögel zeichne, nehme ich seine Bücher zum Vorbild.

Was ist dein liebstes Tattoo, dass du jemals jemandem gestochen hast?

Noko: Wirklich schwer, sich da zu entscheiden. Ich liebe Pinguin-Tattoos und Katzen. Ein Kunde lässt sich gerade meine Vögel auf dem Arm verschönern. Wenn ich die fertig habe, wird es mein bestes Tattoo ever sein!

Was war die erste Reaktion deiner Eltern?

Noko: Meine Mutter war sehr nervös, als ich meinen ersten Kunden tätowierte, mein Vater dagegen nicht. Ich selbst war auch nervös. Allerdings ist es für ein erstes Tattoo richtig gut geworden, das hat mir mein Vater gesagt. Wir haben uns dann alle zusammen gefreut.

Nokos Eltern lassen sich von der Kultur in ihrem Heimatland Japan nicht beeinflussen

Wie habt ihr als Eltern reagiert, als Noko gesagt hat, dass sie Tätowieren möchte?

Megumi (Nokos Mutter): Wir haben uns sehr gefreut. Wir lieben ihre Zeichnungen und ihre Vorstellungskraft. Es macht ihr Spaß, und deshalb unterstützen wir sie, so gut wir können.

Ist es euch schwer gefallen, zu entscheiden, ob sie Tätowieren darf?

Megumi: Nein, eigentlich nicht. Falls wir natürlich dauerhaft nah Japan ziehen, wäre es besser, ein anderes Hobby für sie zu finden. [Anm. d. Red.: In Japan dürfen rechtlich nur medizinisch ausgebildeten Menschen als Tattoo Artists arbeiten.]

Es gibt allerdings viele Länder, die Tattoos akzeptieren, und wir selbst empfinden Tattoos als Kunst. Es ist so, als würde man ganz besondere, maßgeschneiderte Kleidung oder Accessoires tragen. Jedoch erinnern wir Noko auch daran, immer vorsichtig mit den Nadeln umzugehen und immer zu desinfizieren.

Habt ihr selbst Tattoos von Noko?

Gakkin (Nokos Vater): Ja, ich habe fünf Tattoos von ihr. Blumen, Vögel und einen Pilz. Alle Tattoos von ihr sind meine Lieblinge.

Wie reagieren andere Eltern, wenn sie von Nokos Hobby erfahren?

Megumi: Vor ein paar Monaten hat ihr Lehrer über sie im Internet gelesen. Dann haben alle Klassenkameraden ein Video von ihr im Unterricht angeschaut. Wir haben danach viele nette Worte von anderen Eltern gehört. Wir sind sehr froh über das Verständnis.

Ihr Lehrer lässt sich nächsten Monat von ihr tätowieren. Sie freut sich schon total! Wenn das alles in Japan passieren würde, wäre es wohl schwieriger, von anderen Menschen Verständnis entgegen gebracht zu bekommen...

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Quelle: Noizz.de