NOIZZ of Berlin #1: Kottbusser Tor

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Ashley aus Amsterdam: Sie haben wir für unsere Kotti-Folge als erstes angesprochen Foto: Pete Stefanov / Noizz.de

Ein Travestiekünstler aus San Francisco, ein Kunststudent aus New York und eine Kamerafrau aus Amsterdam ...

Was ich an Berlin liebe, sind die Leute. Touristen auf der Suche nach dem Hype, Poser, die nach Aufmerksamkeit lechzen, Paradiesvögel, die einfach nur schillern wollen. Ich liebe es, diese Menschen zu beobachten – nicht gezielt, sondern während ich auf eine Freundin warte oder im Café sitze und Weißweinschorle trinke. Auf dem Fahrrad an der Ampel, im U-Bahnhof. Im Museum, vom Balkon aus, beim Döneressen.

Dabei überkommt mich eine große Neugierde. Wann immer ich eine interessante Person sehe, will ich mehr über sie wissen: Woher kommt sie, was macht sie, wohin ist sie gerade unterwegs? Manchmal zücke ich sogar mein iPhone und schieße heimlich ein Foto von ihnen. Später zeig ich es meinen Freunden – wie eine Trophäe: „Schau dir diesen Typen an: Schräger Style!“ Zusammen rätseln wir dann, was dieser Typ wohl in Wirklichkeit macht.

Gehört quasi schon zum Kotti-Inventar: Daniel Foto: Pete Stefanov / Noizz.de

Bisher habe ich keine gute Ausrede gehabt, all diese Menschen anzusprechen – geschweige denn, sie zu fotografieren. Jetzt – endlich! – hab ich sie! Zusammen mit NOIZZ habe ich ein Format entwickelt, in dem meine täglichen Beobachtungen regelmäßig stattfinden können – in aller Öffentlichkeit und ganz offiziell. Es heißt „NOIZZ of Berlin“, und auf Instagram findet ihr es unter dem Hashtag #NOIZZofBerlin oder auf unserem neuen Instagram-Kanal @dailyNOIZZ.

NOIZZ of Berlin #1: Kottbusser Tor

Der Kotti Foto: Pete Stefanov / Noizz.de

Für die erste Folge haben mein Fotograf Pete und ich uns ein paar Stunden lang am Kottbusser Tor rumgetrieben. Der Kotti ist ja ein sehr spezieller Ort: Die Medien haben ihn vor einiger Zeit als No-Go-Area dargestellt. Es war von Antänzern die Rede, von einer Situation, der die Polizei nicht mehr Herr wird. Ein bisschen was ist da wohl dran. Aber allgemein erscheint mir persönlich die Lage nicht gar so schlimm ...

Ich fühle mich auf dem Kotti immer wohl – egal zu welcher Uhrzeit. Ich mag das Chaos, die Läden, die Leute. Schön ist er nicht, aber interessant. Ein kleines Abenteuer. Und es gibt viel zu sehen!

Das bunte, manchmal bedrohliche Treiben Foto: Pete Stefanov / Noizz.de

An jenem Nachmittag im Mai haben wir jedenfalls eine Handvoll Menschen angesprochen, die aus der Masse herausstachen. Bei manchen von ihnen haben wir später gemerkt, dass sie noch viel mehr Geschichten zu erzählen hätten, als wir aufgeschrieben haben. Uns hat in jenem Moment vor allem interessiert, was sie mit dem Kotti verbinden.

Denn NOIZZ of Berlin soll nicht nur Porträts von aufsehenerregenden Bewohnern und Besuchern Berlins zeichnen, sondern auch von (ihren) Orten. Falls ihr Vorschläge für solche Orte habt, schreibt sie uns, und wir nehmen sie in unsere Bucket List auf!

Ashley, 26, Studentin und VJane aus Amsterdam

Foto: Pete Stefanov / Noizz.de

„Ich bin zum ersten Mal in Berlin und schon zum zweiten Mal hier am Kotti. Der Ort fühlt sich für mich aber bereits jetzt ein bisschen an wie mein Zuhause - nicht, weil es hier so wäre wie in Amsterdam, sondern weil ich das Gefühl habe, dass ich hier leben könnte. Alle sind hier so welcoming und home feeling.“

Links und rechts: Ashleys wunderbare Tattoos Foto: Pete Stefanov / Noizz.de

Mehr über Ashley erfahrt ihr auf ihrem Instagram-Account:

Benji, 26

Foto: Pete Stefanov / Noizz.de

„Ich verbinde nicht so viel Positives mit dem Kotti – Junkies, viele Touristen und auch viele Leute, mit denen ich vielleicht nicht unbedingt die ganze Zeit abhängen würde. Ansonsten ist es natürlich trotzdem eine belebte Ecke. Ich finde es eigentlich auch interessant, aber ich bin nicht so gerne hier. Ich komme vielleicht einmal im Monat her. Und meistens treffe ich dann Leute oder Freunde, die hier in der Nähe wohnen. Der Kotti ist dann quasi der Anlaufpunkt, wo man sich trifft.“

Mitte: Barfußschuhe on fleek! Foto: Pete Stefanov / Noizz.de

Navot, 27, Student an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee (ursprünglich aus NYC)

Foto: Pete Stefanov / Noizz.de

„Ich bin vor viereinhalb Jahren nach Berlin gezogen, und damals war ich sehr oft am Kotti, weil ich in Tempelhof gewohnt habe. Jetzt wohne ich in Mitte und bin nicht mehr so oft hier. Aber it has its place in my heart (lacht).

Ich habe den Kotti nicht verlassen, ich habe aber das Gefühl, dass er seit damals radikaler geworden ist. Hier sind immer sehr viele Polizisten, und wenn die nicht da sind, sind hier Diebe. Manchmal gibt’s hier auch Antisemitismus oder Homophobie. Für mich ist der Kotti trotzdem okay. Er ist irgendwie eine Mischung aus Liebe und (vielleicht nicht gerade Hass, aber zumindest) Nicht-Liebe. Und vielleicht gerade weil es hier ein bisschen radikal und nicht so gemütlich ist, ist es gut, dass auch wir – du, du und ich – hier sind und Toleranz zeigen.

Links: Navots leckere Hotdog-Socken Foto: Pete Stefanov / Noizz.de

Heute bin ich hier, weil mein Professor sein Atelier am Kotti hat und unsere Klasse einen Termin bei ihm hat. Ich bin allerdings zu früh! Ich habe die E-Mail nicht gelesen, in der stand, dass der Termin auf später verschoben wurde. Jetzt fahre ich noch mal zurück nach Mitte und komme um 17 Uhr wieder.“

Mehr über Navot erfahrt ihr auf seinem Instagram-Account:

George, 33, Travestiekünstler (ursprünglich aus San Francisco)

Foto: Pete Stefanov / Noizz.de

„Der Kotti erinnert mich sehr an das Viertel in San Francisco, aus dem ich komme: Mission District. Der ist zwar überwiegend mexikanisch, aber ganz viele verschiedene Kulturen kommen dorthin und bleiben.

Der Kotti ist für mich ein multikultureller und sehr familiärer Ort – alle kennen sich hier irgendwie untereinander. Im Grunde ist es jeden Tag wie eine neue Show. Wenn man einmal darauf achten würde, was hier alles passiert, könnte man daraus eine ganze TV-Show machen – nur über das Kottbusser Tor und über die Sachen, die hier passieren: die Krankenwägen, die Kämpfe, die Leute, die sich küssen und umarmen, die Autounfälle – wie eine Telenovela! Hier schreien sich Leute oft auch einfach an – immer hin und her.

Links: Unser neuer Lieblings-Ring! Foto: Pete Stefanov / Noizz.de

Es ist wirklich sehr lustig und spannend, hier zu leben – meine Wohnung ist nur fünf Minuten von hier entfernt, und ich bin mindestens drei oder vier Mal in der Woche hier.“

Mehr über George erfahrt ihr auf seinem Instagram-Account:

Silvia, 27, Künstlerin (ursprünglich aus Frankreich)

Foto: Pete Stefanov / Noizz.de

„Ich habe die nächsten acht Monate frei und bin deshalb auf Abenteuerreisen. Von Berlin habe ich schon oft geträumt und nun bin ich da.

Rechts: Silvias Ohrringe mit knallroten Quasten Foto: Pete Stefanov / Noizz.de

Am Kotti bin ich zum ersten Mal, aber ich muss sagen, ich verliebe mich gerade in diesen Ort. Alles hier macht mich glücklich: die Stimmung, die Energie, die man hier fühlt ... Alles ist so positiv, und ich liebe positiv! Irgendwann möchte ich einmal hier leben.“

Mehr über Silvia erfahrt ihr ihrem Instagram-Account:

Gai, 28 (ursprünglich aus Ouagadougou, Burkina Faso)

Foto: Pete Stefanov / Noizz.de

„Ich bin vor neun Monaten nach Berlin gekommen, weil es eine der offensten Städte für queere Menschen ist, und ich hier deshalb besser leben kann.

Den Kotti mag ich. Ich fühle mich hier wie zu Hause. Ouagadougou ist auch immer voller Menschen, die das Leben genießen – vor allem am Wochenende. Die Leute hier am Kotti sind einfach cool, und alles, was man braucht, hat man in der Nähe. Wenn ich den Kotti verlasse und nach Marzahn oder Prenzlauer Berg gehe, fühle ich nicht dasselbe wie hier.“

Air Jordan! Foto: Pete Stefanov / Noizz.de

Falls euch #NOIZZofBerlin gefällt, folgt dem Hashtag auf Twitter oder abonniert einfach unseren neuen Instagram-Kanal @dailyNOIZZ!

Quelle: Noizz.de

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