NOIZZ of Berlin #2: Park am Gleisdreieck

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Yixin im U-Bahnhof Gleisdreieck Foto: Yannick Selinger / Noizz.de

Skater-Zwillinge, die in einem Van wohnen, eine Designerin aus Peking, ein tätowierter Fixie-Fan aus Stuttgart.

In der ersten Folge von "NOIZZ of Berlin" war ich ja am Kottbusser Tor: einem engen, lauten, vollen Ort. Deshalb hab ich für die zweite Folge einen Ort von ganz anderer Natur aufgesucht: den Park am Gleisdreieck.

Und um es kurz zu machen: Ich liebe ihn.

Allein schon die Lage zwischen Kreuzberg, Schöneberg und Tiergarten, die Bahntrasse, die ein New-York-Feeling heraufbeschwört, die verwitterten Bahngleise, die nach Wildem Westen aussehen, die Weitläufigkeit, die Vielseitigkeit.

Das Drumherum: der Landwehrkanal, die Yorckstraße, die Monumentenbrücke.

Im Park am Gleisdreieck kann man machen, was man will: Auf der Wiese rumliegen und picknicken, auf einer Bank rumsitzen und Leute beobachten, Tischtennis spielen, Volleyball spielen, Skaten, Longboarden, mit dem Fahrrad rumcruisen, im BRLO Brwhouse ein Craftbeer trinken, Sprayer beim Graffitieren zuschauen - und was nicht alles noch.

Die Atmosphäre ist immer sehr friedlich - noch nie hab ich mich dort bedroht gefühlt. Und wenn ich genug hab, besteig ich mein Fahrrad und radel glücklich nach Hause.

Der Skate-Park im Park am Gleisdreieck Foto: Yannick Selinger / Noizz.de

Jetzt war ich zum ersten Mal beruflich in dem Park - zusammen mit meinem Fotografen Yannick. Wir wollten Menschen fotografieren, die dem Geist des Ortes entsprechen. Und wir wollten sie fragen, was sie mit dem Ort verbinden - warum sie gerade jetzt genau dort sind.

Leider kamen wir beim ersten Mal nicht weit. Das Problem: Wir waren zu früh aufgebrochen, an einem Montagvormittag um 11 Uhr. Der Park war leer. Kein Vergleich zu den heiteren, sonnendurchfluteten Nachmittagen oder Abenden, die ich dort oft verbracht habe. Wir schummelten ein wenig und wichen aus - zur U-Bahnstation Gleisdreieck. Wundert euch also nicht, wenn ein Schwung Bilder dort entstand.

[Mehr dazu: NOIZZ of Berlin #1: Kottbusser Tor]

Unser zweiter Versuch ging auch ein wenig in die Hose, was nicht am Wochentag oder der Uhrzeit lag - diesmal waren wir an einem Freitagnachmittag unterwegs -, sondern am Wetter. Die ganze Woche schien die Sonne, am Freitag war's plötzlich kalt und bewölkt. Egal. Wir gaben Gas. Und schnappten uns jeden NOIZZ-of-Berlin-würdigen Menschen, den der Park hergab!

Falls euch das Format gefällt, findet ihr es auf Instagram unter demn Hashtag #NOIZZofBerlin oder auf unserem neuen Instagram-Kanal @dailyNOIZZ.

Yixin, 24, Designerin (ursprünglich aus Peking)

Foto: Yannick Selinger / Noizz.de

"Hier am Gleisdreieck bin ich nicht so oft - eigentlich nur dreimal die Woche. Ich wohne am Schlesischen Tor und muss hier immer umsteigen, um zu meiner Arbeit zu fahren - einem Minijob in Charlottenburg. Ich mag Berlin. Hier ist alles ein bisschen verrückter als in China.

Foto: Yannick Selinger / Noizz.de

Der Armreif ist von meiner Uni in Peking: der Central Academy of Fine Arts. Die Schuhe habe ich online gekauft - bei einem kleinen Designstudio aus China. Der Sticker auf meinem Mac ist von einer Ausstellung hier in Berlin. Den Namen der Galerie hab ich leider vergessen."

Mehr über Yixin erfahrt ihr auf ihrem Instagram-Account:

Marec, 32, Produktmanager aus Stuttgart

Foto: Yannick Selinger / Noizz.de

"Meine Kumpels und ich sind wegen dem Fixed42 von Rad Race hier, einem Fixed-Gear-Rennen, das einmal im Jahr in Berlin stattfindet. Ich bin mit zwei Fixie-Crews aus Stuttgart da, meinem Heaven and Hell Cycle Club und den Stuttgarter Velohelden. Insgesamt sind wir zu zehnt.

Den Park am Gleisdreieck kenne ich schon vom letzten Jahr, wo wir auch an dem Rennen teilgenommen haben. Ein wunderschöner Spielplatz. In Stuttgart haben wir leider keine so riesige freie Fläche, wo man einfach mal ein bisschen Zeit verbringen kann - im Biergarten, auf dem Basketballplatz, an den Tischtennisplatten …

Foto: Yannick Selinger / Noizz.de

Meine Tattoos sind alle über die Jahre entstanden. Das hier auf meinem Bein ist zum Beispiel eine Schauspielerin aus den 1920ern. Und das hier auf meinem Unterarm ist mein wichtigstes: 'Ein Gang'. Das steht für Fixed Gear oder Fixie - also für ein Fahrrad, das nur einen Gang und keinen Freilauf hat.

Foto: Yannick Selinger / Noizz.de

Wir, meine Freunde und ich, haben alle vor sieben Jahren mit dem Radfahren angefangen. Mittlerweile ist das für uns ein sehr intensives Hobby geworden. Im Sommer fahren wir 'fixed' - also mit nur einem Gang - von Genf über die französischen Alpen nach Nizza. Wir haben dafür sogar einen Sponsoren gefunden, und es wird ein kleines Videoprojekt daraus hervorgehen."

Mehr über Marek erfahrt ihr auf seinem Instagram-Account:

Rosa, 21, Regie-Studentin (ursprünglich aus Düsseldorf)

Foto: Yannick Selinger / Noizz.de

"Ich wohne in der Nähe vom Park am Gleisdreieck und bin deshalb super oft hier. Ich hab meinen kompletten letzten Sommer hier verbracht, und den Sommer davor auch. Jetzt gerade bin ich hier zum Skaten - ich skate allerdings erst seit einer Woche!

Ich war mit dem Board schon auf dem Tempelhofer Feld und im Skate-Park in der Hasenheide. Ich hab mir das Brett auf eBay-Kleinanzeigen gekauft - und bin dafür gleich mal von ein paar Profis belächelt worden. Die haben mir dann tatsächlich ein neues, besseres Board geschenkt, das sie nicht mehr brauchten. Das muss ich jetzt demnächst mal umschrauben.

Foto: Yannick Selinger / Noizz.de

Meine Tattoos habe ich mir alle selbst gestochen. Diese Buchstaben hier, KL, sind die Initialen meiner besten Freundin. Das hier, ROSA, ist mein Name, und das Feuerzeug hier war mein erstes Tattoo. Das fand ich damals ein ganz chilliges Motiv."

Mehr über Rosa erfahrt ihr auf ihrem Instagram-Account:

Alvaro, 25, Kunstgeschichts-Student aus Prag (ursprünglich aus Madrid)

Foto: Yannick Selinger / Noizz.de

„Ich bin nur übers Wochenende in Berlin. Diesen Park hier kannte ich bis vor zwei Stunden noch nicht. Ich habe ihn auf dem Weg vom Fernbus zum Hostel gefunden - per Google Maps. In Spanien würdest du so was nicht finden: Leute, die mitten am Tag Graffitis sprühen, Leute, die skaten. Die Spanier mögen Skater irgendwie nicht. In Madrid wurde das Skaten kürzlich sogar verboten!

Ich selbst skate, seit ich sechs bin. Mit zwölf habe ich mir dabei sogar mal beide Beine gebrochen. Skaten ist super, um neue Leute kennenzulernen - aus der ganzen Welt. Hier im Park lern ich bestimmt auch gleich noch Skater kennen.

Foto: Yannick Selinger / Noizz.de

Mein Board ist von Cliché Skateboards, einer Marke, die gar nicht mehr existiert. Ich hab’s einem Freund für 5 Euro abgekauft; von ihm sind auch noch die meisten Sticker. Den hier hab ich gerade raufgeklebt: Ich hab ihn vorhin an der Busstation bekommen.

Ansonsten mache ich auch noch Kunst - eine Menge Zeugs. Ich habe mit Graffitis angefangen, aber mittlerweile male ich eher in meine Skizzenbücher. Ich würde auch gerne Tattoos machen, aber ich habe keine Tätowiermaschine.“

Mehr über Alvares erfahrt ihr auf seinem Instagram-Account:

Utty, 30, Barista (geboren in Nepal, aufgewachsen in Thailand, zuletzt in Australien)

Foto: Yannick Selinger / Noizz.de

„Ich bin gerade erst nach Berlin gezogen, vor vier Wochen - just for fun! Letztes Jahr habe ich in Schweden gelebt und gearbeitet, aber jetzt wollte ich was anderes. Hier, im U-Bahnhof Gleisdreieck, habe ich nur eine Schlüsselübergabe gemacht, damit ich in die Wohnung kann. Meine Mitbewohnerin und ich haben momentan nur einen Schlüssel, und sie ist gerade in Neukölln.

Was meinen Körperschmuck angeht: Ich steh auf Tattoos! Das hier ist von einem französischen Tätowierer. Ich hatte bei Instagram gesehen, dass er in Australien unterwegs ist und hab ihn einfach angehauen. Das Tattoo stellt eine nepalesische Gottheit dar, ausgeführt in traditionellem amerikanischem Stil. Das andere ist von einem Spanier. Ich mag Linien - und sein Stil besteht aus Punkten und Linien. Ich sagte ihm einfach: Mach, was du willst!

Foto: Yannick Selinger / Noizz.de

Die Kette, die ich trage, hat eine tierfere Bedeutung. Den Stein hat ein nepalesischer Priester geweiht. Meine Eltern haben mir das Schmuckstück geschenkt, nachdem ich mir einmal den Rücken schwer verletzt hatte. Sie sind sehr religiös ...¡

Mehr über Utty erfahrt ihr auf seinem Instagram-Account:

Lizzy und Jackie, 27, Freelancer auf Musik-Festivals aus San Diego

Foto: Yannick Selinger / Noizz.de

„Wir sind seit Anfang Mai in Europa und besuchen Freunde hier. Wir sind gerade erst angekommen; bis gestern waren wir noch in Barcelona. Am Flughafen haben wir dann einfach 'Skatepark' gegoogelt und sind mit Zug und Bus direkt hierher gekommen.

Übernachten werden wir bei unseren Freunden. Allerdings wissen wir nicht genau, wo sie wohnen. Sie haben nur gesagt, dass sie in der Nähe eines großen Clubs wohnen, der vier Tage am Stück auf hat. Wie er heißt, wissen wir aber nicht." – „Berghain?“ – "Ja, Berghain! Genau!“

„Der Park hier ist wirklich sehr süß, und Berlin finden wir super nice. Jeder hilft einem. Wir sprechen ja kein Deutsch, aber alle sprechen hier Englisch ...

Foto: Yannick Selinger / Noizz.de

Wir arbeiten für Festivals auf der ganzen Welt. Deswegen sind wir gerade auch in Europa beziehungsweise jetzt in Berlin. Wir sind auf dem Weg nach Portugal, um dort im Juli beim Aufbau des Boom-Festivals zu helfen.

Beim Coachella haben wir das zwar noch nicht gemacht, aber wir waren schon mal dort. Bekannte von uns hatten dort einen Food-Stand und haben Leute gesucht, die aushelfen. Also haben wir auf dem Coachella essen verkauft. Wir haben wirklich schon viele Shows gesehen, aber Beyoncé war die beste Show unseres Lebens.

Foto: Yannick Selinger / Noizz.de
Foto: Yannick Selinger / Noizz.de

Die Boards nehmen wir überall hin mit - seit 2010! Es ist super leicht, mit ihnen zu reisen. Du machst sie einfach am Rucksack fest und hast dann immer ein gutes Fortbewegungsmittel dabei. Board und Rucksack ­– mehr haben wir nicht. In San Diego leben wir in einem Van.

Die Kette hier ist von Third Eye Pinecones in Santa Cruz, Kalifornien. Und im Grunde sind diese Ketten auch Schuld daran, dass wir jetzt international auf Festivals arbeiten. Wir haben diese Ketten damals für Third Eye Pinecones auf Festivals verkauft und dadurch viele Leute kennengelernt. Und genau diese Leute sind es nun, für die wir heute Festivals aufbauen. Den Ring haben wir beide. Er stammt aus Saint Louis, Kalifornien.“

Mehr über Lizzy und Jackie erfahrt ihr auf ihrem Instagram-Account:

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Quelle: Noizz.de